Schorndorf

Jürgen Hohloch nach 24 Jahren als Schulleiter des Burg-Gymnasiums verabschiedet

Schulleiter Jürgen Hohloch
In roter Sänfte durch ein Schülerspalier und einmal rund ums Schulhaus: Nach 24 Jahren wurde Schulleiter Jürgen Hohloch gebührend verabschiedet. © ALEXANDRA PALMIZI

In goldgekrönter roter Sänfte, aber auf eigenen Füßen einmal ums Burg-Gymnasium, durch ein Spalier aus Schülern und Lehrern und vorneweg „Freude schöner Götterfunken“-Töne aus der Trompete – nach 24 Schulleiter-Jahren ist Jürgen Hohloch am Dienstagmorgen gebührend verabschiedet worden. Auf dem Schulhof mit großer Geste und viel Konfetti von der SMV und dem Kollegium, im Anschluss ganz offiziell von Oberbürgermeister Matthias Klopfer, Bürgermeister Thorsten Englert, von Dr. Thomas Hölz als leitendem Regierungsschuldirektor im Regierungspräsidium, den Schulleiterkollegen aus Schorndorf, seinem Nachfolger Marcus Vornhusen – und Standing Ovations von allen Gästen im Schul-Foyer.

Und Hohloch selbst? Er geht, sagt er, mit sich im Reinen: „Ich habe eine gute Zeit hier gehabt.“ In seiner Abschiedsrede fand er dann vor allem dankende und lobende Worte – und er geht mit 65 Jahren als einer der dienstältesten Schulleiter in den Ruhestand. Große Pläne hat er für die Zeit danach noch nicht: Hohloch freut sich nur darauf, dass er seit 1984 das erste Mal außerhalb der Schulferien in den Urlaub gehen kann. Vielleicht an die Ostsee. Und er ist gespannt, wie’s ist, „wenn die kolossale Gesamtverantwortung wegfällt“.

„Kein Blatt Papier“ zwischen Schulleiter und Stellvertreter

Vom 80-köpfigen Kollegium, das sich vor vier Jahren enorm verjüngt hat, mit den Jahren deutlich weiblicher geworden und mit vielen Teilzeitkräften besetzt ist, hat sich Hohloch immer getragen gefühlt. Zwischen ihn und seinen Stellvertreter Michael Krauss, sagt Hohloch, „passte kein Blatt Papier“. Auf die Solidarität und den Ideenreichtum des Kollegiums konnte er sich verlassen. Und den 850 Schülerinnen und Schülern des Burg-Gymnasiums und der Jugend im Allgemeinen, die ja angeblich ein immer schlechteres Benehmen an den Tag legen soll, stellt Hohloch ein gutes Zeugnis aus: „Die Jugend ist aus meiner Sicht besser geworden.“

Anfangs, zu Beginn seiner Lehrerkarriere, habe er noch viele Ordnungsstrafen aussprechen müssen. Mittlerweile gibt es auch an Gymnasien Schulsozialarbeiter, Kriseninterventionsteams und Klassenlehrerstunden, die vieles auffangen können. Auch der Umgang mit den Eltern war aus Hohlochs Sicht unproblematisch: „Ich hatte in den 24 Jahren nur mit zwei Vätern dauerhaft Ärger.“ Alle anderen haben zwar weniger Zeit als früher, sind aber deutlich engagierter geworden. Überhaupt fand es Hohloch immer gut, dass er es nicht mit einer Großstadtklientel zu tun hatte, sondern „mit einer strebsamen Bevölkerung“ im kleinstädtischen Umfeld.

Turbozug, G 8, Theaterklasse – und schließlich der Neubau

Menschlich und leistungsorientiert, so wollte er das Burg-Gymnasium führen. Für ihn war das Schulleiterdasein ein vielfältiger Beruf mit Multitasking-Anforderungen: In seine Jahre fielen die Einführung eines Turbozugs und des achtjährigen Gymnasiums, der Theaterklasse, des Bilingualen und des Informatik-Profils. Seit dem Schuljahr 2018/19 ist das Burg-Gymnasium Unesco-Projektschule. Ein großer Einschnitt war natürlich auch der Einzug in den 25-Millionen-Euro-Neubau vor drei Jahren – mit der Planungsphase und den anstrengenden Übergangsmonaten in der Containerschule und im Ausweichquartier für die Unterstufe, dem Bürgle in der Grauhalde.

Seine Erziehungsaufgabe sah Jürgen Hohloch immer darin, Kinder auch von ihren Elternhäusern zu emanzipieren. Doch wie, fragt er, soll das im Home-Schooling gelingen? Die letzten eineinhalb Pandemie-Jahre, das räumt der scheidende Oberstudiendirektor ein, haben Kraft gekostet. Schüler, Eltern, Lehrer – „alle sind erholungsbedürftig und dünnhäutig geworden“. Die Belastung habe auch fürs Kollegium zugenommen. Dazu die Vorgaben aus dem Kultusministerium, die oft sehr kurzfristig kamen. Hohloch selbst ist dankbar, dass er den Ruhestand gesund antreten kann. Für das Kollegium und die Schülerschaft hofft er „inständig auf eine baldige Normalisierung des Schulbetriebs“. Die Schule, das haben die Monate im Lockdown gezeigt, sei eben mehr als das Kerncurriculum. Ohne Ausflüge und Schüleraustausche fehle etwas – auch wenn, das gibt Hohloch zu bedenken, manche Aktivität in der Vergangenheit vielleicht auch zu viel gewesen sei.

Erste Lehrerstelle am Max-Planck-Gymnasium 

Jürgen Hohloch selbst kam aus Reutlingen nach Schorndorf. In Tübingen hatte er Englisch und Französisch studiert. Wo Schorndorf liegt, das wusste er 1986 nicht, als er seine erste Lehrerstelle am Max-Planck-Gymnasium antrat. Und auch nicht, ob es in Zeiten der Lehrerschwemme überhaupt klappen würde mit der Übernahme in den Staatsdienst: Der erlösende Anruf kam in letzter Sekunde – „ich hatte schon einen Job als Fahrer im Betonwerk“. Doch für Jürgen Hohloch hat es sich gut gefügt: 1993 wurde er stellvertretender Schulleiter am MPG, dreieinhalb Jahre später wechselte er an die Spitze des Burg-Gymnasiums – und später „in einen fantastischen Neubau“.

In goldgekrönter roter Sänfte, aber auf eigenen Füßen einmal ums Burg-Gymnasium, durch ein Spalier aus Schülern und Lehrern und vorneweg „Freude schöner Götterfunken“-Töne aus der Trompete – nach 24 Schulleiter-Jahren ist Jürgen Hohloch am Dienstagmorgen gebührend verabschiedet worden. Auf dem Schulhof mit großer Geste und viel Konfetti von der SMV und dem Kollegium, im Anschluss ganz offiziell von Oberbürgermeister Matthias Klopfer, Bürgermeister Thorsten Englert, von Dr. Thomas Hölz als

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