Schorndorf

Karin Ehlert als Rektorin der Schorndorfer Schlosswallschule verabschiedet

Rektorin Karin Ehlert, Schlosswallschule, Schorndorf, 26.07.2021.
Karin Ehlert lag auch immer das 1891 eingeweihte Schulhaus am Herzen. 2016 feierte die Schlosswallschule 125-jähriges Bestehen. © Benjamin Beytekin

Das letzte Schuljahr war anstrengend. Keine Frage. Allein die Stundenpläne mussten an der Schlosswallschule elfmal umgeschrieben werden. Dazu die langen Phasen des Fernunterrichts und die Maskenpflicht auch im Unterricht, die vor allem für Grundschulkinder, die auf Mimik und Artikulation auch beim Schrifterwerb angewiesen sind, nicht einfach war. „Corona“, sagt Karin Ehlert, „macht’s mir leichter zu gehen“. Doch frustriert verabschiedet sich die Rektorin nicht in den Ruhestand. Im Gegenteil: „Ich hatte richtig viele gute Jahre.“ So lautet ihr Fazit nach 23 Jahren, die sie erst als Lehrerin und dann von 2007 an als Schulleiterin an der Schlosswallschule war. Und sie hat den Schuldienst sogar noch um ein Jahr verlängert: Ende des Monats geht sie mit 66 Jahren in Pension.

Für Karin Ehlert war’s ein Traumberuf. Schon als Kind, erzählt sie, wollte sie Lehrerin werden und spielte mit ihren Puppen am liebsten Schule. Anfangs lag ihr Fokus allerdings noch auf der Hauptschule. Nach dem Abitur am Wirtschaftsgymnasium Waiblingen studierte sie an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg Englisch und Geschichte. Ihr Referendariat machte sie an der Hohbergschule Plüderhausen. Nach einer kurzen Zwischenstation an einer Schule bei Ellwangen kam sie 1982 ans Schulzentrum Rudersberg und blieb dort bis 1987. Nach der Geburt ihrer drei Kinder machte sie elf Jahre lang Familienpause. Und nachdem ihr die damalige Rektorin, Merve Stöckle, ein Angebot gemacht hatte, kam sie 1998 an die Schlosswallschule.

Ein gutes Miteinander auch mit den allermeisten Eltern

In dem historischen Schulgebäude, sagt die 66-Jährige, habe sie sich immer sehr wohlgefühlt. Unter den Kolleginnen spürte sie einen großen Konsens auch in pädagogischen Fragen. Ein gutes Miteinander erlebte sie mit den allermeisten Eltern – immer das gemeinsame Ziel vor Augen, „dass die Schule gut läuft für die Kinder“. Für die scheidende Rektorin war’s dabei immer wieder beglückend, wenn sie den Erfolg ihrer Arbeit ernten, wenn sie Schülerinnen und Schülern einen guten Weg weisen konnte und – nicht zuletzt – „wenn ein Kind was gelernt hat“.

Dass jetzt vor allem die Familien in der Corona-Krise so leiden müssen und es noch immer keine überzeugende Strategie für einen Präsenzunterricht in den Herbst- und Wintermonaten gibt, macht Karin Ehlert fassungslos. Dabei müsste doch eigentlich klar sein, „dass jetzt die Kinder dran sind“. Letztendlich fehlt’s am Geld: Dabei bräuchte es, sagt die Pädagogin, viel mehr Kinder- und Jugendtherapeuten. Die Villa 103, die Kinder und Jugendliche mit flexiblen Hilfen in einer Tagesgruppe fördert und betreut, müsste es in Schorndorf gleich dreimal geben. Und dass Kinder ein halbes Jahr auf einen Termin in einem sozialpädiatrischen Zentrum warten müssen, das ist für sie ein Unding: „Wenn es einem Kind schlecht geht, braucht es sofort Hilfe.“ Und noch etwas liegt aus Karin Ehlerts Sicht im Argen: Die Unterrichtsversorgung fürs kommende Schuljahr „ist ganz miserabel“. Es gibt viel zu wenig Lehrer – und auch die Schlosswallschule ist noch nicht ganz versorgt.

Nicole Klingmann: Neue Rektorin an der Schlosswallschule

Zum Glück ist mit Nicole Klingmann, die vor zehn Jahren aus dem Fuchshof an die Schlosswallschule kam und bisher Konrektorin war, eine Nachfolgerin für Karin Ehlert gefunden. Wie schwierig die Suche an der Fuchshofschule war, hat sie noch lebhaft in Erinnerung: Von 2011 bis 2012 war Karin Ehlert dort parallel zu ihren Aufgaben an der Innenstadt-Schule kommissarische Schulleiterin: „Das war sehr herausfordernd“, sagt sie im Rückblick. Auch, weil damals die Sanierung der Schlosswallschule und der Umbau zur Ganztagsschule anstanden.

Als Pädagogin lag Karin Ehlert immer die Förderung der Kinder am Herzen. Als pädagogische Beraterin am Staatlichen Schulamt Backnang war sie von 2003 bis 2007 zuständig für den Anfangsunterricht und baute die Kooperation zwischen Kindergärten und Schulen mit auf. Von 2012 an war sie Kooperationsbeauftragte und Ansprechpartnerin für die Schule-Kindergarten-Kooperation. Jetzt freut sie sich auf den Ruhestand. Zukunftspläne hat die 66-Jährige keine gemacht. „Die letzte Zeit war so verdichtet, ich freue mich darauf, endlich mal meine Ruhe zu haben.“ Doch ein Projekt gibt es: Mit ihrem Mann ist sie Mitglied der Interessensgemeinschaft für ein zweites Mehrgenerationenhaus in Schorndorf und hofft, mit den anderen endlich ein passendes Grundstück zu finden.

Das letzte Schuljahr war anstrengend. Keine Frage. Allein die Stundenpläne mussten an der Schlosswallschule elfmal umgeschrieben werden. Dazu die langen Phasen des Fernunterrichts und die Maskenpflicht auch im Unterricht, die vor allem für Grundschulkinder, die auf Mimik und Artikulation auch beim Schrifterwerb angewiesen sind, nicht einfach war. „Corona“, sagt Karin Ehlert, „macht’s mir leichter zu gehen“. Doch frustriert verabschiedet sich die Rektorin nicht in den Ruhestand. Im Gegenteil:

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