Schorndorf

Im Kindergarten Sprachen lernen

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Stolz präsentieren die Kinder ein Lied über Geräusche– eine spielerische Art der Sprachförderung. An der Gitarre: Gabriele Schmidt-Klering. © Schneider / ZVW

Schorndorf. Es klingt, spricht und singt, wohin man auch schaut: Der Aichenbach-Kindergarten ist eine wahre Klang-Oase. Ganz gezielt werden die Kinder hier auf spielerische Weise an das Hören und Sprechen herangeführt. Gefördert wird die Einrichtung dabei vom Bundesprogramm Sprach-Kitas.

Video: Der Aichenbach-Kindergarten ist eine wahre Klang-Oase. Ganz gezielt werden die Kinder hier auf spielerische Weise an das Hören und Sprechen herangeführt.

Guten Morgen, Kalimera, Günyadin und Dobroe utro: 13 verschiedene Sprachen werden im Aichenbach-Kindergarten gesprochen. Und in jeder dieser Sprachen wird Oberbürgermeister Matthias Klopfer am Donnerstagmittag mit einem Lied begrüßt. Eingeladen sind auch die Eltern der Kinder. Gemeinsam soll ein Klangobjekt eingeweiht werden.

Sprache kommt nicht einfach so wie die Haare – das muss man fördern

„Sprache ist der Schlüssel zur Welt“, sagt Kindergarten-Leiterin Karin Bayer-Sigg. Für viele Kinder ist Deutsch aber nicht die Muttersprache. „Das ist eine große Herausforderung“. Im Aichenbach-Kindergarten legt man darum besonderen Wert auf die sprachliche Entwicklung der Kinder. Förderung erhält die Einrichtung dabei vom Bundesprogramm Sprach-Kitas (siehe Infobox). Seit Mai arbeitet im Rahmen des Programms Gabriele Schmidt-Klering mit Kindern. „Sprache kommt nicht einfach so wie das Haarewachsen“, sagt die Pädagogin. „Das muss man lernen“.

Wie schwer das sein kann, hat Schmidt-Klering mit ihren Kindern selbst erfahren. Sechs Jahre hat sie in der Türkei gelebt und weiß daher: „Es ist nicht einfach, aber ganz toll.“ Sprachvielfalt gelte es als Chance, nicht als Problem zu begreifen. Nicht-deutsche Eltern sollten daher mit ihren Kindern zu Hause in der Muttersprache reden und diese den Kindern vermitteln. Da würde oft viel zu sehr defizitorientiert gedacht.

In ihrer pädagogischen Arbeit spielt die Zusammenarbeit mit den Familien eine wichtige Rolle. Dabei will Schmidt-Klering Impulse geben, wie Eltern die sprachliche Entwicklung fördern können. Wenn sie am Ende sagen: „Mensch, ich könnte noch viel mehr tun“, dann sei schon viel erreicht.

Wer nicht gut hört, kann auch nicht gut sprechen

Sprache besteht nun aber auch aus Hören. „Wer nicht gut hört, kann nicht gut sprechen“, sagt Schmidt-Klering. Das Gehör wird in dem Kindergarten darum gezielt geschult: Durch Ausflüge in den Wald, bei denen die Kinder für die Geräusche der Natur sensibilisiert werden. Mit einem Kirschbaum auf dem Kita-Gelände, der mit Hölzern behängt zu einem Klangbaum wurde. Und einem eigenen Klangobjekt im Garten, das am Donnerstag feierlich enthüllt wurde: Es besteht aus drei Fahrradlenkern, in den Boden gesteckt und mit zahlreichen Klingeln in unterschiedlicher Tonlage versehen. Den Kindern gefällt’s.

Ob das Gehör des OB wohl geschult genug ist? Die Erzieherinnen wagen den Praxistest – und lassen ihn nach einem versteckten Wecker suchen. Klopfer findet ihn in kürzester Zeit und ohne große Mühe – Test bestanden. Klopfer freut sich und findet es auch sonst „wunderbar“, dass hier 13 Sprachen gesprochen werden. Denn „Vielfalt tut gut“. Und Projekte wie diese würden zeigen, „wie gut das soziale Miteinander gelingen kann.“ Sprachförderung sei ein wichtiges Thema für alle – ob Syrer, Türke oder Deutscher. Den anwesenden Eltern empfiehlt der OB, mit ihren Kindern öfter zu singen, ihnen vorzulesen – oder mit ihnen in den Wald zu gehen. Und vor allem: „Reden Sie mehr mit ihnen“. Er sei immer wieder entsetzt, wenn er Eltern in der Stadt sehe, die sich mehr mit dem Smartphone als mit ihrem Kind beschäftigen.

Sprach-Kitas

Das Bundesfamilienministerium stellt mit dem Programm bis 2019 insgesamt 400 Millionen Euro zur Verfügung. Damit werden bundesweit 4000 zusätzliche 50-Prozent-Stellen in Kitas und Fachberatung finanziert.