Schorndorf

Im Rathaus droht ein Führungsvakuum

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Dieses Bild ist schon ein paar Jahre alt: 2013 war Dieter Schienmann als Technischer Beigeordneter kurzzeitig der erste Mann im Remshaldener Rathaus, als Norbert Zeidler weg und noch kein neuer Bürgermeister gewählt war – jetzt will er dauerhaft selbst Rathauschef in Urbach werden. © Habermann / ZVW / Archiv

Remshalden. Nach Bürgermeister Stefan Breiter könnte Remshalden auch die Nummer zwei im Rathaus verlieren: Dieter Schienmann will Bürgermeister in Urbach werden. Dieser betont: Es ist keine Entscheidung gegen Remshalden. Die Gemeinde steht nun möglicherweise vor dem Problem, dass, bevor Breiters Nachfolger gewählt ist, sein Stellvertreter schon einen neuen Job hat.

Am 22. April wählen die Urbacher ihren neuen Bürgermeister. Remshalden könnte dann innerhalb kurzer Zeit seine zweite Führungskraft verlieren, sollte der Technische Beigeordnete und Bauamtsleiter Dieter Schienmann die Wahl gewinnen. Schienmann würde in diesem Fall natürlich nicht sofort alles in Remshalden hinschmeißen, es wird eine gewisse Übergangsfrist geben, in der er weiter dort im Rathaus seinen Job versieht, bevor er seinen neuen als Chef in Urbach antritt. Aber es könnte für Remshalden dennoch bedeuten, dass für einen kurzen Zeitraum sowohl der Posten des Bürgermeisters als auch der seines Stellvertreters nicht besetzt sind.

Am 6. Mai wird in Remshalden gewählt

Denn der bisherige Rathauschef Stefan Breiter ist ab 1. April Finanzbürgermeister in Freiburg. Die Wahl seiner Nachfolgerin oder seines Nachfolgers findet erst am 6. Mai statt (hier geht's zu unserem Wahlcheck Remshalden), und danach wird die Wahlsiegerin oder der Wahlsieger auch nicht sofort das Amt antreten können. Als es 2013 das letzte Mal einen Bürgermeisterwechsel in Remshalden gab, als 2013 Norbert Zeidler in Biberach Oberbürgermeister wurde, war es Dieter Schienmann, der als Technischer Beigeordneter die Geschäfte führte, bis Stefan Breiter in Amt und Würden war.

Ehrenamtlicher Bürgermeister müsste Vakanz füllen

In der jetzt drohenden kurzzeitigen Vakanz wäre es dann an den ehrenamtlichen Stellvertretern des Bürgermeisters, die Amtsgeschäfte zu führen. Allen voran käme dieser Job auf den BWV-Gemeinderat Karl Angele zu. Er würde in so einem Fall Gemeinderatssitzungen leiten und Unterschriften unter Dokumente setzen. Auch nicht zu unterschätzen: Gerade ist die Zeit der Vereinshauptversammlungen, bei denen erwartet wird, dass sich ein Mitglied der Rathaus-spitze zeigt.

So weit ist es nun aber noch nicht, vorerst ist Dieter Schienmann einer von derzeit zwei ernsthaften Bewerbern für das Bürgermeisteramt in Urbach. So lange, betont Schienmann, werde er voll in Remshalden da sein. Zwar müsse er im Wahlkampf einige Aufgaben seinen Mitarbeitern übertragen, aber sonst werde er seine Aufgaben voll erfüllen. Lediglich kurz vor der Wahl in Urbach will er einige Tage Urlaub nehmen.

Kandidatur ist eine Überraschung

Dieter Schienmann hat in Remshalden alle überrascht mit seiner Kandidatur. Niemand hatte ihn offenbar für Urbach auf der Rechnung, obwohl Schienmann durchaus im Gespräch war, als es in Remshalden um die Nachfolge von Stefan Breiter ging. Da habe er schon mit dem Gedanken gespielt, berichtet Schienmann. „Ich bin dann aber zu dem Schluss gekommen, dass es innerhalb der Ortschaft, in der man schon tätig ist, keine gute Idee ist, als Bürgermeister zu kandidieren.“ Außerdem sei dann früh Reinhard Molt als Kandidat im Gespräch gewesen. Schienmanns Vorgänger als Technischer Beigeordneter in Remshalden hat sich dann ja auch tatsächlich beworben. „Da wären wir zwei Kandidaten mit ähnlichem Profil gewesen“, sagt Schienmann. Auch deswegen habe er den Gedanken an eine Bewerbung in Remshalden abgehakt.


Reaktionen auf Schienmanns Ambitionen

  • Überrascht von Dieter Schienmanns Bewerbung in Urbach sind alle Gemeinderäte, mit denen man in Remshalden spricht – wenn auch nicht von seinen generellen Ambitionen, das Bürgermeisteramt anzustreben. „Er traut sich das zu und kann es“, sagt der BWV-Fraktionsvorsitzende Roland Schanbacher. Schienmann sei mit 54 Jahren in einem Alter, in dem er diesen Schritt gehen müsse, wenn er ihn noch gehen wolle. In diesem Sinne haben alle Gemeinderäte volles Verständnis für Schienmanns Entscheidung, in Urbach zu kandidieren.
  • Begeistert sei darüber allerdings auch niemand, sagt Sigrid Pressel, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler/FDP. „Wir wünschen ihm alles Gute und dass sein Traum in Erfüllung geht“, meint sie. Aber für Remshalden würde ein möglicher Wahlsieg in Urbach schwere Zeiten bedeuten. Auch im Wahlkampf werde man das schon spüren, für den man ihm zugestehen müsse, dass er sich Zeit nehme.
  • „Das ist auch für die Mitarbeiterschaft im Rathaus schon eine Situation, die vielleicht eine gewisse Unruhe verursacht“, meint der CDU-Fraktionschef Wolfgang Läpple. Man könne nur hoffen, dass bei der anstehenden Bürgermeisterwahl in Remshalden schon der erste Wahlgang die Entscheidung bringe und eine mögliche doppelte Vakanz nicht allzu lang sei.
  • Ein Verlust wäre es für Remshalden, da sind sich alle einig, wobei sie auch optimistisch davon ausgehen, dass sich im Fall der Fälle ein kompetenter Nachfolger von Dieter Schienmann finden würde. Diese Fluktuation sei ja nichts Neues für Remshalden, sagt SPD-Gemeinderat Armin Wiesner. „Dass wir eine Ausbildungsgemeinde für andere sind, ist schon lange bekannt.“ Er meint die Reihe derer, die vom Remshaldener Rathaus aus die Karriereleiter nach oben kletterten: Wolfgang Kübler vom Bürgermeister zum Oberbürgermeister in Schorndorf, Norbert Zeidler vom Bürgermeister zum Oberbürgermeister in Biberach, Sven Müller vom Hauptamtsleiter zum Bürgermeister von Winterbach und nun auch Stefan Breiter, der Finanzbürgermeister in Freiburg wird.
  • Stefan Breiter selbst sagt zur Bewerbung seines Technischen Beigeordneten in Urbach: Für Remshalden wäre sein Weggang „ein großer Verlust“. Letztendlich sieht Breiter Schienmanns Kandidatur in Urbach jedoch als „konsequenten nächsten Schritt in seiner beruflichen Laufbahn“. Er würde sich persönlich freuen, sagt er, wenn er damit erfolgreich wäre.
  • Über Urbach nachgedacht habe er schon, seit klar gewesen sei, dass Amtsinhaber Jörg Hetzinger nicht mehr antritt. Er habe sich dann Zeit gelassen, die Sache „intensiv mit der Familie besprochen“ und in Urbach Gespräche geführt. Er sieht die Bewerbung als einen konsequenten, weiteren Schritt in seiner Laufbahn in der Verwaltung. Seit 2012 ist der 54-Jährige Technischer Beigeordneter in Remshalden. Er betont: „Es ist keine Entscheidung gegen Remshalden.“ Er wolle eben den Karriereschritt wagen. Und Urbach sei eine sehr attraktive Gemeinde mit „städtebaulichen Perspektiven“, bei der er mit seinem Hintergrund aus den Bereichen Bauen, Architektur und Stadtplanung etwas bewirken könne. Eines sei seine Bewerbung auch nicht: eine Flucht vor der Möglichkeit, dass in Remshalden mit Reinhard Molt ebenfalls ein Techniker und Bau-Experte Bürgermeister werden könnte. In Urbach wolle der dortige Bauamtsleiter ja auch nicht weg, weil er dort Bürgermeister werden wolle. Mit diesem werde er im Fall seiner Wahl gut zusammenarbeiten. „Und so wäre es auch bei mir mit Herrn Molt, wenn ich nicht die Ambition hätte, noch mal aufzusteigen.“