Schorndorf

Kindergarten-Neubau verzögert sich erneut

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Der Neubau verzögert sich. © Schneider / ZVW
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Auch von innen sieht das neue Gebäude noch lange nicht fertig aus. © Gaby Schneider

Schorndorf. Erneuter Rückschlag für den Neubau des katholischen Kindergartens St. Markus in der Mittleren Uferstraße: Das Familienzentrum kann nicht wie geplant Ende Juli eröffnet werden. Die Firma, die maßgeblich mit den Arbeiten für den Innenausbau und die Außendämmung beauftragt wurde, hat sich als unzuverlässig herausgestellt. Die daraus resultierenden Mängel und Verzögerungen haben sich auch auf den Baufortschritt bei anderen Gewerken ausgewirkt.

Dekan Manfred Unsin hat dieser Tage zunächst im Rahmen eines Elternabends die Eltern der St. Markus-Kindergartengartenkinder und dann auch die Stadt informiert. Der Dekan rechnet mit einer Verzögerung der Fertigstellung und des Einweihungstermins „bis in den Herbst hinein“ und geht deshalb auch davon aus, dass er selber nicht mehr in Amt und Würden sein wird, wenn das ihm doch sehr am Herzen liegende Bauwerk so weit fertig ist, dass es seiner Bestimmung übergeben werden kann. Denn wie hat Manfred Unsin schon anlässlich seines 70. Geburtstags vor zwei Jahren gesagt: Er wolle es nicht (mehr) von der Fertigstellung dieses Projekts abhängig machen, wann er in Ruhestand geht. Und im Übrigen: „Wenn die Menschen nach einem Gottesdienst oder einem Vortrag sagen, das hat mir etwas gegeben, dann ist das wichtiger als jedes Bauwerk.“

Erzieherinnen und kirchliche Gruppen leiden unter der Verzögerung

Gleichwohl hat es ihm natürlich Leid getan, den Eltern und der Stadt die Nachricht überbringen zu müssen, dass der Neubau durch Umstände, die nicht in der Verantwortung der Kirchengemeinde liegen, nicht zum eigentlich vorgesehenen Termin fertig wird. Wobei er von der Reaktion der Eltern, wie er auf Nachfrage sagt, insofern angenehm überrascht war, als niemand groß gemotzt hat, sondern alle die Nachricht relativ gelassen aufgenommen haben. Was ihm, Unsin, zeige, dass die Eltern das Provisorium im St. Markus-Gemeindezentrum offensichtlich angenommen hätten und weniger darunter litten als die Erzieherinnen und die kirchlichen Gruppierungen, die sich die Räumlichkeiten über einen doch sehr langen und jetzt noch längeren Zeitraum mit dem Kindergarten teilen und regelmäßig entsprechende Auf- und Umräumaktionen vornehmen müssten.

Zusagen gegenüber Eltern und neuem Personal werden eingehalten

Dass der fünfgruppige Kindergarten, der eigentlich in der Woche vom 6. bis 10. August bezogen werden sollte, bis zu diesem Termin nicht bezugsfertig ist, hat laut Manfred Unsin keine negativen Auswirkungen auf die Betreuungssituation. „Die Kinder werden weiterhin betreut und es muss niemand abgewiesen werden“, betont der Dekan und kündigt an, dass auch die für den neuen Kindergarten geplante Verlängerung der Öffnungszeiten pünktlich zum Beginn des neuen Kindergartenjahres umgesetzt werden soll – vorläufig halt im Provisorium. Und auch die bereits für die neue Einrichtung gewonnenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen ihren Dienst wie vorgesehen zum 1. September antreten. Auch die Kinder, denen fürs neue Kindergartenjahr bereits eine Aufnahme in den Kindergarten St. Markus zugesagt worden ist, werden wie vorgesehen aufgenommen. Weitere Aufnahmezusagen allerdings, so der Dekan, würden erst gemacht, wenn klar sei, wann der Neubau bezogen werden könne und wann zusätzliche Raum- und Gruppenkapazitäten bereitstünden.

Genaue Progonose für die Eröffnung nicht möglich

Eine genau Prognose, wann es so weit sein könnte, wagt Bauleiterin Cathrin Schaal vom Stuttgarter Büro Günter Hermann Architekten noch nicht. Von „Herbst, Spätherbst“ geht sie derzeit noch etwas vage aus, weil erst Ende nächster Woche ein Terminplan stehen werde, in den bis dahin auch alle nachfolgenden Gewerke beziehungsweise die mit ihnen betrauten Firmen eingetaktet werden müssten. Für die ursprünglich mit den Trockenbau- und Malerarbeiten im Inneren und den Wärmedämmungs- und Verbundarbeiten an der Außenfassade betrauten Firma, die über einen längeren, schon um den Jahreswechsel herum begonnenen Zeitraum so unregelmäßig und unzuverlässig gearbeitet hat, dass ihr nach mehreren Gesprächen und Mahnungen schließlich der Auftrag entzogen werden musste, wurden inzwischen zwei Nachfolgefirmen gefunden, die sich die Arbeiten innen und außen teilen. Darunter eine, die, wie Cathrin Schaal, sagt, sich auch schon an der öffentlichen Ausschreibung beteiligt, den Zuschlag seinerzeit aber nicht bekommen hatte, weil sie nicht die preisgünstigste Bieterin gewesen war. Sehr zum Bedauern der Bauleiterin: „Leider dürfen wir nicht immer die Firma nehmen, die wir gern hätten“, sagt sie. Was aber nicht heißt, dass die Firma, die den Zuschlag zunächst einmal bekommen und sich dann als nicht zuverlässig herausgestellt hatte – „Mal kam sie, mal wieder nicht, mal war jemand erreichbar, mal wieder nicht“, sagt die Bauleiterin – keine entsprechenden Referenzen hätte vorweisen können.

Neue leistungsfähige Firmen müssen gefunden werden

Davon abgesehen, dass erst einmal neue leistungsfähige Firmen gesucht und gefunden werden mussten, war eine nahtlose Fortsetzung der Arbeiten Cathrin Schaal zufolge auch deshalb nicht möglich, weil nach dem Entzug des Auftrags zunächst einmal im ganzen Haus eine detaillierte und zeitaufwändige Leistungs- und Zustandsfeststellung gemacht werden musste – nicht zuletzt im Interesse einer sauberen Kostenabwicklung mit und zwischen allen Beteiligten. Wobei die Bauleiterin zu den finanziellen Auswirkungen des gesamten Vorgangs noch nichts sagen kann. Eines allerdings gibt sie schon mal zu bedenken: „Die neuen Firmen machen’s nicht zwingend zum gleichen Preis wie die alte.“


Probleme

Probleme und Zeitverzögerungen sind für die Verantwortlichen und Beteiligten beim Kindergartenneubau St. Markus nichts Neues.

Da war zum einen die Finanzierung des 3,1-Millionen-Projekts, die in mehreren Runden geklärt werden musste – zum einen zwischen Stadt und Kirchengemeinde und zum anderen zwischen Kirchengemeinde und Diözese.

Und da war zum andern die Planung von Architekt Günter Hermann, die in einem schmerzhaften Prozess abgespeckt (von 4,4 Millionen Euro) und den finanziellen Möglichkeiten angepasst werden musste.