Schorndorf

Imbissstand-Verbot am Ostersamstag: Betroffene Wochenmarktbeschicker beklagen Ungerechtigkeit

Marktimbissverbot
Was am Dienstag noch erlaubt war, ist am Ostersamstag verboten: Der Verkauf von Kaffee und Speisen zum Mitnehmen. Damit will die Stadt verhindern, dass sich auf dem Oberen Marktplatz Menschenansammlungen bilden. © Gaby Schneider

Die bundesweiten Ruhetagspläne vor Ostern sind längst wieder vom Tisch. Um Menschenansammlungen zu verhindern, hat sich die Stadt Schorndorf angesichts der hohen Infektionszahlen dennoch entschieden, am Ostersamstag keine Imbissstände auf dem Wochenmarkt zuzulassen. Auch, weil sie speziell an diesem Tag mit deutlich mehr Besucherinnen und Besuchern in der Innenstadt rechnet. Der Wochenmarkt, der nach den ersten Verlautbarungen aus dem Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten auch kurzzeitig auf der Kippe stand, darf stattfinden – allerdings nur mit Lebensmittelständen, die der Grundversorgung dienen.

Dass dabei in allen anderen Cafés und Imbissbuden in der Stadt weiterhin Getränke und Speisen zum Mitnehmen angeboten werden dürfen, empfinden die Marktbeschicker als große Ungerechtigkeit. Nicht so Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich: Er sieht das Verbot durch die Marktordnung gedeckt – und durch die Tatsache, dass die Stadt Veranstalter des Wochenmarkts ist. Gleichwohl ist ihm bewusst, dass die Entscheidung für die betroffenen Standbetreiber „eine schwierige Situation ist“.

„Wir verkaufen ausschließlich To-go-Produkte“

Tatsächlich fühlen sich die betroffenen Standbetreiber ziemlich gegängelt und sprechen von Willkür. Kathrin Fischer, die dienstags und samstags ihren Café-Anhänger auf dem Oberen Marktplatz parkt, und Olaf Stickel, der mit seinem Wurststand seit vier Jahren auf dem Wochenmarkt steht, haben sich bei der Stadt schriftlich beschwert. In ihrem Schreiben stellt Kathrin Fischer fest: „Wir verkaufen ausschließlich To-go-Produkte. Stehtische und Aufenthaltsmöglichkeiten sind nicht mehr vorhanden.“ An ihrem Café-Anhänger sorgten zwei extrabreite Plexiglas-Scheiben für Sicherheit. Außerdem habe sie seit April 2020 eine Selbstbedienungskasse an ihrem Stand, um aus hygienischen Gründen den Kontakt mit Münzgeld zu vermeiden. Auch Olaf Stickel betont: „Wir verkaufen ausschließlich zum Mitnehmen, und das sagen wir den Gästen auch.“

Dass es an Wochenmarkttagen insbesondere rund um den Marktbrunnen zu Menschenansammlungen kommt, das können die beiden Standbetreiber vom Oberen Marktplatz so nicht bestätigen. Vergangenen Samstag, berichtet Kathrin Fischer, habe sie um 11 Uhr den ersten Kunden an Stickels Wurststand entdeckt. Und zum Beweis für ihre Einschätzung zeigt sie Aufnahmen der Webcam vom Samstagsmarkt am 27. März, die sie auf ihrem Handy gespeichert und der Stadtverwaltung zugeschickt hat: Um 9.34 Uhr ist der Obere Marktplatz nahezu leer, um 11.42 Uhr steht vor ihrem Stand kein Mensch, um 11.55 Uhr sind’s ein paar Leute, und um 12.37 Uhr ist der Obere Marktplatz gerade mal locker gefüllt. Weil ihre Kunden eben nur einen Kaffee kaufen – und nicht mehrere Artikel –, käme es bei ihr zu keinen langen Verweildauern. Und wenn zu den Hauptzeiten zwischen 11 und 12 Uhr eine Schlange vor ihrem Anhänger entsteht, halten die Kunden, zu denen auch die anderen Marktbeschicker und sogar die Mitarbeiter des kommunalen Ordnungsdienstes gehören, nach ihrer Beobachtung Abstand.

Nadelöhr an ganz anderer Stelle

Überhaupt hält Kathrin Fischer die Abstandsregeln auf dem weitläufigen Oberen Marktplatz für wesentlich besser durchsetzbar als auf dem unteren Teil des Wochenmarktes, wo sich Wege der Kunden an Engstellen kreuzen. Auf den Webcam-Bildern macht sie als Nadelöhr den Durchgang auf Höhe der Palm’schen Apotheke aus. Olaf Stickel bestätigt: „Überall gibt es mehr Schlangen als bei uns.“

Und sollten sich doch ein paar Menschen länger als nötig in der Nähe ihres Standes aufhalten, argumentiert Kathrin Fischer weiter, „muss ich mich auf das Handeln des Ordnungsamts verlassen können. Ich persönlich bin verantwortlich, was an meinem Stand passiert“. Mit Gruppenbildung oder Personen, die sich länger aufhalten als nötig, könne man sie nicht in Verbindung bringen.

Künftig: Verstärkte Kontrollen und Sanktionen bei Verstößen

Um die Menschenansammlungen grundsätzlich in den Griff zu bekommen, kündigt Erster Bürgermeister Hemmerich jetzt an: „Unser gemeindlicher Vollzugsdienst wird ab sofort wieder verstärkt kontrollieren, unzulässige Ansammlungen konsequent unterbinden, das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes überwachen und Verstöße gegebenenfalls auch sanktionieren.“

Als Entschädigung für den Einnahmeverlust wird den betroffenen Marktbeschickern, zu denen auch der Frühlingsrollen- und der Asia-Stand gehören, die Standgebühren für den Ostersamstag erstattet. Ein schwacher Trost. Mit einem Minus in Höhe eines vierstelligen Euro-Betrags rechnet allein Brutzel-Ole. Und Kathrin Fischer erinnert: Inspiriert durch ein Marketing-Projekt von Lars Scheel, Leiter des Eigenbetriebs Tourismus und Citymanagement, habe sie 650 Euro in Ostergeschenke investiert, die sie jetzt nicht loswerden kann.

Sauer ist Kathrin Fischer nicht, „aber traurig“, dass ihr das Geschäft verboten wird, das andere an diesem Tag ungestört machen können. Und der Ärger vom letzten Februar-Samstag, an dem sie wegen der AfD-Demonstration holterdiepolter um 12 Uhr an ihrem Café-Anhänger zusammenpacken musste, obwohl sie eigentlich – „auf Wunsch der Stadt“– bis in den Nachmittag hinein dort stehen soll, ist auch noch nicht ganz verraucht. Daran hat auch der Stadtgutschein, den sie als Entschädigung erhalten hat, nichts geändert. Und auch nicht der Umstand, dass der Wochenmarkt damals wegen der kurzfristig geänderten Lageeinschätzung der Polizei eineinhalb Stunden vor dem offiziellen Ende schließen musste.

Die bundesweiten Ruhetagspläne vor Ostern sind längst wieder vom Tisch. Um Menschenansammlungen zu verhindern, hat sich die Stadt Schorndorf angesichts der hohen Infektionszahlen dennoch entschieden, am Ostersamstag keine Imbissstände auf dem Wochenmarkt zuzulassen. Auch, weil sie speziell an diesem Tag mit deutlich mehr Besucherinnen und Besuchern in der Innenstadt rechnet. Der Wochenmarkt, der nach den ersten Verlautbarungen aus dem Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidenten

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