Schorndorf

Julian Beck: Mit 14 Jahren vom Linedance-Fieber infiziert

LinedanceJulian
Julian Beck in seinem Element: Beim Training tanzt er zu dem Titel „Little help“ von Boss Hoss eine flotte Choreografie. © Gaby Schneider

Die ersten Töne von „Little help“ – ein Titel der Band Boss Hoss – schallen durch den Raum im Tanzhaus Schorndorf. Schon steht Julian Beck auf dem Parkett und tanzt eine Linedance-Choreografie, als hätte er nie etwas anderes getan. Im Training trägt der Teenager gerne mal kurze Hosen, T-Shirt und Turnschuhe, dazu ein Cappy – das wird bei den unterschiedlichen Hand- und Armbewegungen sogar Teil der Tanzabfolge. Warum ein Tänzer, dessen Leidenschaft der Linedance geworden ist, für Erstaunen beim Betrachter sorgt?

Ganz einfach: Julian Beck ist 14 Jahre, wohnt in Adelberg, geht in Rechberghausen auf die Realschule und kommt regelmäßig ins Tanzhaus nach Schorndorf, um im Linedance-Erwachsenenkurs mitzutanzen und zu trainieren. „Sich in seinem Alter für den Linedance zu begeistern, ist eine echte Seltenheit“, sagen die Tanzhausinhaber Anja Bäumler-Wiedenhöfer und ihr Mann Markus Wiedenhöfer. Da der „Bekanntheitsgrad“ von Linedance bei Jugendlichen noch nicht so hoch sei und die damit verbundene Nachfrage fehle, hat das Tanzehepaar noch keine Kurse für Jugendliche im Angebot: „Aber denkbar und wünschenswert wäre das natürlich für uns.“

Tanz-Begeisterung liegt in der Familie

Julian Beck tanzt seit seinem vierten Lebensjahr. Mit dem Kindertanz habe es angefangen, dann ging es weiter mit Hip-Hop und Breakdance. „Ich habe beim Tanzen viel ausprobiert, woran ich Interesse hatte, jetzt macht mir der Linedance am meisten Spaß“, erzählt der Junge.

Mit dem Tanzfieber infiziert wurde Julian von seiner Mutter, die selbst schon an einigen Kursen im Tanzhaus teilgenommen hat. „Die Begeisterung liegt in der Familie“, wissen die Tanzhausinhaber. Ein gewisser Stolz schwingt mit, wenn sie von der Begeisterung des 14-Jährigen schwärmen: Julian hat Trainer Marc Schmitt, der Linedance-Kurse im Tanzhaus gibt und mit seinen 19 Jahren schon achtfacher Jugendweltmeister ist, gesehen, und der Funke sei sofort übergesprungen, erzählt das Paar. Es gibt Parallelen: Trainer Marc sei im Prinzip ebenso in jungen Jahren durch die Mama zum Tanzen gekommen wie Julian. „Sie ähneln sich sehr“, sagt Anja Bäumler-Wiedenhöfer.

Das Schorndorfer Tanzhaus, früher im Jupiterareal angesiedelt, war im September 2020 in die neuen Räume Gottlob-Bauknecht-Straße 6 gezogen, konnte aber wegen der Pandemie mit dem vielfältigen Kursangebot nicht starten. Das war erst im Juni 2021 möglich (wir berichteten). „Da hat Julian in etwa mit dem Linedance angefangen“, sagt Bäumler-Wiedenhöfer.

Zwei Wettbewerbe, zwei Siege

Das fasziniert die Tanzhaus-Geschäftsführerin am meisten: Erst vor gut einem Jahr gestartet, an zwei Wettbewerben teilgenommen – und bei beiden jeweils den ersten Platz belegt. „Sowohl bei der bayrischen Meisterschaft wie auch beim Qualifikationsturnier in Pfullingen Ende Juli war er die Nummer eins und hat in seiner Altersgruppierung gleich mal den Pokal abgeräumt“, fügt Markus Wiedenhöfer an. Damit hat er sich für die deutschen Meisterschaften Anfang Oktober in Stuttgart-Feuerbach qualifiziert – aber nicht nur das: Auch für die Weltmeisterschaft Ende 2023 ist er damit ebenfalls schon unter den Teilnehmern. Trainer Marc hatte ihn in Pfullingen begleitet.

Für ihn stand fest: Julian wird was reißen. Zwei Turniere, zwei Siege – der 14-Jährige hat Gefallen daran gefunden und freut sich schon auf die weiteren Herausforderungen. Anja Bäumler-Wiedenhöfer und Markus Wiedenhöfer sind begeistert vom Erfolg: „Er ist schon ein Ausnahmetalent. Wir haben nicht damit gerechnet, dass er so ein Abräumer ist.“

Mehr als nur Stiefel und Cowboyhut

Linedance ist durchaus mehr, als nur Stiefel und Cowboyhut zur Schau zu tragen. Natürlich gebe es sie, die klassische Variante zur Country-Musik zu tanzen. „Aber es gibt andere Musikrichtungen, die sich sehr gut für den Linedance eignen. Man tanzt beispielsweise Choreos zu Musik von Boss Hoss oder Ed Sheeran“, erklärt Julian und Anja Bäumler-Wiedenhöfer ergänzt: „Es gibt verschiedene Mischungen und Stilrichtungen, die man mit einfließen lassen kann.“ Was Linedance von anderen Tanzarten unterscheidet? Julian überlegt nur kurz: „Hip-Hop ist zum Beispiel viel schneller, da ist mehr Power drin, während man beim Linedance auch langsamere Bewegung hat und bewusst persönliche Gefühle miteinbauen kann, wenn man ein Lied vertanzt.“ Wie sind die Tanzschritte? Gibt es Elemente, die man draufhaben muss? „Also Drehungen sind bei jeder Choreo dabei. Ansonsten mischt sich alles.“

Was in Julian vorgeht, wenn er tanzt, kann er nur schwer in Worte fassen. Anja Bäumler-Wiedenhöfer versucht es auf andere Weise zu beschreiben: „Es ist beeindruckend: Wenn ihm sein Trainer etwas vortanzt oder zeigt, verinnerlicht das Julian sofort. Er sieht es, speichert es im Kopf ab und tanzt das nach. Es passiert einfach.“

Vor dem Turnier in Pfullingen sei er mächtig aufgeregt gewesen, erzählt der Schüler. „Beim Tanzen ging es dann etwas.“ Das Bauchkribbeln habe er auf dem Podest gespürt, „als ich da stand und in meiner Kategorie den Pokal für den ersten Platz bekommen habe und die Zuschauer sich gefreut und geklatscht haben“. Das ist etwas, was ihn mit seinem Trainer vereint, denn Julian bringt es mit einem Satz auf den Punkt: „Marc tanzt nur richtig gut, wenn er es vor einem Publikum machen kann – wie ich.“ Beim Turnier im Oktober wird er in zwei Kategorien an den Start gehen: „Als Newcomer werde ich drei Tänze und als Anfänger werde ich zwei Tänze bei den deutschen Meisterschaften präsentieren“, berichtet der 14-Jährige selbstbewusst.

Ausbildung zum Erzieher, Tanzen als Hobby

Während sich Mädels oftmals über das Outfit beim Tanzen Gedanken machen, sieht Julian die Klamottenfrage gelassen: „Das kommt ganz auf das Lied drauf an. Je nach Song trage ich Hose und Sakko. Und wenn es der klassische Countrytanz vorgibt, dann habe ich auch schon Cowboyhut und Stiefel getragen.“

Was seine Kumpels zu seiner Leidenschaft sagen? „Sie freuen sich für mich. Manche haben sogar selbst getanzt und können das gut nachvollziehen.“ Auch seine jüngere und seine ältere Schwester, die sogar eine Tanzausbildung hat, würden vor Stolz platzen. So richtig gerechnet habe damit ja keiner in der Familie, dass in Julian solch ein Talent steckt.

Einen Auftritt hatte Julian vor kurzem bei der SchoWo. „Erst ist er mit der Erwachsenengruppe aufgetreten und dann hat er ein bejubeltes Solo hingelegt“ – Stolz schwingt beim Ehepaar Bäumler-Wiedenhöfer mit, schließlich ist es einer „ihrer Schützlinge“, der da so tanzengagiert ist. Wie es für Julian weitergeht? „Ich möchte eine Ausbildung zum Erzieher machen. Turniere möchte ich aber weiter tanzen – und gewinnen.“ Sieht er sich mal als Profitänzer? Julian schüttelt (jetzt noch) mit dem Kopf: „Es soll ein Hobby bleiben.“

Die ersten Töne von „Little help“ – ein Titel der Band Boss Hoss – schallen durch den Raum im Tanzhaus Schorndorf. Schon steht Julian Beck auf dem Parkett und tanzt eine Linedance-Choreografie, als hätte er nie etwas anderes getan. Im Training trägt der Teenager gerne mal kurze Hosen, T-Shirt und Turnschuhe, dazu ein Cappy – das wird bei den unterschiedlichen Hand- und Armbewegungen sogar Teil der Tanzabfolge. Warum ein Tänzer, dessen Leidenschaft der Linedance geworden ist, für Erstaunen

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