Schorndorf

Junge Menschen leiden besonders unter Corona, bestätigen Sozialarbeiter aus Schorndorf

JuzeVestner
Die Jugendsozialarbeiter Wolfgang Holzwarth, Simone Vestner und Leonhard Domberger (von links) im Jugendzentrum Hammerschlag. © Gaby Schneider

Home-Schooling, Kontaktbeschränkungen und lange Zeit kein Vereinssport. Gerade Kinder und Jugendliche leiden immer noch unter den Beschränkungen der Corona-Zeit. Das geht keinesfalls spurlos an den jungen Menschen vorbei, betonen die Jugendsozialarbeiter in Schorndorf. Im Gegenteil: Viele wichtige Dinge scheinen auf der Strecke geblieben zu sein.

Von der Hausaufgabenhilfe bis zum Streetworking

Die Arbeit mit Jugendlichen hat sich seit dem ersten Lockdown stark verändert, erklärt Simone Vestner vom Jugendzentrum Hammerschlag. Habe man den Betrieb zu Beginn der Pandemie hauptsächlich auf Streetwork beschränkt, ist der Fokus seit dem zweiten Lockdown ein anderer. Denn spätestens seit der Wiederaufnahme des Schulbetriebs brauchen viele Jugendliche die Unterstützung der Sozialarbeiter. „Wir haben Hausaufgabenhilfe in allen Fächern gegeben“, erzählt Simone Vestner. Auch gezielte Nachhilfe für schwächere Schüler und das Lernen auf Prüfungen standen auf der Tagesordnung. Allerdings konnte nur ein bescheidener, kleiner Teil der Jugendlichen unter den strengen Hygienevorschriften ins Jugendzentrum kommen, wie Simone Vestner erzählt.

Der Online-Unterricht sei ohnehin immer ein großes Thema gewesen. Einige Schülerinnen und Schüler sind damit nämlich deutlich schlechter zurechtgekommen als andere. Wirklich begeistert vom Home-Schooling sei kein einziger Jugendlicher gewesen. Umso größer war die Freude bei denjenigen, die sich zumindest während der Nachhilfe persönlich treffen konnten.

Wie Wolfgang Holzwarth, ebenfalls vom Jugendzentrum Hammerschlag, erklärt, musste einigen Jugendlichen auch bei anderen Dingen geholfen werden. Zum Beispiel beim Verlängern des Aufenthaltstitels oder des Handyvertrags.

Doch auch die Arbeit auf der Straße wird weiterhin fortgesetzt. Der Schwerpunkt hierbei liegt auf der niederschwelligen Drogenhilfe. Die Sozialarbeiter laufen unterschiedliche Plätze in der Stadt ab und suchen dort das Gespräch mit Jugendlichen. „Die, die wir nicht kennen, beobachten wir zunächst mal“, ergänzt Wolfgang Holzwarth. Denn die Streetworker wollen sich immer erst ein Bild von der Situation machen. Und auch wenn der Fokus auf der Drogenprävention liegt, ergeben sich oft Gespräche ohne konkreten Bezug dazu. Die Jugendlichen erzählen unter anderem von ganz anderen Problemen, oft dann auch nur unter vier Augen.

Ab und zu müssen auch Konflikte geschlichtet werden, sagt Simone Vestner. Gerade nachts müssen die Jugendlichen oft darum gebeten werden, ihren Müll zu entsorgen und ihre Musik leiser zu machen, bevor die Polizei kommt. Im Dunkeln seien zudem weitläufigere Touren notwendig, denn unter Corona-Bedingungen liegen die Treffpunkte eher außerhalb der Innenstadt.

Auf den Herbst blicken die Sozialarbeiter weiterhin mit Sorge. Denn gerade die Jugendlichen seien mit der Zeit immer empfindlicher geworden. Die Angst vor einem weiteren harten Lockdown ist groß, sagt Simone Vestner. Viele hätten in der Isolation auch große Motivationsprobleme gehabt. Egal ob durch eine Überforderung durch die Schulaufgaben oder Schwierigkeiten bei der Praktikumssuche – die Sozialarbeiter mussten immer wieder aufs Neue als Motivatoren ranhalten.

„Da ist einiges auf der Strecke geblieben“

Aktuell dürfen sich die Jugendlichen wieder im Jugendzentrum Hammerschlag aufhalten. Für die Skatebahn ist eine Voranmeldung erforderlich, in die einzelnen Räume darf nur eine bestimmte Anzahl an Menschen. „Ich hoffe, das bleibt so“, sagt Wolfgang Holzwarth und führt weiter aus: „Dieser Job lebt vom Face-to-Face-Kontakt zu den Jugendlichen.“

Leonhard Domberger vom Jugendhaus Altlache hat in den vergangenen Monaten ähnliche Erfahrungen gemacht. Vor allem den ersten Lockdown hätten viele Kinder und Jugendliche als Ferien empfunden. Bequemlichkeit und Lustlosigkeit haben sich schnell breitgemacht. „Da ist einiges auf der Strecke geblieben“, sagt er. Trotzdem blieb er, wie seine Kollegen aus dem Hammerschlag, ständig über Whatsapp mit den jungen Menschen in Kontakt. Vereinzelt hat er ihnen auch persönliche Besuche abgestattet.

Die Lustlosigkeit würde aufgrund der Lockerungen und des Sommers langsam, aber sicher verschwinden. Trotzdem herrscht weiterhin eine große Unsicherheit, was unter den aktuellen Bestimmungen überhaupt erlaubt ist. „Das ist ja selbst für uns Erwachsene schwer zu verstehen, auch wenn man sich viel mit den Verordnungen beschäftigt hat“, sagt Simone Vestner. Dass trotzdem nichts so ist, wie es vor Corona war, bestätigen alle drei Sozialarbeiter. Freundeskreise und Gruppenstrukturen hätten sich verändert und in noch kleinere Grüppchen aufgeteilt. Wolfgang Holzwarth sagt: „Manche sind selbstständiger geworden, andere brauchen einen noch mehr.“

Home-Schooling, Kontaktbeschränkungen und lange Zeit kein Vereinssport. Gerade Kinder und Jugendliche leiden immer noch unter den Beschränkungen der Corona-Zeit. Das geht keinesfalls spurlos an den jungen Menschen vorbei, betonen die Jugendsozialarbeiter in Schorndorf. Im Gegenteil: Viele wichtige Dinge scheinen auf der Strecke geblieben zu sein.

Von der Hausaufgabenhilfe bis zum Streetworking

Die Arbeit mit Jugendlichen hat sich seit dem ersten Lockdown stark verändert,

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