Schorndorf

Kinder lernen im Schorndorfer Stadtmuseum: Archäologie ist mehr als Schatzsuche

Kinder und Archäologie
Mitmachausstellung: Kinder erhalten im Stadtmuseum Einblicke in die Vergangenheit. © ALEXANDRA PALMIZI

Was tun Archäologen, wie arbeiten sie und was umfasst die Wissenschaft der Archäologie? Im Sommerferienprogramm des Stadtmuseums Schorndorf haben zwölf junge Nachwuchsforscher zwischen sechs und zwölf Jahren von Museumspädagogin Britta Ullrich erfahren, was es heißt, Archäologe zu sein.

Das Programm startet im Keller des Stadtmuseums. Hier führt Britta Ullrich die Kinder zunächst durch die neue Mitmachausstellung, die nach jahrelanger Planung diesen Sommer erstmals besucht werden konnte.

Konzipiert und umgesetzt wurde diese von Nina Raczek und Nadja Bühler. Wie der Name schon andeutet, lernen die Teilnehmer beim Durchlaufen dieser Ausstellung nicht nur durch Sehen und Zuhören, sondern auch durch das Mitmachen. Mitmachen können die Kinder an den interaktiven Lernstationen, die die vorgestellten Themen noch einmal vermitteln. „Wir versuchen, die Ausstellung so interaktiv wie möglich zu gestalten“, erklärt Stephan Lawall, Volontär im Stadtmuseum. „So ist es interessanter für die Kinder.“

Die Ausstellung zeigt neben den Grundlagen der Archäologie die diversen Fundstücke, die Archäologen in Schorndorf ausgegraben hatten. In der Ausstellung sind sie nach Alter angeordnet, so dass man sich beim Durchlaufen auf eine „Zeitreise von jung nach alt“ begibt, wie es Lawall beschreibt. Die Zeitreise beginnt bei den Römern und endet bei den Mesolithen der Steinzeit, wo das älteste Fundstück, ein Mammutstoßzahn, vorzufinden ist.

"Archäologie in der Box"

Zwischen Römern und Mesolithen sind auch die Kelten mit ihren „Regenbogenmünzen“ und die Alemannen mit dem Schmuck eines jungen Alemannenmädchens repräsentiert. Wer seine eigene Regenbogenmünze haben will, kann sich eine an der Münzstation prägen. Und wer wissen möchte, wie das Alemannenmädchen mit ihrem Schmuck ausgesehen hat, kann helfen, ihr Puzzle zu vervollständigen.

Nach einer halben Stunde geht es dann in die Restaurierungswerkstatt. Hier nehmen die Kinder am Programm „Archäologie in der Box“ teil, das von der Aktion Kultur-Sozial bereitgestellt wird. Für eineinhalb Stunden können sie hier arbeiten wie Archäologen und Restauratoren.

Restauratoren arbeiten mit Archäologen eng zusammen und sind für die Wiederherstellung von Funden verantwortlich. Restauriert wird ein Keramikgefäß, dessen Scherben zusammengefügt und -geklebt werden müssen. „Das vermittelt den Kindern den Wiederherstellungsgedanken, der mit Restaurierung verbunden ist“, erläutert Lawall.

Ohne Dokumentation: „Wissenschaft der Zerstörung“

Bevor jedoch etwas restauriert werden kann, muss es erst einmal aus der Erde geholt werden, wofür Archäologen zuständig sind. Dabei ist die Dokumentation der Funde ganz wichtig, da ohne sie Archäologie eine reine „Wissenschaft der Zerstörung“ wäre. Dieser Aspekt wird den Kindern auch vermittelt, indem sie alle Funde, die sie an diesem Tag machen, auf einem Fundzettel so präzise wie möglich dokumentieren und in Form einer Skizze festhalten. „Dokumentation ist der Kern archäologischen Arbeitens. Nur dadurch bleibt das Wesen eines Fundstücks, das man aus der Erde holt, erhalten.“

Die Kinder begeben sich auf die Suche nach eigenen Fundstücken, die alle gründlich dokumentiert und skizziert werden. Jedem wird eine Box voll Erde gegeben, die ein Planum einer imitierten Ausgrabungsstätte darstellen soll. „Mit ganz viel Liebe, vorsichtig und akkurat“, wie es Ullrich anordnet, graben die Kinder mit Archäologenwerkzeug danach, was sich in der Erde verbirgt.

Groß ist die Freude über jeden Fund. „Ich habe eine Perle gefunden!“ oder sogar „Ich habe ein Armband gefunden!“ ertönt es eifrig aus jeder Ecke wenige Minuten, nachdem das Graben begann. Wer mehrere Perlen fand, konnte diese zu einer Perlenkette zusammenfügen und damit ein Artefakt wiederherstellen. Jedes Fundstück, das saubergewaschen, dokumentiert, skizziert und gegebenenfalls restauriert wurde, kommt in eine Tüte.

Als Zweck des Programms nennt Lawall die korrekte Vermittlung der Wissenschaft an die nächste Generation. Actiongeladene Filme wie die um den fiktiven Archäologen „Indiana Jones“ hätten die Auffassung von Archäologie in der Gesellschaft ziemlich verfälscht. Programme wie „Archäologie in der Box“ sollen dazu dienen, Kindern tatsächliche Archäologie beizubringen, in der es nicht um Schatzsuchen, sondern die Erforschung der Kulturgeschichte geht. „Archäologie in der Box kommt bei den Kindern sehr gut an“, beobachtet Lawall.

Erstmals angeboten wurde Archäologie in der Box vom Stadtmuseum im Juli, als Kinder einen ganzen Sonntag lang nach Artefakten graben konnten. Auch dieses Mal hätte es den Kindern wieder Spaß gemacht, zieht Ullrich ein Fazit.

Was tun Archäologen, wie arbeiten sie und was umfasst die Wissenschaft der Archäologie? Im Sommerferienprogramm des Stadtmuseums Schorndorf haben zwölf junge Nachwuchsforscher zwischen sechs und zwölf Jahren von Museumspädagogin Britta Ullrich erfahren, was es heißt, Archäologe zu sein.

Das Programm startet im Keller des Stadtmuseums. Hier führt Britta Ullrich die Kinder zunächst durch die neue Mitmachausstellung, die nach jahrelanger Planung diesen Sommer erstmals besucht werden

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