Schorndorf

Hinreißende Live-Musik-Magie im Manu-Hof

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Zum Start des Manufaktur-Sommers: Konzert mit Luis Zirkelbach. © Ralph Steinemann

Ja, wir haben es vermisst! Und war da je überhaupt irgendetwas? Ein Mangel? Eine Unterbrechung? Gar eine von der Merkel-Regierung verfügte Einschränkung unserer grundgesetzlich garantierten Konsum- und Hörgewohnheiten? Mitnichten eine große Verschwörung? Ein Schlag aufs sonst doch eher taube Ohr?

Ach eher nein! Denn sofort stellte es sich wieder ein: dieses durch nichts zu ersetzende, bauch-prickelnde Körpergefühl bei einem Live-Konzert. So auch zur Eröffnung des traditionellen Kultursommers der Manufaktur. Die tollste Nachricht überhaupt: Er findet statt! Zu sommerlich schmeichelnden Abendtemperaturen, kurz vor der Sonnenwende, im lauschigen Hofgarten beim Hammerschlag. War da nicht wieder dieses besondere, musikalisch knisternde Lebens-(Live-)Glück zu spüren?

Insgesamt 99 Besucher durften eingelassen werden. In gebührendem Abstand standen Stühle und Tische voneinander entfernt. Alle besetzt. Das Publikum, aufs Schönste gemischt zwischen Jung und Alt, sich selbst genießend, plaudernd, trinkend, schmausend, leicht und lässig – sehen und gesehen werden – das Konzert erwartend.

Dieses Areal: ein durchaus besonderer Ort an der östlichen Peripherie der Stadt. Ein Kultur-Hotspot mit Manu, Jazzclub, VHS, Jugendzentrum und Künstlerateliers. Und so sah man denn den Maler Hardy Langer entspannt auf dem Bänkchen vor seinem Studio sitzen und Freund und Feind freigiebig lecker schwarzgebrannte, eher gemeuchelte Pizzaschnitten anbieten.

Auch die beiden Ateliergenossen Heinrich Adler und Gez Zirkelbach nutzten die Gelegenheit, ihre mehr oder wenige ausgefallene Ausstellung in der Manu mit einer Open-Air-Präsentation einiger ihrer Bilder wenigstens in Erinnerung zu rufen. So wurde der Hof fast zum Gesamtkunstwerk.

Und die Show findet eben nicht nur auf der Bühne statt, sondern einmal mehr wurde deutlich: Das Publikum ist mindestens ebendie Show! So sah man denn eine äußerst quirlig attraktive Freundinnen-Gruppe an einem Tisch, die richtig Spaß miteinander zu haben schien.

Anda, Lisa, Sophia, Vivienne, Rebecca und Leonie, so gerade mal 20 Jahre alt, aus Schorndorf, Urbach und Plüderhausen, waren da – so ganz ohne männliche Begleitung –, weil sie Luis Zirkelbach und Peter Orbok (das ist „Captain Kobro“) irgendwie kennen und deren Fans sind. Und sie waren denn auch – sichtlich bewegt tennisschuhwippend – sehr begeistert vom tatsächlich charmant-charismatischen Auftritt ihrer beiden Musiker.

Ja, und der war wirklich so überhaupt nicht schlecht. Luis Zirkelbachs erster Song wetzte sozusagen antizyklisch mit dem Song „Oh, what a beautiful World“ die Stimmgabel in Richtung hymnischer Lebensfreude. Jubel garantiert. Sichtbar freudig gab er solo und dann mit seinem Kumpel Kobro ein Konzert, das je länger, je mehr in Bann schlug. Texte auf Deutsch und Englisch, zwischen melancholischer Poesie und Aufruhr, mitreißend aufgeputscht vom Bass- und Gitarren-Gewebe – nicht eine Note zu viel! – von Captain Kobro, war das einfach klasse. So sah es auch der Manu-Vorsitzende Milo Tadic: „Wir sind froh über den Zusammenhalt von Gästen, Künstlern und unserem Team.“

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Weil ihre Ausstellung ausfallen musste: Open-Air-Präsentation der Künstler Gez Zirkelbach und Heinrich Adler am Rande des Konzerts. © Ralph Steinemann