Schorndorf

Im Klassenzimmer der Zukunft

digitales klassenzimmer
Vereint modernste Technik und angenehmes Ambiente: Das erste Klassenzimmer im BG-Neubau. © Büttner/ZVW

Schorndorf. Eine Tafel, die als Computerbildschirm funktioniert, eine Kamera, mit der sich Dokumente projizieren lassen und ein für Smartphones und Tablets offenes Netzwerksystem: Der Neubau des Burg-Gymnasiums ist für die digitale Zukunft gerüstet. Ein erstes Klassenzimmer wurde nun am Donnerstag der Lehrerschaft präsentiert.

Video: Harald Petzing von der L.O.T.T.A-Projekt-Beratung, erklärt das die Funktionalität des Digitalen Klassenzimmers.

Noch müssen sich die BG-Schüler mit diesen Segnungen der Technik aber etwas gedulden. Zwar ist schon alles - bis auf die Klimaanlage - funktionstüchtig. Doch rund um den Raum im ersten Stock wird noch bis weit ins nächste Jahr hinein gebaut. Schon allein aus Sicherheitsgründen kann dort kein Unterricht stattfinden. Wie die anderen 31 Klassenzimmer ab dem Schuljahr 2018/19 aussehen werden, das lässt sich anhand des Musterklassenzimmers aber bereits begutachten.

Keine Kreide, kein Tafelschwamm

Der Raum ist an Boden, Wand und Fenstern mit Eichenholz ausgestattet, wirkt angenehm und wertig. Für den einzigen Farbtupfer im ansonsten eher zurückhaltend gewählten Ambiente sorgen mintgrüne Stühle an weißen Tischen. Was erst auf den zweiten Blick auffällt: Ein Waschbecken sucht man hier allerdings vergeblich. Ebenso wie Kreide und einen Schwamm. Statt einer klassischen Tafel gibt es ein Whiteboard, das als Hintergrund für Projektionen benutzt, aber auch ganz normal mit einem Stift beschrieben werden kann.

Strom und Lüftung der Zimmer werden automatisch gesteuert

Wie alle Räume wird das Klassenzimmer mechanisch be- und entlüftet. Die Fenster sind deshalb stets verschlossen. Nur über schmale Lüftungsklappen kann manuell Frischluft eingeführt werden. Strom, Lüftung und Schloss sind zudem mit dem Vertretungs- und Stundenplan verknüpft und nutzungsabhängig steuerbar.

Schrank voller modernster Technik

Modernste Technik steckt auch in dem weißen Schrank vor der Tafel. Dort steht ein Computerbildschirm, dessen Inhalte auf die Tafel projiziert werden. Auch die gestochen scharfen Aufnahmen der danebenstehenenden Dokumentenkamera lassen sich auf die Tafel übertragen und machen somit Tageslichtprojektoren überflüssig. Doch die digitale Technik kann noch weit mehr: Der PC lässt sich mit allen gängigen digitalen Geräten verknüpfen. Schüler können in Zukunft also ihre Tablets mitbringen – und der Lehrer genau sehen, was (und ob) sie damit arbeiten. Auch Verbindungen zu Smartphones und Laptops sind in kürzestester Zeit per Knopfdruck hergestellt. Die Anbindung ist - natürlich - kabellos.

Video: Schulleiter Jürgen Hohloch über die Vorteile des digitalen Klassenzimmers im Burg-Gymnasium.

„Überwältigt“ sei er vom ersten Eindruck des Klassenzimmers, sagt ein begeisterter Schulleiter Jürgen Hohloch. Die Schule sei mit dieser Ausstattung gut für die Zukunft gerüstet. Im Unterricht könne damit eine gute Mischung aus bewährten Methoden und moderner Technik problemlos gewährleistet werden.

Ebooks statt Bücher – die neuen Möglichkeiten der digitalen Bildung

Dass Bücher im digitalen Klassenzimmer komplett überflüssig werden, das glaubt Hohloch zwar nicht. „Für mich geht ohnehin nichts über das physisch greifbare Buch. Aber mittelfristig können in manchen Fächern Bücher schon durch Tablets ersetzt werden.“ Dann etwa, wenn es häufig Neuerungen im Fach gebe. Eine Aktualisierung digitaler Lernmaterialien sei nun mal wesentlich leichter. Es gehe dabei nicht um einen digitalen Zwang, sondern vor allem darum, sich die Möglichkeit offenzuhalten, das in den nächsten 50 Jahren tun zu können. Denn mindestens so lange sollte der Neubau in seiner nun entstehenden Form auf jeden Fall halten.

Bürgermeister: "Schorndorf geht in Vorleistung"

„Es ist ganz wichtig, dass wir uns mit den Megatrends beschäftigen“, sagt auch Schorndorfs Bürgermeister Thorsten Englert. Bei der Digitalisierung nehme die Stadt gerade eine Vorreiterrolle ein. Englert hofft, dass dies vom Land auch noch entsprechend honoriert werde, denn bislang fehle die Zusage für eine Kostenbeteiligung über die schülerbezogene Förderpauschale. „Im Moment geht Schorndorf hier in Vorleistung.“

Änderungen höchstens noch bei den Steckdosen

Kommen wird das digitale Klassenzimmer in dieser schon jetzt präsentierten Form aber so oder so. Bei der ersten Begehung war der Tenor seitens Stadt und Schule nämlich durchweg positiv. Änderungen wird es ersten Aussagen zufolge höchstens an ein paar Details geben, etwa den Standorten der Steckdosen.

Ein Grund dafür mag sein, dass bereits im Vorfeld die Wünsche und Anforderungen der Schule in die Konzeption eingeflossen sind. Eine „tolle Kooperation“ zwischen dem BG und Architekt Dieter Broghammer sei das gewesen, so Schulleiter Hohloch, „Gut, dass wir uns einbringen konnten. Denn Pädagogen haben ja einen anderen Blick als Architekten.“

Technik ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck

All die digitalen Zweifler müssen sich jetzt aber nicht sorgen, ob sie ihre Kinder überhaupt noch auf das BG schicken können. Denn Technik, da ist Hohloch ganz Pädagoge alter Schule, soll dort auch künftig kein Selbstzweck, sondern nur Mittel zum Zweck sein. Und eines werde sich wohl niemals ändern: „Ein Unterricht kann nur dann erfolgreich sein, wenn Lehrer und Fach überzeugen können.“


Der Neubau

Seit Frühjahr 2016 wird an dem neuen Burg-Gymnasium gebaut. Der Neubau wird 32 Klassenzimmer umfassen, eine Mensa, die Aula mit Musik- und Theaterbereich und die Räumlichkeiten für die Schulverwaltung.

25 Millionen Euro soll das Bauvorhaben kosten, das teuerste der Stadt seit dem Neubau der Künkelinhalle.

Rechtzeitig zum Schuljahr 2018/19 sollen die Klassenräume genutzt werden. Die komplette Schulübergabe inklusive der Außenanlagen soll bis Weihnachten stattfinden.

Stand heute wird der Neubau sowohl bei den Kosten als auch der Bauzeit im Plan bleiben.