Schorndorf

Konzertbericht "King Gizzard & the Lizard Wizard"

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King Gizzard and the Lizard Wizard spielten am Mittwoch, 22. August, 20.30 Uhr, im Club Manufaktur im Hammerschlag. © Christine Tantschinez

Schorndorf. Die australische Band King Gizzard & the Lizard Wizard verwandelte am Mittwochabend die Manufaktur in einen Kochtopf. Mit ihrem Mix aus Psychedelic, Progressive und Experimental Rock stellen sie einmal mehr unter Beweis, dass sie zum Besten gehören, was zurzeit auf den Bühnen dieser Welt zu finden ist.

Fünf Alben hat das Septett im vergangenen Jahr veröffentlicht. Doch wer ob dieser schieren Masse an Output Einheitsbrei erwartet, wird bitter enttäuscht. Das Gegenteil ist der Fall: Innovativer wird es in den Genres, in denen sich die Musiker um Frontmann Stu Mackenzie bewegen, nur selten. Sie experimentieren beispielsweise mit mikrotonaler Musik und Jazz oder setzen ein episches wie auch witzig-abstruses Konzept vom Ende des Universums in einen dichten und düsteren musikalischen Dreiakter um.

Der Saal kocht

Am Mittwoch besuchen die Recken aus Down Under das beschauliche Schorndorf. Das Konzert ist schon lange ausverkauft, wer an der Abendkasse sein Glück versucht, hat Pech gehabt. Diejenigen, die den Veranstaltungssaal der Manufaktur betreten dürfen, finden sich in einem wahren Kochtopf wieder.

Es ist heiß und stickig und King Gizzard & the Lizard Wizard sorgen dafür, dass es jede Minute ein gefühltes Grad wärmer wird. Die Musik ist treibend, schnell und groovy. Es gibt kaum Pausen zwischen den einzelnen Songs, auch keine Ansagen oder Zugaben, vielmehr hat man das Gefühl, der Manifestation eines Gesamtkunstwerks beizuwohnen.

Die Video-Show ergänzt die Musik perfekt – mal wabern psychedelische Farbflächen auf der Leinwand herum, mal zucken verzerrte Fetzen herum, als hätte ein Dämon von einem Videorekorder Besitz ergriffen. Vom ersten Ton an findet man sich in einem unaufhörlichen Sog wieder. Weiter, schneller, höher, tiefer – bevor das Universum zerstört wird, soll es erst noch durchquert werden.

Die Seele verkauft

Trotz der Tempowechsel und der teilweise kniffligen Rhythmen ist alles so flüssig, groovy und aus einem Guss, dass sich einem irgendwann die Frage aufdrängt, ob da nicht jemand seine Seele nach bester Robert-Johnson-Manier an den Teufel verkauft hat. Die beiden Drummer, die sich gegenüber sitzen, laufen wie ein Uhrwerk, der Bass marschiert, die drei Gitarristen ergänzen sich in ihrem Spiel und stürzen sich abwechselnd oder gemeinsam in tiefe Riff-Schluchten. Mackenzies Stimme surft auf den Gitarrenläufen auf und ab, zusätzlich wirft er seinen Körper in die kurvigen Melodien.

Irgendwo dazwischen platziert Ambrose Kenny-Smith seine Orgel und Mundharmonika. Die Band funktioniert wie eine Maschine, die erst dann aufhört zu laufen, wenn der Tank leer ist, die aber augenscheinlich eine Leitung gelegt bekommen hat. Die Menge wogt, tanzt, schwitzt. Intensiver, abgefahrener und besser als bei King Gizzard & the Lizard Wizard kann es wahrlich kaum werden.

 

INFO: Weitere Termine in der Manu:

- Protomartyr spielen am heutigen Freitag in der Manufaktur. Düsterer Post-Punk aus Detroit, den Sänger Joe Casey mit teils kryptischen, teils kritischen Texten unterfüttert. Beginn ist um 20:30 Uhr. Es gibt noch Karten.

- Der Musiker Ariel Pink kommt am 29. August vorbei. Der Avantgarde-Künstler hat ein neues Album im Gepäck, das Singer/Songwriter Bobby Jameson gewidmet ist.