Schorndorf

Jetzt beim Zauberfaden bewerben: Neue Chance für Lernwillige, die raus aus der Arbeitslosigkeit wollen

Zauberfadenausbild
Gerhard Leuker (l), Nidal Mohammad (2.v.r.) und Dr. Matthias Römer (r.) freuen sich über das neue Lehrgangsangebot. © Gaby Schneider

Für 15 Menschen kann das neue Angebot des Zauberfadens die Rettung sein, der Fuß in der Tür, um endlich beruflich durchstarten zu können. In einem zwölfwöchigen Vorbereitungslehrgang können sich Menschen mit Migrationserfahrung sowie ALG-II-Empfänger die Grundlagen draufschaffen, die es als Textil- und Modenäher in der Industrie braucht. Immerhin werden solche Arbeitskräfte dringend gesucht, weiß Gerhard Leuker, ehemals Fertigungsleiter bei der Firma Triumph in Fellbach. Heute engagiert er sich ehrenamtlich beim Zauberfaden und weiß, dass Absolventen eines solchen Kurses in der Industrienäherei gute Chance haben könnten.

Absolventen des Kurses haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Allzu häufig müssten in der Branche nämlich ungelernte Kräfte eingestellt werden. Schon nach zwei bis drei Wochen stellte sich aber bei vielen von ihnen heraus, dass die Näherei nichts für sie sei. Die Folge: Die Betriebe müssten neue Kräfte suchen und einstellen – dies mit dem Wissen, dass ein Großteil der neuen Bewerber die ersten Wochen abermals nicht überstehen wird.

Anders bei den Teilnehmern des Vorbereitungslehrgangs. Wer bis zum Ende durchhält, kann ernstzunehmende Erfahrungen an einer Industrienähmaschine vorweisen und wird in der Branche als aussichtsreicher Kandidat für eine Neueinstellung gehandelt, der womöglich später auch an weiteren Maschinen angelernt werden kann. So könnten die Absolventen des Lehrgangs zu echten Glücksgriffen werden.

Damit das auch wirklich gelingt, sollen aber nur solche Bewerber einen der 15 Zauberfaden-Lehrgangs-Plätze erhalten, die in einem kleinen Auswahlverfahren ihre grundsätzliche Eignung bewiesen haben. „Dafür muss keiner schon nähen können“, erklärt Dr. Matthias Römer, Geschäftsführer des Zauberfadens. Vielmehr müssten eine grundlegende Fingerfertigkeit und ein Interesse an der Materie erkennbar sein. Wer zwei linke Hände habe, werde weder im Lehrgang noch in dem Beruf glücklich, weiß auch Gerhard Leuker aus seiner langjährigen Berufspraxis. Da sei es für beide Seiten besser, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Drum gibt’s also am Donnerstag, 10. Dezember, einen Bewerbertag. Was montags bis freitags von 8.30 bis 14.30 Uhr stattfinden wird, ist zum einen grundlegendes technisches Wissen, das dazu befähigt, in einer professionellen Textilwerkstatt mit Nadel und Faden, Maschine und Stoff umgehen zu können. Diesen Teil der Schulung wird zu einem Großteil Nidal Mohammad übernehmen, der – selbst 2015 aus Syrien geflohen – seit Jahren in der Werkstatt seine anderen Kollegen anleitet. Sein Gehalt übernimmt seit April 2019 die Eugen-und-Irmgard-Hahn-Stiftung aus Esslingen.

Praxis, Theorie und Sprachkurs

Das ist nicht nur ein großes Glück für ihn selbst, der auf diese Weise ein gutes Auskommen hat, sondern auch für die Zauberfaden-Werkstatt, die von seinem Talent und seiner Kreativität profitiert. Zwei Wochen Betriebspraktikum in einem Betrieb, der dem Verband Südwesttextil angehört, sind im Lehrgang außerdem integriert. Wer sich dabei gut anstellt, kann auf diese Weise gar erste Kontakte zu einem eventuell künftigen Arbeitgeber aufbauen. Gerhard Leuker vermittelt im Lehrgang zusätzlich theoretisches Wissen über Material und Werkzeug. Das sprachliche Training übernimmt voraussichtlich eine Lehrkraft des Bildungswerkes der Baden-Württembergischen Wirtschaft. Wer sprachlich bereits besonders fit ist, kann während des Vierteljahres mehr Inhalte aus der Werkstatt mitnehmen. Bei wem es an der Sprache hapert, der kann verstärkt an dieser Stellschraube drehen - ganz individuell, je nach Wissenstand des Einzelnen.

Aber noch etwas anderes ist im Zauberfaden schon immer wichtig gewesen. Dr. Matthias Römer verwendet dafür gerne den Begriff „Cultural Coaching“. Seit es die Werkstatt in Schorndorf gibt, habe man Wert darauf gelegt, den Geflüchteten, die hier maßgeblich arbeiten, die hiesige Arbeitskultur näherzubringen. Damit sei man an der Hohenstaufenstraße bislang auch schon sehr erfolgreich gewesen und habe infolgedessen schon einige Zauberfädler auf dem ersten Arbeitsmarkt unterbringen können.

Der Vorbereitungslehrgang findet in Kooperation mit der Abteilung Bildung und Berufliche Qualifizierung (BBQ) im Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft statt. Zum Bewerbertag anmelden können sich Interessierte unter eveeno.com/vorbereitungslehrgang-textil.

Info

Weil der Weihnachtsmarkt ausfällt, kommt die Zauberfadenkundschaft nun nicht so leicht an ihre Weihnachtsgeschenke. Drum werden während des „Weihnachtszaubers“ die Öffnungszeiten in der Werkstatt verlängert. Von Montag bis Samstag von jeweils 10 bis 18 Uhr ist der Laden an der Hohenstaufenstraße offen.

Für 15 Menschen kann das neue Angebot des Zauberfadens die Rettung sein, der Fuß in der Tür, um endlich beruflich durchstarten zu können. In einem zwölfwöchigen Vorbereitungslehrgang können sich Menschen mit Migrationserfahrung sowie ALG-II-Empfänger die Grundlagen draufschaffen, die es als Textil- und Modenäher in der Industrie braucht. Immerhin werden solche Arbeitskräfte dringend gesucht, weiß Gerhard Leuker, ehemals Fertigungsleiter bei der Firma Triumph in Fellbach. Heute engagiert er

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