Schorndorf

In zwei Stunden vom Marktbrunnen zum Schmuckstück

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Beim Verzieren der Girlanden mit selbst gefärbten Ostereiern: Schorndorfer Landfrauen hübschen den Marktbrunnen auf. © Gabriel Habermann / ZVW

Schorndorf. Leicht regnerisch war’s am Freitagmorgen – doch davon ließen sich die 18 Frauen und fünf Männer nicht beeindrucken. Fleißig und frohgemut wie seit mittlerweile 22 Jahren haben sie den Marktbrunnen auch diesmal geschmückt. Schade nur, dass wegen der schlechten Wettervorhersage die Eröffnungsfeier abgesagt wurde.

Es spielte am Nachmittag also keine Blaskapelle Charivari auf, kein Oberbürgermeister Klopfer hielt eine Dankesrede – und auch Kaffee und Kuchen gab es nicht. Was im Nachhinein betrachtet dann doch etwas schade war. Denn auch wenn der Wetterdienst es anders vorausgesagt hatte: So schlecht war es am Freitag nicht, das Wetter. Sogar die Sonne ließ sich auf dem Marktplatz kurzzeitig blicken.

Doch sei’s drum. Viel wichtiger ist, dass der Brunnen seine alljährliche Aufhübschung rechtzeitig zum kommenden Osterfest erfahren hat. Durch die fleißige Arbeit der Schorndorfer Landfrauen ist er seit 1996 - ganz gleich, wie’s um das Wetter stand - noch jedes Jahr zu einem echten Schmuckstück geworden.

Wetter beeindruckt die Blumenschmücker nicht

So viel sei der Ehre halber an dieser Stelle gesagt: Als die Frauen und Männer am Freitagfrüh ans Werk gingen, war es noch recht ungemütlich. Das war jedoch nichts, wovon sich die Brunnenschmücker hätten beeindrucken lassen. Regen, Sturm, Schnee – fast alles haben sie über die Jahre bereits mitgemacht. Und doch gab es am Ende stets einen österlich verzierten Brunnen. Einen zudem, der auch außerhalb der Daimlerstadt durchaus wahrgenommen wird.

Dass dies Jahr für Jahr auch gelingt, dafür sorgt seit jeher Marianne Mayer, die beim Schmücken das Sagen hat und ihre Helferinnen und Helfer freundlich, aber bestimmt, anweist. Das Projekt Osterbrunnen betreibt sie so professionell wie ernsthaft. Dies zeigt sich gleich zu Beginn: Die vier großen Bögen sollen in einer bestimmten Reihenfolge am Brunnen befestigt werden. Weil die zwei Männer, die für die sichere Befestigung zuständig sind, sich nicht an die von ihr vorgegebene Reihenfolge halten, gibt es sanfte Kritik von der „Osterbrunnen-Chefin“. Doch die Männer nehmen’s gelassen, fordern von der Leiter an der Säule herab im Scherz eine Erschwerniszulage. Mayer kontert: „I zahl eich nix“, was für allseitige Erheiterung sorgt.

38 Meter Girlanden und 2000 Eier wurden am Brunnen angebracht

Denn Spaß macht es den Helfern allemal, das Schmücken. Sonst würden ja auch nicht so viele dabei mitmachen. Auf dem Hof der Mayers haben am Mittwoch bereits 20 Frauen die Girlanden vorbereitet. 38 Meter sind diesmal zustande gekommen. Stark 2000 Eier werden verwendet, viele davon sind schon seit Jahren im Einsatz. Die naive Frage des Reporters, ob das wohl echte Eier seien, wird von den Landfrauen mit einem Nein beantwortet. „Sonst müsste ja jemand Tag und Nacht daneben sitzen“, meint Rose Böhringer. Die aber zugleich darauf hinweist, dass es anderswo sehr wohl Osterbrunnen gebe, die mit echten Eiern verziert seien, im fränkischen Bieberbach etwa.

Gegen halb zehn ist dann die erste große Herausforderung gemeistert: Die vier großen Bögen stehen, sind an beiden Seiten befestigt – unten mit Draht verzwirbelt, an der Säule mit Hilfe eines Karabiners mit dem grünen Metallring verbunden, den der Bauhof dafür eigens angebracht hat.

Um zehn schaut auch OB Klopfer kurz vorbei, dankt den Helfern und lässt sich mit ihnen ablichten. Er ist nicht der einzige Schorndorfer, der seinen Dank ausdrückt. „Ganz toll, dass Sie das machen. Das ist jedes Jahr eine Freude“, meint etwa eine Passantin. „So viel Arbeit“, bemerkt anerkennend eine andere, die dem Treiben der Landfrauen und -männer interessiert zusieht. Und dabei recht hat: Allesamt sind die Helfer beschäftigt. Verbinden Eiergirlanden mit den kleinen Rundbögen, zwirbeln Drähte oder legen letzte Hand an die Dekoration, so wie Ilse Drechsler, die etwas abseits an einem Auto-Anhänger steht.

Neu in diesem Jahr: Blumenkästen mit Narzissen und Stiefmütterchen

Darauf stehen vier Blumenkästen, die - ein Novum in diesem Jahr - an den Brunnen aufgestellt werden sollen. Mit Birkenästen, Moos und Kunsteiern will Drechsler diese noch ein wenig verzieren. Weil ansonsten alles so bunt sei, habe man sich bei den Kästen für eine dezentere und helle Farbgestaltung entschieden. Weshalb das Gelb und Weiß von Stiefmütterchen, Bellis und Narzissen dominiert.

Auch die Blumenkästen werden schließlich noch mit Eiergirlanden verziert. So dass der ganze Brunnen gegen 11 Uhr ziemlich österlich erstrahlt: Mit Ostereiern, Osternestern – und diesmal wie bereits vor zwei Jahren – vier Osterhasenpaaren, die auf den Metallstäben sitzen und von Marianne Mayer liebevoll dekoriert wurden.

Der Brunnen ist eine Herzensangelegenheit für die Landfrau. Als alle anderen bereits das wohlverdiente und von Metzger Kurz spendierte Vesper genießen, dazu weißen Glühwein oder Kaffee trinken, läuft sie immer noch mit kritischem Blick um den Brunnen. An einer Stelle ist die Girlande eines Rundbogens nicht ganz symmetrisch. Mayer greift kurzerhand zur Rebschere und korrigiert. Alles soll schließlich perfekt sitzen für die nächsten drei Wochen.

Länger als bis zum 8. April wird das österliche Schmuckstück den Oberen Marktplatz nicht bereichern. Dann müssen die Landfrauen es wieder rückbauen.