Schorndorf

Honig: Ein Geschenk in Gläsern

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Arbeitet Roselinde Henschke-Weber bei ihren Bienen, fühlt sie sich gut. © ZVW/Pienek
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Rosalinde Henschke-Weber verkauft ihren Honig nur auf dem Schorndorfer Wochenmarkt – und in ausgesuchten (Bio-)Märkten. © ZVW/Habermann
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Das fleißige Bienenvolk. © ZVW/Pienek
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Der Rauch aus getrockneten Kräutern, mürbem Holz und Weihrauch beruhigt die Bienen – und hat für die Imkerin etwas Sakrales. „Die Bienen“, sagt sie, „sind die Verbindung zwischen oben und unten.“ Für die Imkerin sind sie „Sonnenwesen“. © ZVW/Pienek
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Die Rähmchen mit den eingelöteten Wachsplatten bieten die Grundstruktur für die Waben. © ZVW/Pienek

Schorndorf/Waldstetten-Zusenhof. Ist Roselinde Henschke-Weber bei ihren Bienen, geht es ihr gut. Das monotone Tönen und der Duft, den die Völker verströmen – die reinste Wohltat, trotz der vielen Stiche, die sie täglich abbekommt. Und wohl fühlt sie sich auch auf dem Schorndorfer Wochenmarkt: Vor 27 Jahren ist die Imkerin, mit einer schöne Honigernte und einem Tisch im Kofferraum, eines Samstagmorgens kurzerhand nach Schorndorf gefahren – und geblieben.

Video: Roselinde Henschke-Weber bei ihren Bienen

Weil auf dem Gmünder Wochenmarkt bereits ein Imker stand und Schorndorf „auch eine schöne Stadt ist“, versuchte Roselinde Henschke-Weber ihr Glück: Sie hielt sich an Eugen Schmid, der bis vor drei Jahren mit seinen „eugenen Äpfeln“, wie Roselinde Henschke-Weber ihn lachend zitiert, fast 60 Jahre lang fester Bestandteil des Schorndorfer Marktes war. Der Platz neben ihm war frei und der Marktmeister gleich in der Nähe – also war die Sache geritzt: „Ich habe meinen Stand aufgebaut und Eugen hat seine Kunden zu mir geschickt.“ Seither kommt die Imkermeisterin jeden Samstag nach Schorndorf gefahren – in den ersten Jahren vom Haselbachtal, wo sie in einem Bauwagen wohnte und ihre „Imkerei an der Mühle“ betrieb, seit 2003 vom Unteren Zusenhof, in der Wald-und-Wiesen-Idylle zwischen Waldstetten und Weilerstoffel gelegen.

Von ihrem Großvater und ihrem Vater, der als Landwirt im Haselbachtal auch 120 Bienenvölker hatte, hat sie das Handwerk gelernt. „Mit zwölf Jahren habe ich meinen ersten Schwarm gefangen.“ Und weil das gleich bestens geklappt hat und sich die Honigernte sehen lassen konnte, war die Richtung klar. Vor allem, als die Universität Hohenheim – gerade als Roselinde Henschke-Weber sich nach der Schule orientierte – in einer Anzeige in einer Bienenzeitschrift einen Imker-Lehrling suchte: Sie hat die Stelle bekommen, eine gute Zeit gehabt und sich nebenher eine eigene Imkerei aufgebaut, fast von Anfang an biozertifiziert. Und war sie im Imkerverein unter lauter älteren Herrschaften auch immer die Exotin: Mit Anfang 20 hatte sie 30 Völker, bald waren’s 140. Und seitdem ihr Mann Bernhard Henschke vor 15 Jahren in die Imkerei eingestiegen ist, sind’s fast 300.

Im Winter: Früher auf Reisen, heute in der Kerzenproduktion

Die Magazine stehen an insgesamt 26 Standorten: rund um den Zusenhof, für die Löwenzahn-, Raps- und Himbeerernte aber vor allem auf der Alb, für den Tannen- und Waldhonig im Schwäbischen Wald, für den Linden- und Akazienhonig im Rheintal bei Karlsruhe und für die Edelkastanie in der Pfalz. Acht Honigsorten hat die Imkerei Zusenhof im Angebot. Außerdem verkauft sie Blütenpollen in Gläsern und Honigwachskerzen, die Roselinde Henschke-Weber im Winter selbst zieht.

Früher, bevor ihre Kinder auf der Welt waren, ist die Imkerin, wenn die Bienenkästen winterfest gemacht waren, mit dem Rucksack durch die Welt gereist. In den ersten 15 Jahren, als sie noch allein mit ihren Bienen war, hat sie in warmen Sommernächten oft bei ihnen geschlafen. Die Bienen gaben die Tagesstruktur vor. Die Fahrt auf den Schorndorfer Wochenmarkt, erinnert sich Roselinde Henschke-Weber, „war immer mein einziger Rhythmus“ – und oft der einzige Kontakt zur Außenwelt.

Mittlerweile hat sich aus dem Schorndorfer Kundenkreis ein Freundeskreis entwickelt. Sie hat Kinder aufwachsen sehen, die jetzt selbst Kinder haben. Und sie genießt die Stunden auf dem Wochenmarkt. Hier kann sie das Produkt, das sie als Geschenk der Bienen sieht, direkt an die Kunden weitergeben. Abwiegen oder verpacken muss sie ihre Ware nicht. „Du hast es schön“, sagen andere Marktbeschicker manchmal zu ihr. Und sie haben recht: Im Winter, ab minus zehn Grad, übernimmt ihr Mann den Standdienst. Ansonsten sitzt sie auf einem Barhocker, oft hat sie einen Gedichtband dabei. Und wenn sie nicht liest, ihren Honig verkauft oder einen kleinen Rundgang unternimmt, schaut sie sich die Leute an. Der Markt, sagt Roselinde Henschke-Weber, „ist für mich wie eine Bühne“. Über eine dieser „Markt-Connections“ ist sie vor fast 25 Jahren auch zu ihrem blumigen Honig-Etikett gekommen: Annette Bippus, die damals Gestaltung studierte, hat es gemeinsam mit der Schorndorfer Künstlerin Renate Busse entworfen. Im Moment wird es umgestaltet – „weil die Schrift so klein ist“.

Menschen können viel von den Bienen lernen

Dass sie aus guten Honigjahren so viel Vorrat hat, dass es über die schlechten reicht, das imponiert Roselinde Henschke-Weber. Überhaupt könnten die Menschen, sagt sie, viel von den Bienen lernen, von ihrer „sozialen Intelligenz“ und der „intelligenten Kommunikation“ bei der Schwarmbildung: „Da tanzt jede Biene ihre Botschaft und dann wird abgestimmt, wo sie hingehen.“ Doch die intensive Landwirtschaft mit den Insektiziden und Nervengiften, die im Honig zwar kaum nachzuweisen sind, aber das Immunsystem der Bienen schädigen, macht ihr Sorge. Dazu kommt, dass die Bauern für die Silage die Wiesen so oft abmähen, dass kaum mehr was blüht. „Das Insektensterben“, sagt Henschke-Weber „ist total beunruhigend.“