Schorndorf

Kinder dürfen wieder alleine nach Hause

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Symbolbild. © Christine Tantschinez

Remshalden. Dieses Verbot hatte für Aufregung gesorgt: Seit diesem Kindergartenjahr durften Remshaldener Kinder nicht mehr alleine auf den Heimweg, selbst wenn die Eltern es erlaubten. Jetzt gibt es dafür eine Lösung.

Ab Januar gilt eine neue Vereinbarung zwischen Gemeindeverwaltung, Gesamtelterbeirat und Kindergartenleitungen. Ab dann können Kinder im letzten Kindergartenjahr vor der Einschulung wieder alleine nach Hause laufen – wenn die Fachkräfte in der Betreuungseinrichtung dem zustimmen. Es wird also nicht mehr so sein, wie noch im vergangenen Kindergartenjahr üblich, dass allein die Eltern entschieden, ob ein Kind ohne Begleitung auf den Heimweg darf, sondern die Erzieherinnen und Erzieher haben das letzte Wort.

Aus haftungsrechtlichen Gründen hatten Gemeindeverwaltung und Betreuungseinrichtungen für das laufende Kindergartenjahr entschieden, dass ein unbegleiteter Heimweg grundsätzlich für kein Kind mehr möglich ist. Grund war eine Handlungsempfehlung der Unfallkasse Baden-Württemberg. Diese betonte jedoch auf Anfrage unserer Zeitung bereits im Oktober, dass für ein solches pauschales Verbot kein Anlass besteht. Andere Gemeinden wie Remshaldens Nachbarn Winterbach und Weinstadt haben schon länger die Regelung, dass Fachpersonal und Eltern sich bei der Heimwegfrage abstimmen.

Viel Aufregung um Verbot

Bei den Remshaldener Eltern gab es wegen der Verbotsregelung viel Aufregung, Verwunderung und auch Ärger. Darauf haben Verwaltung und Kindergartenleitungen jetzt reagiert. In der Vereinbarung, die jetzt in Abstimmung mit dem Gesamtelternbeirat getroffen wurde, heißt es: „Kinder im Kindergartenalter sind nicht bzw. nur eingeschränkt verkehrstüchtig. Deshalb dürfen Kindergartenkinder den Heimweg grundsätzlich nicht allein bewältigen.“

Ob beim jeweiligen Kind eine Ausnahme möglich ist, das entscheiden die Fachkräfte zusammen mit den Eltern in einer Einzelfallentscheidung und ziehen dabei verschiedene Faktoren in Betracht, wie „den Entwicklungsstand des Kindes“ oder die „Gefahrenlage des Weges“. Weiter heißt es in der Vereinbarung: „Die pädagogischen Fachkräfte tragen hier eine besonders hohe Verantwortung. Soll ein Kind allein nach Hause gehen, müssen die Fachkräfte zu einer generellen Einschätzung der Entwicklung des Kindes kommen.“

Wichtig ist, dass diese Vereinbarung jederzeit widerrufen werden kann. Der „Status quo“ müsse täglich „überprüft und eingeschätzt werden“. Und: „Kommen die Fachkräfte zu der Einschätzung, dass das Kind generell oder auch nur phasenweise nicht als Fußgänger am Verkehr teilnehmen kann, hat das Personal jederzeit, auch kurzfristig, die Möglichkeit, die Vereinbarung mit den Personensorgeberechtigten nicht zu unterschreiben bzw. für einen bestimmten Zeitraum außer Kraft zu setzen.“


Kriterien

Grundsätzlich gibt es für den Heimweg in Remshalden auch in Zukunft nur eine Ausnahmeregelung für Kinder im letzten Kindergartenjahr.

Weitere Kriterien sind: der allgemeine Entwicklungsstand und die körperliche und geistige Tagesverfassung des Kindes. Außerdem die Risiken des jeweiligen Weges, den das Kind zurückzulegen hat. Die Fachkräfte fragen auch: „Wurde mit dem Kind der Nachhauseweg genügend oft eingeübt?“