Schorndorf

Können Pollen eine Corona-Infektion begünstigen?

Pollen Pollenallergie Heuschnupfen
So schön die Frühlingsmonate auch sind: Für Pollenallergiker kann diese Zeit eine echte Qual bedeuten. © Benjamin Buettner

Frühling ist Pollenzeit, das dürfte zumindest Allergikern bestens bekannt sein. Laut einer Studie eines internationalen Forscherteams unter der Leitung von Forschenden der Technischen Universität München und des Helmholtz-Zentrums München, die schon vor gut einem Jahr veröffentlicht wurde, steigt an Tagen mit besonders starkem Pollenflug die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren um bis zu 20 Prozent – unabhängig von einer bestehenden Pollenallergie.

Nun wurde diese Studie in einem Fachmagazin nochmals aufgegriffen und diskutiert – denn Hochrisikogruppen sollten sich durch das Beobachten von Pollenflugvorhersagen und ein entsprechendes Tragen von Staubfiltermasken, also FFP2-Masken, schützen.

Was sagen Schorndorfer Ärzte dazu?

Kann ein verstärkter Pollenflug tatsächlich zu einer höheren Corona-Infektion führen? Und ist eine Zunahme von Allergien zu beobachten? „In diesem Jahr kommen vermehrt Patienten mit teilweise starken Pollinosis-Beschwerden in die allergologischen Ambulanzen und Praxen“, so Dr. Rainer Reiber. Die Gründe für dieses Phänomen seien wahrscheinlich komplex und derzeit noch nicht eindeutig geklärt. „Die Kollegen und Kolleginnen in München, seit jeher tief in der diesbezüglichen Grundlagenforschung eingebunden, untersuchen derzeit diese Zusammenhänge.“

Unter anderem scheint es einen Zusammenhang zwischen Covid-19 und Atemwegsallergien zu geben, ebenso wird ein Zusammenhang mit der Klima-Veränderung und einigen anderen Faktoren vermutet. „Zum aktuellen Zeitpunkt sind Schlussfolgerungen allerdings noch hypothetisch und spekulativ. Da meiner Wahrnehmung nach während der Corona-Pandemie oft Spekulationen und Hypothesen publiziert wurden und zu oft ungenügend zwischen Co-Inzidenz und Kausalität differenziert wurde, halte ich eine Aussage auf die Fragen für unzureichend pauschalierend und problematisch. Ich habe bislang keine belastbaren Daten vorliegen, die eindeutige kausale Zusammenhänge mit in großer Zahl ausreichend ausgewertetem Datenmaterial belegen können. Die publizierten ersten Ergebnisse sind bewusst zur wissenschaftlichen Diskussion in den Fachmedien veröffentlicht. Eine für Laien verständliche Aufbereitung ist aus meiner Sicht derzeit noch nicht sinnvoll.“

Im Frühjahr 2020 schien der Ausbruch der Corona-Pandemie in der nördlichen Hemisphäre mit den Flugzeiten der Baumpollen zusammenzutreffen.

Diese Beobachtungen nahm dieses Münchner Forschungsteam zum Anlass für die umfassende Untersuchung: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten herausfinden, ob es einen nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Pollenkonzentration in der Luft und Infektionszahlen mit Sars-CoV-2 gibt.

An Orten ohne Lockdown-Regelungen stieg die Infektionsrate im Schnitt um vier Prozent, wenn sich die Anzahl der Pollen in der Luft um 100 pro Kubikmeter erhöhte. In manchen deutschen Städten seien im Untersuchungszeitraum zeitweise pro Tag bis zu 500 Pollen auf einen Kubikmeter gekommen – dabei stiegen die Infektionsraten um mehr als 20 Prozent.

„Zu der Frage nach der Übertragung des Virus über Trägermedien wie Pollen gibt es einige Theorien“, sagt Dr. Michael Hagen aus Weiler. Zum einen ist die Studie der TU München von 2021. Zum anderen gibt es Berichte, dass Pollen nicht Träger des Virus sein können – ein bewusster Versuch, Pollen zu infizieren, ist bisher noch nicht gelungen. Ich persönlich bin zwar kein Virologe oder Infektiologe, aber ich glaube auch, dass eine Infektion nicht durch die Pollen kommt. Aber die Anfälligkeit kann bei starkem Pollenflug erhöht sein.“

Was kann der Allergiker tun?

Aktuell könne man in der Praxis noch keine erhöhte Anzahl an Patienten mit Pollenallergie oder asthmatischen Beschwerden aufgrund von Pollenflug feststellen. Hagen: „Aber bei Patienten, die Corona überstanden haben, ist es tatsächlich verhältnismäßig oft der Fall, dass Atembeschwerden bei körperlicher Belastung länger bestehen.“

Was kann der Allergiker tun? „Wenig körperliche Aktivität bei starkem Pollenflug und trockenem oder windigem Wetter“, so die Antwort des Arztes und weiter: „Bei allem Verständnis für die Lockerungen: Es ist nicht verboten, eine Maske zu tragen. Pollen und Stäube sind verhältnismäßig groß, da muss es nicht mal eine FFP2-Maske sein.“ Auch Dr. Karl von Baravalle erscheint es schlüssig, dass bei starkem Pollenflug Allergiker mit gereizten Schleimhäuten eine vermehrte Anfälligkeit für Infektionen, zum Beispiel Corona-Infekte, haben.

„Zurzeit kann ich aber keine extreme Häufung der schwereren Fälle, beispielsweise mit Bronchialbeteiligung, bei Allergikern feststellen.“

Frühling ist Pollenzeit, das dürfte zumindest Allergikern bestens bekannt sein. Laut einer Studie eines internationalen Forscherteams unter der Leitung von Forschenden der Technischen Universität München und des Helmholtz-Zentrums München, die schon vor gut einem Jahr veröffentlicht wurde, steigt an Tagen mit besonders starkem Pollenflug die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren um bis zu 20 Prozent – unabhängig von einer bestehenden Pollenallergie.

Nun wurde diese Studie in

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