Schorndorf

Kinder mit Behinderung vergessen? Kritik am Spielplatz im Schlosspark Schorndorf

SpielplatzSchlosspark
Der Spielplatz im Schlosspark. © Gaby Schneider

Im Zuge der Gartenschau war er angelegt worden, von vielen Familien wird er besonders wegen seiner Wasserspiele geschätzt. Doch von Anfang an war der Spielplatz im Schlosspark auch bemängelt worden.  Und auch aktuell steht er wieder in der Kritik. „Wer nicht klettern kann, hat hier nicht wirklich viel Spaß“, schreibt eine Mutter auf Facebook. „Das ist leider nur was für das künstlerische Auge, aber nichts für Kinder, die spielen möchten“, schreibt eine andere. Vor allem kritisieren die Eltern aber, dass dieser Spielplatz wie viele andere in Schorndorf für Kinder mit Behinderung ungeeignet sei. Ihr fünfjähriger Sohn mit Halbseitenlähmung könne mit keinem der großen Spielplätze was anfangen“, berichtet eine Mutter. „Er muss leider nur zuschauen, wie die anderen Kinder klettern und rutschen. Das macht ihn traurig. Deshalb meiden wir die Spielplätze.“ Keiner der Spielplätze sei inklusiv, kritisiert sie und meint: „Das ging bei der Planung leider unter.“

Das meint auch Kai Käfer, ehrenamtlicher Integrationsbeauftragter der Stadt. Er verweist darauf, dass Inklusion in der heutigen Zeit zwar großgeschrieben werde, es aber viel zu wenige Spielgeräte für Kinder mit Beeinträchtigungen gebe. Käfer macht sich deshalb schon länger für eine Rollstuhlschaukel stark. Aktuell würden bei der Stadt all die Stellen im Stadtgebiet gemeldet, die nicht barrierefrei sind. Warum also sei Barrierefreiheit nicht auf Spielplätzen möglich? „Warum kann man Rollstuhlfahrern nicht die Möglichkeit geben, zu schaukeln, warum keinen Weg zum Sandkasten pflastern?“ Wenigstens ein Spielgerät, wünscht er sich, sollte für Kinder mit Behinderung vorhanden sein.

Spielgeräte für alle Kinder: Egal ob mit oder ohne Behinderung

Dass Inklusion auf Spielplätzen „ein vielschichtiges und schwieriges Thema“ ist, räumt auch Ines Hagmann ein, die als Abteilungsleiterin Stadtgrün für die Spielplätze in der Stadt zuständig ist. Inklusion bedeutet aus ihrer Sicht allerdings weit mehr, als einen Rollstuhlfahrer oder eine Rollstuhlfahrerin zu berücksichtigen. Bei einer deutschlandweiten Fachtagung zum Thema Spiel, Sport und Bewegung, an der sie im April teilgenommen habe, sei in einem Vortrag auch das Thema Inklusion angesprochen worden. „Die herrschende Fachansicht ist, dass man nicht explizit Geräte oder ganze Spielplätze nur für eingeschränkte Personen baut“, sagt Ines Hagmann. Vielmehr gehe es darum, Geräte zu finden und zu bauen, die alle Menschen gemeinsam nutzen könnten. Eine Rollstuhlschaukel könne zum Beispiel lediglich von Personen mit Rollstuhl genutzt werden. Dabei gebe es einige Ansätze von Experten, welche Geräte verwendet werden könnten und wie man das Thema auch in der Fläche umsetzen könnte.

Die Stadt ist an dem Thema dran

Eins sagt Ines Hagmann aber auch: „Manche Dinge schließen sich leider von vorneherein aus.“ Als Beispiel nennt sie die Fallschutzvorschriften bei Klettertürmen. „Die DIN erfordert hier einen Fallschutz wie Sand oder Rollkies. Durch diesen ist aber für Rollstuhlfahrer das Gerät nicht erreichbar“, sagt sie. Als Material seien auch schon Hackschnitzel vorgeschlagen worden. Wenn die aber fest genug seien, um befahrbar zu sein, erfüllten sie nicht mehr die nötigen Fallschutzeigenschaften. Bei der Stadt, betont sie, sei man aber an diesem Thema dran und werde es nach und nach aufgreifen. Dabei zählt Schorndorf auch auf die Erfahrungen anderer Kommunen und den Austausch untereinander. Von der Idee, dass alle Geräte und Spielplätze von allen Personen genutzt werden könnten, müsse man sich aber verabschieden, sagt Ines Hagmann. Und: „Das Thema wird viele Jahre in Anspruch nehmen, auch deshalb, weil es sehr dynamisch ist und Erfahrungen nach und nach zusammengetragen werden.“

Beim Spielplatz im Schlosspark verweist sie auf dessen Schöpfer, die renommierte Spielplatzfirma Kukuk aus Stuttgart. Durch seine sich steigernden Schwierigkeitsgrade spreche er insbesondere auch ältere Kinder an und ermögliche es ihnen, mit den Herausforderungen zu wachsen. Es sei aber sicher richtig, dass das Thema Inklusion bei der damaligen Planung und Umsetzung nicht ausreichend berücksichtigt wurde“, räumt sie ein. „Aus heutiger Sicht wäre dies anders.“ Das Wasserspiel im Belag ermögliche es den Kindern aber, miteinander in Aktion zu treten, sagt sie. Und betont, dass Kukuk im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten in Fläche, Budget und Vorschriften die Anforderungen an das Gelände im Zuge der damaligen Gartenschauplanungen sehr gut umgesetzt habe.

„Kindgerecht und für verschiedene Altersgruppen sehr gut geeignet“ findet ihn zum Beispiel auch Helga Letzguß. „Meine Kinder kommen gern her“, sagt sie bei einer kleinen Spielplatzumfrage. Verena Ihringer gefällt er besonders gut, weil er schattige Plätze hat, ihre Kinder klettern und sich verstecken könnten. Bei den Wasserspielen könnten sie planschen und sich austoben. Und Gefahren, sagt sie, seien immer vorhanden.

Im Zuge der Gartenschau war er angelegt worden, von vielen Familien wird er besonders wegen seiner Wasserspiele geschätzt. Doch von Anfang an war der Spielplatz im Schlosspark auch bemängelt worden.  Und auch aktuell steht er wieder in der Kritik. „Wer nicht klettern kann, hat hier nicht wirklich viel Spaß“, schreibt eine Mutter auf Facebook. „Das ist leider nur was für das künstlerische Auge, aber nichts für Kinder, die spielen möchten“, schreibt eine andere. Vor allem kritisieren die

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