Schorndorf

Kommentar: Die Grünen auf dem Ego-Trip

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Unser Redakteur Hans Pöschko kommentiert die Aufspaltung der Grünen-Fraktion in zwei Listen. © Laura Edenberger

Es kommentiert: Redakteur Hans Pöschko

Mit der Aufspaltung auf zwei Listen verspielt die Fraktion einen Großteil ihres kommunalpolitischen Kapitals.

Vergessen Sie alles, was Sie bisher über die Herkunft der Redewendung „sich nicht grün sein“ gedacht oder zu wissen geglaubt haben, denn diese Redensart geht eindeutig auf die Schorndorfer Grünen zurück. Wenn es dafür nach den etwa sechs Jahre zurückliegenden innerfraktionellen Auseinandersetzungen zwischen Werner Neher und der heutigen Landtagsabgeordneten Petra Häffner (die dann 2014 zu ihrem Verzicht auf eine weitere Kandidatur geführt haben) und nach den Querelen um die Wahl des Ortsvereinssprechers (als Andreas Schneider Silvia Rose Sommer abgelöst hat) und der Fraktionsvorsitzenden (als Werner Neher für Petra Sieber Platz machen musste beziehungsweise keine Doppelspitze mit ihr bilden wollte) noch eines weiteren und endgültigen Beweises bedurft hätte, dann liegt er jetzt vor. Zwei sich grün nennende Listen bei der nächsten Kommunalwahl: Da müssen die Gräben zwischen den handelnden Figuren ganz schön tief, da muss in den letzten Jahren ganz schön viel an Vertrauen und gegenseitigem Respekt verlorengegangen sein.

Geht es um persönliche Befindlichkeiten und Eitelkeiten?

Oder geht’s, und das ist zu vermuten, ganz einfach nur um persönliche Befindlichkeiten und Eitelkeiten. Sicher, Andreas Schneider ist kein bequemer Mensch und mit seinen mitunter sehr speziellen Ansichten und Aussagen auch als Fraktionskollege wohl nicht immer leicht auszuhalten. Genauso, nur auf andere Art, ist aber auch Werner Neher kein einfacher Mensch – und ein sehr machtbewusster dazu. Was er wiederum mit Andrea Sieber gemein hat, die ungeachtet ihrer nach außen hin so sanften und verbindlichen Art sehr genau weiß, was sie will, und das dann auch durchzieht.

Die Demarkationslinie in der Fraktion

Womit die Demarkationslinie in der Fraktion auch schon beschrieben wäre: Hier Sieber und Schneider, da Neher und sein treuer Gefolgsmann Wilhelm Pesch, und irgendwo dazwischen der erst kürzlich nachgerückte Ulrich Kost und Nadia Pagano, die sich dem ganzen Streit und dem Dilemma, Siebers Co-Vorsitzende zu sein und mit Neher geschäftliche Kontakte zu pflegen, möglicherweise dadurch entzieht, dass sie nicht wieder für den Gemeinderat kandidiert. So sehr aber Werner Neher nicht zum ersten Mal versucht, namentlich nicht genannte Andere für Probleme innerhalb der Fraktion verantwortlich zu machen, so sehr muss er sich selber fragen lassen, ob es nicht an der Zeit wäre, sich auch einmal gründlich selbst zu hinterfragen und eigene (politische) Fehler und Schwächen einzugestehen.

Grüne waren kompromissfähig

Die Grünen im Gemeinderat haben sich über viele Jahre hinweg zu einer durchaus stabilen und anerkannten Größe in der Schorndorfer Kommunalpolitik entwickelt – weil sie einerseits Diskussionen durch abweichende Meinungen bereichert und belebt und andererseits nie den Streit nur um des Streites willen gesucht haben, sondern auch immer wieder kompromissfähig waren. Was nicht zuletzt auch ein Verdienst des langjährigen Fahrensmanns Werner Neher ist. Dieses Kapital sind die Grünen jetzt dabei, zu verspielen. Und Werner Neher läuft Gefahr, mit der Spaltung der bislang zumindest formal geschlossenen Grünen-Fraktion im Gemeinderat sein politisches Lebenswerk wenn schon nicht zu zerstören, so doch zu ramponieren. Er hätte am Ende dieser Legislaturperiode ja auch einfach Größe zeigen und sagen können: „Das war’s“ und „Es reicht.“ Aber das können andere ja auch nicht.

Schwierige Entscheidung für den grünen Ortsverband

So aber kommt auf den grünen Ortsverband mit – pikanterweise – Andreas Schneider an der Spitze jetzt die schwierige Entscheidung zu, entweder den Doppelwahlkampf zweier grüner Listen zu moderieren und zu organisieren oder aber allein schon durch ein Veto gegen einen Listennamen, in dem ebenfalls „Grün“ als Parteiassoziation auftaucht, deutlich zu machen, dass es im Gemeinderat auch künftig nur eine grüne Fraktion geben kann. Wenn es unter diesen Umständen überhaupt zur Fraktionsstärke reicht. Denn dass die beiden Listen im Wahlkampf getrennt marschieren und sich dann im Gemeinderat wieder verbünden, scheint derzeit nur schwer vorstellbar, weil die handelnden Personen mehr oder weniger dieselben bleiben dürften. Aber: Bei den Grünen weiß man ja nie. Vielleicht sind sie sich ja auch mal wieder grün.