Schorndorf

Home-Office-Pflicht läuft aus: So geht's in Schorndorfer Firmen weiter

Home-Office-Angebotspflicht
Es hat sich fast in eine Normalität verwandelt: Das mobile Arbeiten zu Hause oder von unterwegs aus. © ALEXANDRA PALMIZI

Strukturen wurden in vielen Firmen zu Beginn der Corona-Pandemie geschaffen, um den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die Tätigkeit von zu Hause aus zu erleichtern. Neue Arbeitsabläufe kamen zustande, Besprechungen wurden über Videokonferenzen abgehalten. Home-Office statt Großraumbüro. Was als scheinbare Übergangslösung begann, um die Kontakte zur Eindämmung des Coronavirus zu reduzieren, ist mehr und mehr die „neue Normalität“ geworden. Kurzer Weg zur Arbeit (einmal über den Flur an den hauseigenen Tisch), ein selbst gekochtes Mittagessen, einsilbige Gesprächspartner und der unbequeme Esszimmerstuhl gehören dazu.

Und seit der Einführung der Home-Office-Pflicht betraf es im Grunde jeden, der keinen Kundenkontakt für die Ausübung seines Berufs braucht. Und tatsächlich hatte eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums in der Hochzeit 2021 ergeben, dass die Nutzung des Home-Office wegen der Corona-Pandemie im Frühjahr ihren Höhepunkt erreicht hatte. Fast die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland (48 Prozent) arbeiteten zumindest stundenweise im Home-Office.

Stadtverwaltung: Mobiles Arbeiten nach Rücksprache mit Führungskraft möglich

In den vergangenen zwei Jahren galt zweimal eine Home-Office-Pflicht. Nun soll diese voraussichtlich ab dem 20. März wieder fallen – aber wie geht es danach weiter? Bleibt die Möglichkeit auf Home-Office und mobiles Arbeiten bestehen oder wollen Firmen wieder zurückrudern und ihre Belegschaft ins Büro zurückholen? Wir haben uns bei Unternehmen und Institutionen in Schorndorf umgehört.

Die Stadtverwaltung Schorndorf beispielsweise wird mit dem Wegfall der gesetzlich vorgeschriebenen Home-Office-Pflicht diese auch aufheben, lässt Verena Krabbe von der Stadtverwaltung Schorndorf wissen. „Im Rahmen unserer Dienstvereinbarung Hybride Arbeit ist das mobile Arbeiten aber nach Rücksprache mit der Führungskraft auch weiterhin möglich.“

Vorbehaltlich der weiteren Entwicklungen dürfen unter Einhaltung der Abstandsregeln die Büros wieder mehrfach belegt werden und auch Präsenztermine wieder stattfinden. Wo kein Abstand eingehalten werden kann, müssen weiter Schutzmaßnahmen, wie beispielsweise das Tragen einer Maske, ergriffen werden.

Krankenkassen: Ein fester Bestandteil auch nach der gesetzlichen Regelung

Home-Office wird bei den Standorten der Krankenkasse Barmer, wie beispielsweise in Schorndorf, auch nach dem Ende der entsprechenden gesetzlichen Regelung ein fester Bestandteil der Arbeitskultur sein. „Bereits vor der Pandemie hatten weite Teile der Belegschaft die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten“, sagt Winfried Plötze, Landesgeschäftsführer der Barmer in Baden-Württemberg. Das Ende der Pflicht zum Home-Office tangiert die Krankenkasse deshalb nur sekundär, da Home-Office als Teil einer modernen Arbeitswelt auch weiterhin Bestand haben werde.

Plötze: „Als große Krankenkasse, die Unternehmen Angebote für ein professionelles betriebliches Gesundheitsmanagement anbietet, wissen wir, dass in diesem Zusammenhang der soziale und persönliche Austausch sowie die Vernetzung der Kolleginnen und Kollegen nicht vernachlässigt werden dürfen. Der digitale Wandel wird auch nach Corona voranschreiten.“ Deshalb sollten Betriebe umso mehr die Voraussetzungen für gesunde und zufriedene Mitarbeitende schaffen.

Dies ist auch das Ergebnis der aktuellen repräsentativen Studie social health@work und der Universität St. Gallen. Die Studie zeige, dass die Corona-Pandemie in der Arbeitswelt den Digitalisierungsturbo gezündet hat mit vielfältigen Auswirkungen. Flexibles, digitales Arbeiten ist zwar zunächst eine Herausforderung. Am Ende können aber Unternehmen und Beschäftigte gleichermaßen davon profitieren.

Seit Beginn der Pandemie hat auch die AOK Baden-Württemberg, die auch eine Anlaufstelle in Schorndorf hat, umfangreiche Arbeitsschutzmaßnahmen umgesetzt. Bereits im März 2020 hat die Krankenkasse die technischen Voraussetzungen geschaffen, dass die Mitarbeitenden datenschutzgerecht auch von zu Hause aus arbeiten können. Die Home-Office-Quote sei im gesamten Unternehmen hoch. Aktuell sei man im Austausch mit der Personalvertretung, wie mit bestehenden und gegebenenfalls neu zu treffenden Dienstvereinbarungen gute Rahmenbedingungen rund um die Arbeit im Home-Office weiterhin möglich sind, heißt es von Seiten der Pressestelle.

Laut eines aktuellen Referentenentwurfs der Sars-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sollen die Maßnahmen zum betrieblichen Infektionsschutz bis zum 25. Mai 2022 beibehalten werden – dazu gehört auch die Verminderung betrieblicher Kontakte zum Beispiel durch Home-Office-Angebote.

Schatz-Gruppe: Viel Geld investiert, um auf mobiles Arbeiten umsteigen zu können

„Wir haben im ersten Lockdown viel Geld investiert und einen sehr hohen Einsatz der EDV-Abteilung gehabt, um auf mobiles Arbeiten umsteigen zu können, so wurden Bildschirme und Laptops besorgt und EDV-Programme eingeführt, um ein einigermaßen reibungsloses Arbeiten zu ermöglichen“, schildert Michael Rieger von der Schatz-Gruppe das mobile Arbeiten in der Pandemie. Er fügt hinzu: „Und das nicht zulasten der Mitarbeiter, diese haben sowohl einen Corona-Bonus wie auch Weihnachtsgeld erhalten.“

Das mittelständische, familiengeführte Unternehmen aus den Bereichen Architektur, Statik, Haustechnik, Schlüsselfertigbau und Immobilien konnte somit auch gut und schnell auf den zweiten Lockdown reagieren, als diese Art des Arbeitens wieder in den Fokus rückte. Gut 100 Mitarbeiter sind am Standort Schorndorf beschäftigt. „Wir setzen auf den Familiengedanken im Unternehmen, und dazu gehören auch der persönliche Austausch, die Nähe zu den Mitarbeitern – das ist via Bildschirm nicht machbar“, sagt Rieger.

Ebenso sei das Einarbeiten neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der fünf Azubis schlichtweg unmöglich, wenn „man nicht vor Ort zusammenarbeiten kann und die Unternehmenskultur kennenlernt“. Kurze Wege innerhalb der Firma seien wichtig, um Dinge zu besprechen oder Projekte gemeinsam zu bearbeiten. „Für uns ist das mobile Arbeiten auf Dauer keine Lösung, wir werden wieder gemeinsam vor Ort in den Büros arbeiten.“ Der Gruppengedanke zähle. Sollte es wieder so weit kommen, dass man ins mobile Arbeiten übergehen muss, dann sei man vorbereitet.

Banken: Angebot bleibt bestehen, auch wenn die Pflicht fällt

Die Volksbank Stuttgart, zu der auch die Regionaldirektion in Schorndorf gehört, hat im vergangenen Jahr eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, die allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bis zu zwei Home-Office-Tage pro Woche ermöglicht. „Insofern haben wir bereits frühzeitig die technischen und organisatorischen Voraussetzungen für Home-Office geschaffen, die unabhängig von der Corona-Pandemie bestehen bleiben“, sagt Robert Hägelen, Bereichsleiter Unternehmenskommunikation und Marketing bei der Volksbank Stuttgart.

Das mobile Arbeiten ist auch für die Kreissparkasse Waiblingen/Schorndorf ein wichtiger Baustein. Pressesprecherin Rebecca Straub: „Die Mitarbeitenden der Kreissparkasse Waiblingen haben bereits seit Ende 2019 die Möglichkeit, mobiles Arbeiten auf freiwilliger Basis zu nutzen, sofern das jeweilige Aufgabengebiet mobiles Arbeiten zulässt.“ Bei der Kreissparkasse Waiblingen nutzen derzeit rund 800 Mitarbeitende das mobile Arbeiten. Das Angebot des mobilen Arbeitens bleibe nach dem 20. März 2022 unverändert bestehen. „Wir gehen davon aus, dass sich der Umfang der mobilen Arbeitstage reduzieren wird, wenn es die Pandemiesituation zulässt. Für uns ist mobiles Arbeiten ein wichtiger Baustein als attraktiver und familienfreundlicher Arbeitgeber im Rems-Murr-Kreis.“

Hahn-Gruppe: Abstimmung mit dem Vorgesetzten

„Unabhängig von staatlichen Forderungen hat die Hahn-Gruppe eine Regelung, wonach mobiles Arbeiten möglich ist. Voraussetzung ist die Abstimmung mit dem Vorgesetzten, dass es die jeweilige Tätigkeit erlaubt und dass die technischen Möglichkeiten eine Heimarbeit zulassen“, sagt Nicole Hahn. Im Rahmen der unternehmenseigenen Hahn-Akademie habe man ein Projekt gestartet, das sich mit der optimalen Balance zwischen Anwesenheit im Büro und mobilem Arbeiten beschäftige. „Der zwischenmenschliche Austausch, das Gemeinschaftsgefühl und Teambuilding kommen bei reiner Heimarbeit zu kurz. Menschen brauchen ein funktionierendes soziales Umfeld auch im Arbeitsalltag, um zufrieden und leistungsfähig zu sein.“ Mobiles Arbeiten und Bürozeiten in ein optimales Verhältnis zu setzen sei das Ziel der Hahn-Gruppe.

Home-Office-Angebot attraktiv in einer Stellenausschreibung?

Ob das Home-Office-Angebot Stellenausschreibungen attraktiver für Bewerberinnen und Bewerber macht? Das könne man so pauschal gar nicht beantworten, heißt es aus manchen Unternehmen. Es könne ansprechender sein, weil es in die Familiensituation passe, aber es hänge auch stark von der Berufstätigkeit ab und ob es in bestimmten Berufssparten sinnvoll sei.

Strukturen wurden in vielen Firmen zu Beginn der Corona-Pandemie geschaffen, um den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die Tätigkeit von zu Hause aus zu erleichtern. Neue Arbeitsabläufe kamen zustande, Besprechungen wurden über Videokonferenzen abgehalten. Home-Office statt Großraumbüro. Was als scheinbare Übergangslösung begann, um die Kontakte zur Eindämmung des Coronavirus zu reduzieren, ist mehr und mehr die „neue Normalität“ geworden. Kurzer Weg zur Arbeit (einmal über den Flur an den

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