Schorndorf

Künstler in der Corona-Krise: Einbußen und Lichtblicke in der Schorndorfer Kunstszene

kuenstlernot
Mit leeren Taschen: Andreas H. Adler und Gez Zirkelbach in ihrem Haubersbronner „Atelier 4“. © ALEXANDRA PALMIZI

Die Künste sind frei und ungegängelt. Besonders frei und damit auch ungesichert sind aber die selbstständigen Künstler, die nicht fest an eine kulturelle Institution gebunden sind. Sie erleben derzeit gerade die schwindlig machende Bodenlosigkeit ihrer Freiheit. Denn im Zweifelsfall sind „Grombiera“, also Kartoffeln, allemal wichtiger als Kunst.

Die Künstler in der Zirkuskuppel: ratlos. Dabei sind sie das Salz unseres so überaus vielfältigen, anregenden und oft beglückenden Kulturlebens. In der Corona-Krise ist nun aber vielen „freischaffenden“ Künstlerinnen und Künstlern das Brot zum Salz abhanden gekommen. Auch in Schorndorf.

Keine Ausstellungen, keine Auftritte, kein Unterricht als Dozent

Andreas H. Adler und Gez Zirkelbach arbeiten in einem Gemeinschafts-„Atelier 4“ im Gewerbegebiet von Haubersbronn. Als wir sie auf dem Höhepunkt des Nichtwissens, wie es mit der Corona-Krise weitergeht vor einiger Zeit besuchten und fragten, wie es steht, stülpten sie ihre leeren Hosentaschen nach außen. Ausstellungen, an denen sie sich beteiligen wollten - natürlich auch um ihre Bilder zu verkaufen - wurden abgesagt oder verschoben. Adler erzählt von einer Stuttgarter Galerie, die gleich nach Ausstellungseröffnung, auch mit seinen Werken, wieder geschlossen werden musste.

Zirkelbach, der zudem als Musiker mit verschiedenen Bands spielt, brachen die Auftrittsmöglichkeiten weg. „Sechs Konzertabsagen, bis weit in den Mai hinein.“ Sein Unterricht zweimal die Woche an der Kunstabteilung der PH Schwäbisch-Gmünd, er ist dort nicht fest angestellter Dozent, fällt ebenfalls aus.

Aber da gibt es auch von Solidarität zu berichten. „Ich hab’ vor zwei Wochen von einem Freund Geld geschickt bekommen“, erzählt Gez Zirkelbach. „Wenn’s nicht reicht, meld’ dich wieder“, bot der Freund an. Zwischen ersatzlosen Ausfällen und aufmerksam freundlichen Gesten, eine Erfahrung, die derzeit viele ihrer Künstler-Kollegen machen.

So auch Renate Busse, bei der sich ein interessierter Sammler meldete, der seinen lange geplanten Ankauf eines Gemäldes nun vorziehen wollte. „Das hat einen Monat gerettet“, freut sich die Künstlerin.

Unbürokratische Soforthilfe des Landes für Künstler hat funktioniert

Immerhin, selbst die Politik hat reagiert. Auch in Baden-Württemberg wurde ein Fonds zur Soforthilfe für Künstlerinnen und Künstler eingerichtet. „Gerade jetzt, wo wir Kunst und Kultur zur Bewältigung unserer persönlichen inneren, aber auch der gesellschaftlichen Krise so dringend bräuchten, ist das Kulturleben weitgehend zum Erliegen gekommen“, schreibt Kulturstaatssekretärin Petra Olschowski erläuternd zu diesem Hilfsprogramm zur Unterstützung der existenzgefährdeten Kunstschaffenden, der aus einem einmaligen, nicht zurückzuzahlenden Zuschuss für drei Monate besteht.

Gez Zirkelbach hat einen Antrag eingereicht und Freund Adler sagt, „ich bin baff, wie unbürokratisch das lief und dass es schon nach acht Tagen Geld gab“. Langfristig sicher ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber trotzdem: ein Zeichen der Wertschätzung einer gefährdeten Kulturlandschaft..

Unsicher, in welchem Format die Kunstnacht stattfindet

Dennoch, die vom 15. bis 17. Mai geplanten Tage der offenen Tür der Ateliers von Adler/Zirkelbach sowie der befreundeten Künstler Hardy Langer und Wlodek Szwed sind abgesagt worden. Ebenso die Ausstellung an der Bilderwand der Manufaktur, die derzeit ebenfalls noch geschlossen ist.

Abgesagt wurden auch die „Rue des arts“ der Künstler der Partnerstädte Schorndorfs, die diesmal turnusmäßig in Tulle hätte stattfinden sollen. Und in welchem Rahmen der Publikumsmagnet „Schorndorfer Kunstnacht“ im September stattfindet, das wird, so Künstler und Grünen-Stadtrat Ulrich Kost, derzeit noch diskutiert. „Wahrscheinlich aber in kleinerem Rahmen.“

Es gibt auch Lichtblicke. Museen und Galerien dürfen wieder geöffnet werden. So auch die Q-Galerie. „Wir freuen uns unendlich, dass es weitergeht“, sagt Stefanie Grünes, die Geschäftsstellenleiterin des Kulturforums. Ab Donnerstag, 14. Mai ist die aktuelle Ausstellung mit den Plastiken von Thomas Kühnapfel, die verlängert wurde bis zum 14. Juni, erneut zugänglich. Dabei wird man sich zum Schutz von Besuchern und Mitabeitern an alle geltenden Vorsichtsmaßregeln halten, versichert Grünes.

Ausfallhonorar für Dozenten der verschobenen Gitarrentage

Da aber weiterhin „Veranstaltungen aktuell nicht planbar sind“, wird es auch die beiden nächsten Ausgaben des Kulturkalenders nicht geben. Doch die Not der freischaffenden Künstler ist dem Kulturforum bewusst. So wurde beschlossen, den Dozenten der aufs nächste Jahr verschobenen Gitarrentage ein Ausfallhonorar zu zahlen. Über eine Initiative zu einem Spendenaufruf für klamme Künstler werde derzeit ebenfalls nachgedacht, informiert Stefanie Grünes.

Der Schorndorfer Musiker Rüdiger Kurz ist in der ganzen Region regelmäßig an Kontrabass oder Gambe zu hören und zu sehen. Während der Passionszeit sind ihm gleich mehrere Konzerte abgesagt worden. Ohne Ausfallhonorar. Und so geht es weiter: „Bis tief in den September hab’ ich kein Konzert mehr.“ Auch verschiedene Chöre, die derzeit gar nicht proben können, haben geplante Aufführungen gestrichen.

Zusammen mit der Pianistin Ursel Quast hat er auf Anregung der Jugendmusikschule ein Hofkonzert im Marienstift gegeben. Ohne Gage, „aber es war berührend und hat den Leuten gefallen“. Miete ist davon nicht zu bezahlen. So ist auch Rüdiger Kurz froh, dass er die Corona-Soforthilfe für die Monate März bis April erhalten hat. Wie’s weitergehen soll, weiß auch er nicht. Er erwähnt aber eine spanische Kollegin, die sitzt nur zu Hause: „Dort gibt’s gar nichts!“

Die Künste sind frei und ungegängelt. Besonders frei und damit auch ungesichert sind aber die selbstständigen Künstler, die nicht fest an eine kulturelle Institution gebunden sind. Sie erleben derzeit gerade die schwindlig machende Bodenlosigkeit ihrer Freiheit. Denn im Zweifelsfall sind „Grombiera“, also Kartoffeln, allemal wichtiger als Kunst.

Die Künstler in der Zirkuskuppel: ratlos. Dabei sind sie das Salz unseres so überaus vielfältigen, anregenden und oft beglückenden

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