Schorndorf

Keine Schorndorfer Weihnachtswelt, dafür das "Wunschbuch-digital" auf dem Marktplatz

WunschbuchJunt
Waldemar Junt zeigt’s: In diesem Jahr liegt in der Hütte des Wunschbuchs ein Tableau mit einem QR-Code aus. So können Passanten ihre Anliegen, Hoffnungen oder Sorgen notieren. Im vergangenen Jahr gab es noch das klassische Wunschbuch in Papierform, das links auf dem Pult zu sehen ist. © Gaby Schneider

Weihnachtswelt, Weihnachtsmütze, Weihnachtsbummel: In diesem Jahr gestalten sich die adventlichen Freuden in der Daimler-Stadt anders als gewohnt. Doch wenn sich auch einiges ändert: Zumindest das Wunschbuch behält weiterhin seinen Platz auf dem Marktplatz. Allerdings, Corona geschuldet, nicht in der bisherigen Papierform, verrät Ideengeber und Organisator Waldemar Junt, der frühere Schorndorfer Dekan. So ist an der Stelle, wo sonst geschrieben und geblättert werden konnte, in der bekannten Hütte ein Tableau mit der Optik des Wunschbuchs und einem QR-Code zu finden. Letzterer, mit Smartphone genutzt, ermöglicht einen Eintrag in ein digitales Wunschbuch. Ein modernes und pandemiegerechtes Vorgehen. Denn ob jeder Schreiber seinen eigenen Stift mitbringen würde oder sich vor dem Durchblättern die Hände gewaschen hätte, wer könnte und wollte das kontrollieren?

Nachteil: Wer kein Smartphone hat, kann nichts eintragen

So macht die moderne Technik die schon etwas Tradition gewordene Form des Wünschens während der Weihnachtswelt möglich, was Waldemar Junt natürlich freut. Er weiß indes: „Das hat einen Vorteil und viele Nachteile.“ Denn in der bisherigen Form des Wunschbuchs fanden sich, neben den gewünschten und erbetenen Einträgen, durchaus auch unflätige Bemerkungen, Sexistisches, Schmierereien. „Das wird im digitalen Wunschbuch nicht mehr passieren“, ist sich der frühere Dekan sicher. Der Nachteil jedoch: „Es ist ausgeschlossen, wer kein Smartphone hat.“ Dabei denkt Junt insbesondere an Kinder und Senioren. „Sie waren seither immer dabei.“ Ja, mehr noch, Waldemar Junt ist im ersten Jahr des Wunschbuchs sogar in Schulen gegangen und hat es dort ausgelegt, auf dass sich der Nachwuchs darin äußern konnte.

Einzigartig im süddeutschen Raum: Wunschbuch etabliert

Überhaupt, das Wunschbuch: Zu seiner Geschichte, eine kleine Historie hat die Aktion bereits, gibt es doch in diesem Jahr schon die achte Auflage, kann Waldemar Junt viel erzählen. Zum Beispiel, dass Schorndorf im süddeutschen Raum die einzige Stadt ist, die eine solche Tradition pflegt, so Junt. Die Idee dazu kam ihm einst durch seinen Sohn, der in Basel arbeitet. In der eidgenössischen Stadt liegt ein solches Wunschbuch in der Adventszeit im Innenhof des repräsentativen Rathauses aus. Die dort aufgenommenen Tausende von Wünschen waren sogar bereits Gegenstand einiger Diplomarbeiten, weiß der frühere Schorndorfer Dekan. Dem die Idee sofort gefiel. Er nahm Kontakt auf mit den dortigen Initiatoren und erfuhr, dass die Tradition eines Wunschbuchs in nicht wenigen schweizerischen Gemeinden gepflegt wird. Und befand, dass das doch auch für Schorndorf etwas wäre. Junt, damals bereits im Ruhestand, stellte die Idee dem Oberbürgermeister vor und hat noch die Reaktion von Matthias Klopfer im Ohr: „Das ist eine charmante Idee.“ Inzwischen fungiert der Oberbürgermeister als Schirmherr der Aktion.

Waldemar Junt fand ferner mit der Keplerschule einen Partner, der eine Hütte für das Buch baute. Eine Abschlussklasse nahm sich des Vorhabens seinerzeit im Rahmen eines Projekts an. Außerdem kümmerte sich Waldemar Junt um Förderer und fand auch im Rotary Club Schorndorf Unterstützer. Der Club, Waldemar Junt ist selbst Rotarier, hat die Trägerschaft für das Wunschbuch übernommen. Er stiftet etwa das Buch, das mit Ledereinband, besonderem Papier und Druck von einem Buchbinder alljährlich in Handarbeit angefertigt wird.

Junts Anliegen: „Die Leute mögen ihr Herz ausschütten"

Die Wünsche, die zwischen den Buchseiten verewigt wurden, verschwinden übrigens keineswegs ungesehen in irgendwelchen Schubladen. Waldemar Junt sichtete die Einträge, arbeitete die wichtigsten Wünsche heraus und leitete jene, die das kommunale Geschehen betreffen, an die Stadt Schorndorf weiter. Nun bewegen Schultoiletten oder Zebrastreifen zwar die Gemüter. Freilich aber: „Das war nicht mein allererstes Ziel“, räumt Waldemar Junt ein. Vielmehr lag es ihm am Herzen, „die Leute mögen ihr Herz ausschütten“, schreiben, was sie bedrückt und bewegt, quasi über Gott und die Welt.

Und so geschah es denn auch oft: Hier ging es um den VfB, da um die Weihnachtsmütze, die das Schorndorfer Rathaus während der Weihnachtswelt ziert, und so weiter. Doch auch ernste, persönliche Themen wurden notiert: „Meine Eltern streiten sich so arg“, nennt Junt ein Beispiel, der in dem Wunschbuch mitunter auch die Funktion einer „Klagemauer“ ausmacht. So zumindest war es in der Vergangenheit.

Das neue digitale Wunschbuch wird nun Einträge aufnehmen. Was bewegt die Menschen in diesem Advent, was werden sie notieren, was wird vielleicht in späteren Zeiten einmal von den Sorgen und Hoffnungen dieser Wochen künden? „Es ist spannend: Was geschieht in diesem Jahr?“, meint auch Junt.

Weihnachtswelt, Weihnachtsmütze, Weihnachtsbummel: In diesem Jahr gestalten sich die adventlichen Freuden in der Daimler-Stadt anders als gewohnt. Doch wenn sich auch einiges ändert: Zumindest das Wunschbuch behält weiterhin seinen Platz auf dem Marktplatz. Allerdings, Corona geschuldet, nicht in der bisherigen Papierform, verrät Ideengeber und Organisator Waldemar Junt, der frühere Schorndorfer Dekan. So ist an der Stelle, wo sonst geschrieben und geblättert werden konnte, in der bekannten

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