Schorndorf

Kälteres Wasser, dunklere Straßen: Das plant Schorndorf zum Energiesparen

Duschen wird kälter
Die Duschwassertemperatur wird im Oskar-Frech-Bad auf 32 Grad reduziert. Das Außenbecken ist statt 32 nur noch 28 Grad warm. © Büttner

Auch wenn es angesichts der drückenden Hitze nicht danach aussieht: Der nächste Winter kommt bestimmt. Angesichts der drohenden Gasknappheit und explodierenden Energiepreise sorgen sich immer mehr Menschen. Was wird, wenn es in meiner Mietwohnung im Winter kalt wird, fragen sich manche. Kann ich mir eine warme Wohnung leisten, wie kann ich vorsorgen? Doch nicht nur Privathaushalte sind in Sorge – auch die Stadt bereitet sich vor. Konkrete Maßnahmen hat Erster Bürgermeister Thorsten Englert in der jüngsten Gemeinderatssitzung angekündigt. In den Rathäusern, Schulen, Hallen und allen anderen städtischen Gebäuden soll die Raumtemperatur gesenkt werden. Auf den Straßen wird es dunkler werden.

„Aufgrund der anhaltend steigenden Energiepreise und der damit verbundenen Unsicherheit der zukünftigen Energieversorgung will die Stadt ein Zeichen für den Winter setzen, um Energie zu sparen“, so Thorsten Englert. Als Maßnahmen zum Energiesparen nannte er im Einzelnen

  • eine Absenkung der Raumtemperaturen in allen städtischen Einrichtungen.
  • Die Wasseraufbereitung an Handwaschbecken wird auf Kaltwasserbetrieb gestellt. Sofern dies technisch nicht möglich ist, wird an die Mitarbeitenden appelliert, sensibel im Verbrauch zu sein.
  • Die Temperatur im Außenbecken des Oskar-Frech-Bades wird von 32 auf 28 Grad reduziert, in allen anderen Becken um jeweils ein Grad Celsius.
  • Die Duschwassertemperatur im Oskar-Frech-Bad wird auf 32 Grad reduziert.
  • Alle Straßenabschnitte, die gesetzlich nicht beleuchtet werden müssen, werden zwischen 0 und 4 Uhr nicht beleuchtet, vorausgesetzt dass dies ohne größeren Aufwand von den Stadtwerken umsetzbar ist.
  • Die Beleuchtung der Finnenbahn im Sportpark wird abgeschaltet.

Mit diesen Maßnahmen reagiert die Stadt zum einen auf die hohe Unsicherheit in der Energieversorgung und die stetig steigenden Energiepreise, aber auch auf einen Aufruf von Bundeswirtschaftsminister Habeck, der am 23. Juni die zweite Stufe des Notfallplans Gas ausgerufen hatte. Habeck hatte an die Solidarität aller appelliert, um eine Gasnotlage im Winter zu vermeiden. Jetzt müssten die Weichen für den Winter gestellt werden, um drohenden Gasengpässen entgegenzuwirken, heißt es auch bei der Stadt. Privathaushalte seien genauso gefordert wie Wirtschaftsunternehmen oder Dienstleister. Oberbürgermeister Bernd Hornikel in einer Pressemitteilung: „Auch die Stadtverwaltung Schorndorf kann mit ihren kommunalen Liegenschaften einen Beitrag zum Energiesparen leisten und will mit gutem Beispiel vorangehen.“

Das größte Einsparpotenzial liegt voraussichtlich bei den Bädern. Durch die Absenkung der Wassertemperatur und der Duschwassertemperatur könnten enorme Energiekosten gespart werden, so Erster Bürgermeister Thorsten Englert. Diese Maßnahmen gelten mit sofortiger Wirkung.

Noch steht nicht fest, wie warm oder kalt es in den Büros und Klassenzimmern im Winter tatsächlich wird. Einem Entwurf des EU-Notfallplans zufolge liegt die Raumtemperatur bei 19 Grad. Nach Meinung von Klaus Konz, Fachbereichsleiter Gebäudemanagement, könnte dies ein realistisches Ziel sein. Um es zu erreichen, plädiert er aber dafür, die Vorlauftemperatur in den Kesseln und nicht die Raumtemperaturen zu senken. Dies wäre seinen Worten zufolge schon deshalb sinnvoller, weil die Temperatur in fast allen städtischen Räumen mit Thermostaten geregelt wird, was wiederum stark nutzerabhängig sei. Energiesparen hält der Fachbereichsleiter aktuell für unumgänglich: „Wir müssen europaweit denken und Vorsorge treffen“, mahnt er.

Kaltes Vorlaufwasser aus der Dusche nicht einfach in den Abfluss laufenlassen

Das macht er übrigens auch privat: Im Hinblick auf die steigende Gasrechnung legt Familie Konz Geld zurück. Beim Duschen schränken sie sich ein. Und das kalte Wasser, das aus der Dusche läuft, bis das erwärmte folgt, wird bei Familie Konz zum Blumengießen auf der Terrasse verwendet.

Die Energiekosten belasten den Haushalt

Die Energiepreisexplosion drückt inzwischen auch auf den städtischen Haushalt. Zwar fällt das Gesamtergebnis Stand jetzt um 940.000 Euro besser aus als gedacht, wie Finanzfachbereichsleiter Jörn Wenzelburger bei der Vorstellung des Finanzzwischenberichts erläuterte. Geschuldet ist dies unter anderem Steigerungen beim Gewerbesteueraufkommen und der Einkommensteuer. Dem stehen weniger Einnahmen als geplant bei den Grundstückserlösen gegenüber – und vor allem um 1,6 Millionen Euro höhere Energiekosten als eingeplant.

Info

Zu einem Infoabend für Privathaushalte laden Stadtverwaltung, Stadtwerke und die Energieagentur Rems-Murr auf Dienstag, 26. Juli, ein. Thema ist die „Energiekrise – was können Verbraucher tun, um sich von schwankenden Energiepreisen unabhängiger zu machen?“ Beginn ist um 18 Uhr im großen Sitzungssaal im Rathaus am Marktplatz. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Auch wenn es angesichts der drückenden Hitze nicht danach aussieht: Der nächste Winter kommt bestimmt. Angesichts der drohenden Gasknappheit und explodierenden Energiepreise sorgen sich immer mehr Menschen. Was wird, wenn es in meiner Mietwohnung im Winter kalt wird, fragen sich manche. Kann ich mir eine warme Wohnung leisten, wie kann ich vorsorgen? Doch nicht nur Privathaushalte sind in Sorge – auch die Stadt bereitet sich vor. Konkrete Maßnahmen hat Erster Bürgermeister Thorsten Englert

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper