Schorndorf

In Schorndorf Hunderte Impfgegner bei verbotenem „Spaziergang“

Montgasspaziergang
Montagsspaziergang -  Symbolbild © Benjamin Büttner

Dass die „Spaziergänge“ in Schorndorf durch die Allgemeinverfügung der Stadt verboten sind, das interessiert viele Leute offenbar herzlich wenig. Erneut waren am Montagabend rund 300 Männer und Frauen – zum Teil auch mit kleinen Kindern – unterwegs, um gegen Corona-Maßnahmen und gegen die Impfpflicht auf die Straße zu gehen. Sie wolle „in gesunder Freiheit leben“, sagte etwa eine Teilnehmerin beim unangemeldeten Protestzug durch die Innenstadt.

Kerzen und Kinder

Start war am Oberen Marktplatz, wo sich Einzelpersonen, Paare, ganze Familien und befreundete Cliquen zu ihrer Zusammenkunft trafen. Eltern, mit kleinen Kindern an der Hand, Mütter mit Babys in einer Babytrage, Senioren, die ebenso gut zu einer Wanderung des Albvereins hätten unterwegs sein können; manche mit einer Laterne, andere mit einer Kerze in der Hand: Sie alle ließen sich vom Hinweis der Polizei, dass die Versammlung nicht angemeldet und deshalb verboten sei, wenig beeindrucken. „Wir fordern Sie auf, die Versammlung zu verlassen“, sagte ein Polizeisprecher, was offensichtlich aber als das Aufbruchsignal zum „Spaziergang“ gewertet wurde. Wie auf Kommando setzten sich die Massen in Bewegung, erst Richtung Schlosswallschule, dann zum Schloss-Park und weiter durch die Innenstadt.

Brigitte Aldinger spaziert mit

Unter den Teilnehmern: Brigitte Aldinger, die im Sommer noch für die Basis in den Bundestag einziehen wollte und danach als OB-Kandidatin gescheitert war, und AfD-Stadtrat Ulrich Bußler. „Ich war einkaufen und bin da jetzt durchgelaufen“, erklärte Aldinger, die in der Vergangenheit mehrere Querdenker-Demos organisiert hatte, ihre Teilnahme am Spaziergang. Dieser verlief im Übrigen friedlich. Zu Ausschreitungen kam es nicht, Corona-Regeln wie die Maskenpflicht und Abstandsregeln wurden aber weitestgehend ignoriert. Nach Angaben von Dierk Hampel, Leiter der Führungsgruppe des Polizeireviers Schorndorf und Einsatzleiter am Montagabend, nahm die Polizei bei sechs Teilnehmern die Personalien auf. Ihnen wird eine Ordnungswidrigkeit wegen Teilnahme an einer verbotenen Versammlung vorgeworfen. Sie müssen jetzt mit einem Bußgeld rechnen.

Ein Zeichen setzen

Nicht überall sind die „Spaziergänge“ verboten, die seit Wochen in vielen Städten stattfinden. Anders als Schorndorf, Weinstadt und Waiblingen hat die Stadt Winnenden bisher noch kein Verbot ausgesprochen. In Schorndorf hat Erster Bürgermeister Thorsten Englert eine Allgemeinverfügung erlassen – auch, um ein Zeichen zu setzen, wie er sagt. Zwar sei die freie Meinungsäußerung mit das höchste Gut, so Englert. „Es kann aber nicht sein, dass diese Spaziergänge nicht angemeldet werden, um die Corona-Vorgaben zu umgehen.“ Die AfD-Fraktion hatte umgehend das Ende der Allgemeinverfügung gegen die Spaziergänge gefordert, bei der sich aus Sicht der Rechten friedliche Bürger „montags oder möglicherweise auch an anderen Wochentagen“ ihre Beine vertreten würden.

Erster Bürgermeister Englert weist indes darauf hin, dass die Stadtverwaltung mit der Allgemeinverfügung die Grundlage für Bußgelder geschaffen habe. „Keine Masken, keine Abstände: Das passt nicht in unsere Zeit, auch wenn die Corona-Spaziergänge friedlich verlaufen“, ist Englert überzeugt. Immerhin breite sich Omikron weiter aus.

Dass die „Spaziergänge“ in Schorndorf durch die Allgemeinverfügung der Stadt verboten sind, das interessiert viele Leute offenbar herzlich wenig. Erneut waren am Montagabend rund 300 Männer und Frauen – zum Teil auch mit kleinen Kindern – unterwegs, um gegen Corona-Maßnahmen und gegen die Impfpflicht auf die Straße zu gehen. Sie wolle „in gesunder Freiheit leben“, sagte etwa eine Teilnehmerin beim unangemeldeten Protestzug durch die Innenstadt.

Kerzen und Kinder

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