Schorndorf

Jugendliche mit Stock verprügelt

Amtsgericht3_0
Symbolbild. © Ramona Adolf

Schorndorf. Er hat sie angeschrien und mit einem Bambusstock auf sie eingeschlagen: Ein 59-jähriger Mann traf auf seinem Grundstück in Mannenberg drei Jugendliche an und rechnete mit ihnen ab. Für seine Tat wurde er zu neun Monaten Haft, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung, sowie einer Geldstrafe von 2000 Euro je Opfer verurteilt.

„Wenn ein 59-Jähriger es nicht hinkriegt, drei Jugendlichen ins Gesicht zu schauen und sich zu entschuldigen, dann fällt mir dazu nichts mehr ein“, begründete die Staatsanwältin ihren Antrag auf neun Monate Freiheitsstrafe. Der Angeklagte beteuerte, dass ihm sein Verhalten Leid tue – allerdings zu spät auch für Richterin Petra Freier. Sie verurteilte ihn, wie von der Staatsanwältin gefordert, und darüber hinaus zur Zahlung von 2000 Euro Schmerzensgeld pro geschädigter Person. Außerdem muss der Angeklagte die Verfahrenskosten übernehmen.

Am 1. August letzten Jahres betrat der dreifache Familienvater sein Grundstück in Mannenberg. Da er selbst in Bayern wohnt, ist er nur alle paar Wochen in Rudersberg zu Besuch, um nach dem Rechten zu sehen. Das Haus, mitsamt verwildertem Grundstück, wurde seiner Familie vererbt, weil seine Frau den Künstler pflegte, der bis vor wenigen Jahren darin lebte. In den letzten Jahren sei es immer wieder zu ärgerlichen Vorfällen gekommen, sagte der 59-Jährige vor Gericht: Wiederholt besuchte der Mann mit seiner Familie das Grundstück und fand das Anwesen zerstört vor. Er habe jedes Mal erneut versucht, wenigstens das Nötigste zu richten – und habe dann beim nächsten Besuch wieder neue Schäden vorgefunden.

„Einfach irgendwas genommen“

Als der Mann dann bei seinem Besuch im August ein lautes Klopfen aus Richtung seines Grundstücks vernahm, lag die Vermutung nahe, es handle sich um die vermeintlichen Randalierer – so rechtfertigte er zumindest sein Handeln. „Ich wusste nicht, was mich erwartet. Es ging alles blitzschnell“, behauptete er. Er habe nicht wahrgenommen, dass es sich bei den drei Menschen, die er antraf, um Kinder beziehungsweise Jugendliche handelte. Zwei von ihnen seien auf ihn zugerannt, um zu fliehen, und hätten ihn an den Händen gepackt. Dann habe er „einfach irgendwas genommen und sich verteidigt“.

Die Geschichte der 15 und 16 Jahre alten Jugendlichen ist eine andere. Laut ihrer Aussage hatte der Mann schon einen Bambusstock in der Hand, bevor er sie überhaupt sah. Keiner der Jugendlichen habe ihn gepackt oder sei ihm körperlich nahe gekommen. Er habe geschrien „Was macht ihr hier?“ und direkt auf sie eingeschlagen.

Ihn zu beruhigen, sei sinnlos gewesen. Die Jugendlichen, so schilderten diese den Vorfall, seien dann durch einen Spalt in der Mauer geflohen. Einer war mit dem Fahrrad da und radelte zum etwa einen Kilometer entfernten Haus seines Freundes, wo er dessen Vater alarmierte. Der Freund selbst kam so schnell nicht hinterher: Er und der dritte Jugendliche waren mit Roller und Mofa da und mussten diese erst beim Grundstück holen. Hier trafen sie den Angeklagten wieder, der einen der Jugendlichen schubste, als er schon auf seinem Mofa saß. Er fiel auf seinen Freund, so dass beide umkippten. Hier zogen sich die Jungs weitere Schürfwunden zu.

Keine Entschuldigung

Ob der Angeklagte sich bei den Jugendlichen und deren Familien im Vorfeld entschuldigt habe, wollte Richterin Petra Freier von ihm wissen. Dieser verneinte. Sein Verteidiger erklärte, er habe ihm davon abgeraten, da er nicht habe einschätzen können, wie das ankommen würde. „Bei mir immer gut“, so Petra Freier. Nach der Befragung jedes einzelnen der drei Jugendlichen fragte sie den Angeklagten, ob er noch etwas zu sagen habe; jedes Mal verneinte dieser. Am Ende wurde ihm genau das vorgeworfen: Ihm fehlten Einsicht und Reue.

Sein Mandant sei das erste Mal vor Gericht, erklärte der Verteidiger das Verhalten des Angeklagten. Die Verhandlung sei eine Stresssituation. Sie hätten besprochen, dass er sich am Ende bei allen „en bloc“ entschuldige. Am Ende machte der Angeklagte das auch und versicherte: „Ich wusste nicht, dass ich vorher die Gelegenheit zur Entschuldigung hatte. Es tut mir leid und ich bitte um Verzeihung. Ich wollte nicht, dass die Situation so eskaliert.“

Weniger Schläge als gedacht

Die späte Reue überzeugte weder die Staatsanwältin noch die Richterin. Und auch nicht, dass der Verteidiger auf einen minderschweren Fall plädierte. Die Anzahl der Schläge, die die Jugendlichen einstecken mussten, habe sich im Laufe der Verhandlung als geringer herausgestellt als zunächst gedacht. Er, so der Anwalt, sei der Meinung, dass „etwas Unrechtsbewusstsein auf fremden Grundstücken“ den Jugendlichen guttun würde, auch wenn das nicht die Tat seines Mandanten rechtfertige. Das sei während der Verhandlung unter den Tisch gefallen. Demgegenüber hatte die Richter während der Vernehmung der Jugendlichen festgestellt: „Es ist ja eigentlich lobenswert in die Natur zu gehen, statt am Handy zu zocken“.

Im Endeffekt nützte dem Angeklagten alle späte echte oder unechte Reue nichts: Das Bedürfnis, sich nach einer solchen Tat auch ohne Aufforderung zu entschuldigen, sei „eine menschliche Sache“, meinte Petra Freier. Und dass der Angeklagte zum ersten Mal vor Gericht sei, spiele bei der Urteilsfindung keine Rolle.