Schorndorf

Kiosk- und Kneipenbetreiber kritisieren Bon-Pflicht

Kioskbetreiberin über Bon-Pflicht
Bei Annette Mutters Kiosk „Kleiner Markt“ sammeln sich über den Tag haufenweise Kassenzettel, die ihre Kundinnen und Kunden nicht mitnehmen. © ZVW/Benjamin Büttner

Schorndorf.
Eine Packung Zigaretten, einen Kaffee oder Süßigkeiten, wie einzelne klein verpackte Kaugummis – das sind die Produkte, die bei Annette Mutters kleinem Kiosk „Kleiner Markt“ am Bahnhof hauptsächlich über den Tresen gehen. Für sie ein Ärgernis: Seit dem 1. Januar muss sie jedem Käufer und jeder Käuferin einen Beleg zur Verfügung stellen. Mitnehmen will den ausgedruckten Zettel kaum einer, deshalb hat die Kioskbetreiberin schon eine kleine Box neben ihrer Kasse aufgestellt. In kürzester Zeit haben sie und ihr Sohn Florian Mutter, der auch regelmäßig hinter der Kiosktheke steht, das Kästchen befüllt.

Theoretisch dürften Händler die Belege ihren Kunden auch elektronisch zur Verfügung stellen. Also beispielsweise per Mail an ihre Kunden schicken, doch praktiziert wird das bislang kaum.

Annette Mutter schätzt, dass rund 300 Kunden am Tag kommen, jedem von ihnen muss sie jetzt einen Kassenzettel mitgeben. „Ich halte nichts davon“, sagt sie. Die Kioskbetreiberin erzählt von Schülerinnen und Schülern, die für Beträge zwischen zehn und 50 Cent Süßigkeiten kaufen. Selbst ihnen müsse sie nun einen Beleg aus der Kasse lassen. Sie macht darauf aufmerksam, dass die Zettel nicht einmal in den normalen Papiermüll dürften, sondern extra in der schwarzen Tonne entsorgt werden müssen. Sie haben eine spezielle Beschichtung. Auch aus umweltpolitischer Sicht sei die Regelung deshalb fragwürdig.

Warum gibt es das Gesetz?

Doch warum wurde das Gesetz überhaupt erlassen? Das Finanzministerium argumentiert, es solle dafür sorgen, Steuerbetrug zu verhindern. Nachdem viele Einzelhändler und Politiker die Neuregelung kritisiert hatten, verteidigte Minister Olaf Scholz die Regelung. „Es geht um Umsatzsteuerbetrug in Milliardenhöhe“, erklärte er laut verschiedener Medienberichte. Manche Händler würden die Kassen manipulieren und die Umsätze nicht korrekt verbuchen. Mit dem neuen Gesetz solle das verhindert werden.

Florian Mutter vom Kiosk am Bahnhof meint, dass die Kasse, die bei ihnen genutzt werde, seines Wissens nach nicht manipuliert werden könne. Schließlich speichere sie auf einem Datenträger ohnehin jeden Vorgang. „Bei uns macht das einfach keinen Sinn“, ärgert er sich über das neue Gesetz.

"Ich verstehe nicht, warum es keinen Aufstand der Selbstständigen gibt"

Gegenüber dem kleinen Kiosk beim Zeitschriftenladen Press and Books regt sich auch Mitarbeiterin Sarah Melchert über das neue Gesetz auf: „Ich finde, das ist Papierverschwendung.“ Neben der Kasse hat sie eine große blaue Mülltüte an die Theke gehängt, dort sammelt sie die vielen Kassenzettel. „Die ist nach einem Tag voll“, erzählt die Mitarbeiterin.

Auch Susanne Leutz-Tsirtsidis und ihr Mann Athanasios Tsirtsidis vom Geschäft Papyrus am Marktplatz sind von dem neuen Gesetz genervt. Bei ihnen gehen vor allem viele Zeitschriften und Zigaretten über die Theke. „Ich verstehe nicht, warum es keinen Aufstand der Selbstständigen gibt“, sagt Athanasios Tsirtsidis. Er ist gegen das neue Gesetz und kann nicht nachvollziehen, welchen Mehrwert es haben soll. Kunden, die bisher einen Kassenzettel haben wollten, die hätten diesen immer schon bekommen. Aber Belege auszudrucken, die keiner haben will, hält er für sinnfrei.

Seine Frau ärgert sich vor allem über die zusätzlichen Kosten, die dadurch entstehen würden. Sie hätten wegen des neuen Gesetzes erst mal zusätzliche Kassenrollen bestellt. Wie viele sie in diesem Jahr braucht, kann sie aber noch nicht abschätzen.

Auch Cafés und Kneipen betroffen

Auch Dennis Wahl vom Café Oskars schließt sich der Kritik der Kioskbetreiber an. Außer ihnen seien auch die Betreiber kleiner Cafés und Kneipen betroffen. Er sei schon jetzt genervt davon, jeden einzelnen Kunden fragen zu müssen, ob er seinen Bon mitnehmen wolle. „Manche meiner Stammkunden haben mich nur ausgelacht“, erzählt er. Der junge Geschäftsführer hofft, dass für das Gesetz zusätzliche Ausnahmen geschaffen werden.

Nebenan beim Café Moser spricht Spiros Kapouranis über das Thema. Wenn jemand mehrere Getränke und ein Essen bestellt habe, dann sei es normal, einen Kassenzettel herauszugeben. Doch für jede kleine Cola oder für jedes kleine Bier einen Bon mit herauszugeben, hält er nicht für sinnvoll. „Das ist Zeit- und Papierverschwendung“, fasst Kapouranis zusammen.

Keine Umstellung für einige Einzelhändler

Für einige Einzelhändler in der Schorndorfer Innenstadt ist die neue Regelung aber keine Umstellung. Zu ihnen gehört Judit Fink, Chefin vom Blumengeschäft Fink in der Arnold-Galerie. Schon seit Jahren würden bei ihr alle einen Bon bekommen, das sei keine Neuerung. Auch für nur eine Rose habe sie einen Kassenzettel herausgegeben.

Ähnliches erzählen die Verkäuferinnen der Metzgerei Wolz. Auch bei ihnen komme schon seit Jahren bei jeder Bestellung ein Zettel aus der Kasse. Denn die Metzgerei arbeitet mit einem speziellen Strichcode-System.

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Eine Packung Zigaretten, einen Kaffee oder Süßigkeiten, wie einzelne klein verpackte Kaugummis – das sind die Produkte, die bei Annette Mutters kleinem Kiosk „Kleiner Markt“ am Bahnhof hauptsächlich über den Tresen gehen. Für sie ein Ärgernis: Seit dem 1. Januar muss sie jedem Käufer und jeder Käuferin einen Beleg zur Verfügung stellen. Mitnehmen will den ausgedruckten Zettel kaum einer, deshalb hat die Kioskbetreiberin schon eine

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