Schorndorf

Klimaschutz: Was die Fraktionen im Schorndorfer Gemeinderat wollen

klima1
Fotovoltaik auf dem Berufsschulzentrum Schorndorf. © Buettner

Das Ja zum Klimaschutz und der erklärte Wunsch, dass Schorndorf bis 2035 klimaneutral werden soll, hat sich im vergangenen Jahr durch fast alle Haushaltsreden gezogen. In den kommenden Jahren bleibt noch viel zu tun, das haben in diesem Sommer nicht zuletzt die Starkregenfälle und Unwetter eindrucksvoll klargemacht. „Vom Reden ins Handeln zu kommen“, forderte CDU-Sprecher Hermann Beutel in seiner Haushaltsrede und sprach damit wohl vielen seiner Kollegen im Gemeinderat aus der Seele. Lediglich AfD-Sprecher Lars Haise sah in dem Bemühen, bis 2035 klimaneutral werden zu wollen, erwartungsgemäß eine „geschürte Klimahysterie“.

Reichle: „Wer sagt, das können wir uns nicht leisten, hat nichts begriffen“

„Alles, was wir tun, muss unter der Überschrift stehen: Welche Auswirkungen haben unsere Entscheidungen für das Klima?“, forderte Sabine Reichle in ihrer Haushaltsrede für die SPD. Andernfalls brauche man sich keine Gedanken übers Geld, keine Gedanken übers Älterwerden, über Arbeitsplätze und Wohlstand zu machen. Schorndorf habe nicht DIE eine Lösung für die Klimakrise, räumte sie ein, aber Menschen vor Ort, die Teil der Lösung sein könnten. Die Stadtwerke und die Stadtbau müssten Vorbild sein. Die Sorge ums Klima – für Sabine Reichle ist dies die grundlegende Aufgabe einer Stadt. „Dafür werden wir Geld in die Hand nehmen müssen“, kündigte sie an. „Wer im Zusammenhang von Klimaschutz sagt: Das können wir uns nicht leisten, hat, mit Verlaub, nichts begriffen.“ Nicht die roten Zahlen seien für die Kinder und Enkelkinder einmal das Problem, sondern in einer lebensfeindlichen Welt leben zu müssen. PV-Anlagen auf den Dächern, Windkraft und eine neue Mobilität in der Stadt forderte sie ebenso wie ökologische Standards für alle Bauvorhaben, auch von privaten Bauträgern. Klimaschutz sei kein Thema für „Ökos“, betonte sie. Klimaschutz sei eine soziale Frage, eine Frage von Generationengerechtigkeit und von Gesundheitsschutz.

Nickel: Bitte kein Klein-Klein im Kampf um Parkplätze

Nicht zuletzt hat Klimaschutz Folgen bei der Stadtentwicklung. Klar ist für FDP/FW-Sprecher Gerhard Nickel, dass der Umbau der Stadt im Rahmen der Stadtentwicklung vor allem wegen des Klimawandels vorangetrieben werden muss. Ein ,Klein-Klein’ im Kampf um Parkplätze dürfe es nicht mehr geben, das sei ebenso wenig zielführend wie die brachiale Durchsetzung von Maximalmaßnahmen, ohne die Betroffenen mitzunehmen. Zudem solle die Entwicklung dringend nötiger Gewerbeflächen klimaneutral erfolgen: „Wir wünschen uns entsprechende Vorschläge für solche Bebauungspläne von der Bauverwaltung“, sagte Nickel.

Eine ganze Reihe von Forderungen formulierte GLS-Rätin Miriam Müller in ihrer Haushaltsrede: Radtrassen müssten endlich verwirklicht, der Fahrradturm müsse am Bahnhof gebaut werden. Zudem wünschte sie sich ein Elektro-Bähnchen, das in der Kernstadt und den Ortsteilen unterwegs sein soll, von den Firmen für Werbung genutzt werden kann und sich langfristig durch Tickets und Gebühren selber finanzieren soll. Und ganz konkret forderte sie, bei jedem Fahrplanwechsel Busfahrpläne in allen Haushalten zu verteilen. „Viele wissen gar nicht, dass der Bus durchaus eine Alternative ist und regelmäßig fährt“, sagte Miriam Müller. Der Nahverkehr müsse deshalb von der Verwaltung offensiver beworben und gefördert werden.

Das Thema des Jahrzehnts

Auch für Andrea Sieber ist die Klimaneutralität bis 2035 „das Zukunftsthema dieses Jahrzehnts“. Andreas Schneider forderte eine „Erhaltungsstrategie“ für die wichtigen städtischen Gebäude und Anlagen in der Stadt. Die systematische Pflege dessen, was Schorndorf habe, sei ein enormer Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz.

Durch Klimaschutz Geld sparen

Vorschläge zum Klimaschutz forderte CDU-Fraktionssprecher Hermann Beutel von der neu geschaffenen Stabsstelle Klimaschutz und Mobilität. Wobei eine Botschaft lauten müsse, dass Klimaschutz Geld spare, sagte Beutel und verwies dabei auf PV-Anlagen und Häuserdämmungen. „Es muss nicht immer das große Dämmpaket sein, welches sich zudem nur schwer rechnet und das sich bei weitem nicht alle leisten können“, sagte er. Die Stadt könnte auch einen kleinen Zuschuss bezahlen, wenn neue Fenster die alten aus den 60er Jahren ersetzen oder das alte Dach von innen in Eigenleistung isoliert werde. „Beide Maßnahmen sparen effektiv CO2 und amortisieren sich“, betonte er. Schorndorf müsse effizienten und effektiven Klimaschutz betreiben und dürfe sich nicht in Projekten verlieren, die teuer sind und wenig bringen. Schon jetzt geht der CDU-Chef allerdings davon aus, dass das Ziel, klimaneutral zu werden, bis 2035 nicht erreicht werden wird. „Trotz aller Bemühungen werden wir mehr Zeit benötigen“, glaubt er. Diese Zeit könne aber durch Kompensation, also durch die Unterstützung der ärmeren Staaten bei der Reduktion von CO2-Emmissionen gewonnen werden. Als Beispiel nannte er Aufforstungsmaßnahmen in afrikanischen Mangrovenwäldern, die dort Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven schaffen könnten. Dies als Greenwashing zu bezeichnen, wie es manche tun, zeuge von Ahnungslosigkeit, sagte Beutel und wünschte sich, dass Schorndorf beim Klimaschutz rasch vorankommen solle: mit effizienten Maßnahmen und echten CO2-Einsparungen.

Das Ja zum Klimaschutz und der erklärte Wunsch, dass Schorndorf bis 2035 klimaneutral werden soll, hat sich im vergangenen Jahr durch fast alle Haushaltsreden gezogen. In den kommenden Jahren bleibt noch viel zu tun, das haben in diesem Sommer nicht zuletzt die Starkregenfälle und Unwetter eindrucksvoll klargemacht. „Vom Reden ins Handeln zu kommen“, forderte CDU-Sprecher Hermann Beutel in seiner Haushaltsrede und sprach damit wohl vielen seiner Kollegen im Gemeinderat aus der Seele.

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper