Schorndorf

Kein Kreisel, keine Ampel – was nun?

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Alle bisherigen Versuche, den Einmündungsbereich sicherer zu machen, sind gescheitert, jetzt wird alternativ über eine Ampelregelung, einen Kreisel oder ein Tempolimit auf der Benzstraße nachgedacht. Alles zu lassen, wie es ist, wird wohl nicht gehen. © Habermann / ZVW

Schorndorf. Über den von der CDU-Fraktion geforderten Kreisel zur Entschärfung der Unfallgefahr im Einmündungsbereich Nikolaus-Otto/Benzstraße wurde im Technischen Ausschuss erst gar nicht abgestimmt, und die von der Verwaltung vorgeschlagene Ampel fand keine Mehrheit. Auf den mehrfach geäußerten Vorschlag, alles so zu lassen, wie es ist, wird und kann sich die Verwaltung wohl nicht einlassen. Die Entscheidung fällt im Gemeinderat.

Wobei: Eigentlich war sie nach diversen Beratungen sowohl im Verkehrsbeirat als auch im Technischen Ausschuss schon gefallen. Die Verwaltung als zuständige Verkehrsbehörde hatte bereits verfügt, die teilweise schon vorhandene Ampelanlage neu einzurichten und in Betrieb zu nehmen, als die CDU-Fraktion mit ihrem Wunsch nach Untersuchung einer Kreisellösung dazwischengrätschte.

„Es gehört sich nicht, einfach Fakten zu schaffen.“

Auch aus taktischen Gründen, wie Fraktionschef Hermann Beutel im Ausschuss eingestand: „Wir wollten verhindern, dass die Verwaltung von sich aus tätig wird und der Gemeinderat nichts mehr zu sagen hat.“ Für den Oberbürgermeister war nach der CDU-Intervention klar: „Es gehört sich nicht, einfach Fakten zu schaffen.“

Wiewohl er der Meinung ist, dass ein – technisch durchaus möglicher – Kreisel mit grob geschätzten Kosten in Höhe von rund 400 000 Euro auf die Schnelle weder zu finanzieren noch zu machen wäre – bei all dem, was im Hinblick auf die Gartenschau ohnehin noch gemacht werden muss – und dass, wenn schon, das Geld in einem Kreisel im wirklich kritischen Einmündungsbereich Waiblinger Straße/Grafenbergweg/Mittlere Uferstraße besser angelegt wäre. „Es wäre niemand zu erklären, wenn wir hier jetzt einen Kreisel bauen würden“, meinte Klopfer und er empfahl Hermann Beutel, den Antrag zurückzunehmen.

„Wir werden nicht verhindern, dass Autofahrer Mist bauen“

Woran der aber gar nicht dachte, weil, so der CDU-Fraktionsvorsitzende, ein – möglicherweise auch kleiner geplanter und dann auch kostengünstigerer – Kreisel an dieser Stelle nicht nur sicherer, sondern auch ökologisch sinnvoller wäre als eine Ampel, die aus Sicht der CDU-Fraktion „ein Verkehrshindernis erster Klasse“ wäre. Beutels konkreter Vorschlag: „Jetzt von der Ampel absehen und irgendwann später einen Kreisel bauen – selbst auf die Gefahr hin, dass es noch ein paar Blechschäden gibt.“

Und siehe da: Zumindest für seinen Vorschlag, auf die Ampel zunächst einmal zu verzichten, bekam Hermann Beutel Beifall und Unterstützung. Etwa von SPD-Stadtrat Klaus Reuster, der es für überzogen hält, an dieser Stelle von einer „Unfallhäufungsstelle“ oder gar von einem Unfallschwerpunkt zu sprechen und der es deshalb auch nicht für gerechtfertigt hält, 46 000 Euro für eine Ampel oder gar 400 000 Euro für einen Kreisel auszugeben.

„Wir werden es nicht verhindern, dass Autofahrer Mist bauen“, meinte Reuster und plädierte dafür, „alles so zu lassen, wie es ist“. Was mehr oder weniger – weil er zumindest den Trennstreifen von der Schlachthausstraße her aufgehoben sehen will – ganz im Sinne von FDP/FW-Stadtrat Konrad Hofer wäre, der bei der Menge an Verkehr, die diesen Einmündungsbereich passiert, die paar Blechschäden nicht für so gravierend hält, als dass da auch nur die Ausgaben für eine Ampel gerechtfertigt wären.

Und wenn die Polizei das anders sieht, dann stört das Konrad Hofer auch nicht: „Die soll nichts wollen, die soll sich lieber einer Diskussion stellen“ – am besten im Verkehrsbeirat, aus dem sich die Polizei zu Hofers Bedauern aus Zeitgründen zurückgezogen hat.

„Wenn Sie keine Ampel wollen, ordnen wir Tempo 30 an“

Aktuell nichts zu verändern, lautete auch die Empfehlung der Stadträte Marcel Kühnert (SPD) – mit der Einschränkung: „Wenn’s rechtlich möglich ist“ – und Wilhelm Pesch (Grüne), der sich zunächst einmal eine Testphase mit einer Geschwindigkeitsreduzierung vorstellen könnte.

Als da ein Gemurmel einsetzte, dass man sich das allenfalls bei einer Reduzierung von 50 auf 40 km/h vorstellen könnte, machte der Oberbürgermeister deutlich: „Wenn Sie keine Ampel wollen, ordnen wir Tempo 30 an.“ Wobei beides, Ampel und Tempolimit, von der Stadt als zuständiger Verkehrsbehörde auch ohne Zustimmung des Gemeinderats festgesetzt werden könnte.

Grünen-Stadträtin Sieber mit einer klaren Präferenz für eine Ampel

„Sie können nicht nichts machen, weil sich die Polizei das nicht lange ansehen würde“, machte der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich als zuständiger Dezernent dem Technischen Ausschuss deutlich – unter Verweis darauf, dass in den letzten drei Jahren in diesem Bereich jeweils elf Unfälle mit insgesamt zehn Verletzten registriert wurden.

Grünen-Stadträtin Andrea Sieber pflichtete Hemmerich bei: „Es wäre fahrlässig, nichts zu tun, wenn wir hier einen definierten Unfallschwerpunkt haben“, meinte sie – mit einer klaren Präferenz für eine Ampel, die ja nicht zwingend 24 Stunden in Betrieb sein müsste.

Statistisch als „Unfallhäufungsstelle“ geführt wird die Kreuzung Benz-/Nikolaus-Otto-Straße, wobei es vor allem nicht immer ganz einfach ist, die Lücke zum Einfahren von der Nikolaus-Otto-Straße (linker Bildrand) auf die Benzstraße in Fahrtrichtung Stadtmitte zu erwischen und dann ein paar Meter weiter auch noch gefahrlos einzufädeln.


Was jetzt?

  • „Und was machen Sie jetzt?“, wollte abschließend Hermann Beutel von Oberbürgermeister Matthias Klopfer wissen. „Das sage ich Ihnen im Gemeinderat“, konterte der.
  • Wobei natürlich auch die Fraktionen noch die Möglichkeit hätten, Anträge zu stellen. Sollte die Verwaltung in diesem Zusammenhang doch noch den Auftrag bekommen, konkret in eine Kreiselplanung einzusteigen, wäre es nach Klopfers Einschätzung zwingend, dass bis zur Realisierung eines Kreisels ein Tempolimit verhängt wird.