Schorndorf

Kopfnuss bei Oldie-Night: Familienvater verurteilt

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Symbolbild. © Ramona Adolf

Schorndorf. Weil er einem 54-jährigen Sportfunktionär am Rande der Oldie-Night in schwer alkoholisiertem Zustand eine Kopfnuss verpasst hat, an deren Folgen der Geschädigte auch Monate später noch leidet, ist ein 34-jähriger Familienvater zu einer zur Bewährung ausgesetzten sechsmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Als Bewährungsauflage muss er dem 54-Jährigen 2000 Euro Schmerzensgeld zahlen – in Raten zu je 200 Euro.

Es war gegen 2 Uhr in der Nacht zum 1. November 2016, als der 54-Jährige von der Terrasse eines Sportheims aus beobachtet hat, wie ein Besucher der Oldie-Night, der sich auf den Heimweg machen wollte, von einem ganz offensichtlich betrunkenen Mann, der hinter einem Gebüsch hervorgekommen war, angepöbelt und mit lauten Schimpfworten bedacht wurde. Er habe den Eindruck gehabt, das könne „brenzlig“ werden, erklärte der maßgeblich für den geregelten Ablauf der Oldie-Night verantwortliche Sportfunktionär vor Gericht, warum er hinunter und aus dem Gebäude hinausgegangen ist und den Störer vor dem Vereinsheim zur Rede gestellt hat. Kaum, dass er „Was soll das?“ gesagt habe, habe ihm der andere, der vorher auch schon durch einen kleinen Zwischenfall an der Bar aufgefallen sei, „aus heiterem Himmel“ eine Kopfnuss verpasst und dann, nachdem der stark blutende, weil an der Oberlippe verletzte 54-Jährige am Boden gelegen sei, mit Händen und Füßen auf ihn eingeschlagen und eingetreten habe.

Die Oberlippe war „durch“

Mit Mühe, so schilderte es der Geschädigte, habe er sich am Geländer entlang zurück zum Eingang des Vereinsheims geschleppt, der fatalerweise verschlossen war, weil der ebenfalls als Zeuge geladene Oldie-Night-Besucher, der zuvor beleidigt und beschimpft worden und auf anderem Wege zum Vereinsheim zurückgekehrt war, hinter sich abgeschlossen hatte. Wenig später waren dann aber doch Polizei und Notarzt vor Ort, und Letzterer stellte, so der 54-Jährige, fest, dass – von verschiedenen Hämatomen und einer vorübergehenden Hochtonschwerhörigkeit einmal abgesehen – die Oberlippe komplett „durch“ war, was zur Folge hatte, dass sie im Krankenhaus doppelseitig genäht werden musste. Ausgeheilt aber ist diese Verletzung noch lange nicht. Es sei nicht auszuschließen, dass die Lippe noch einmal operiert werden müsse, sagte der Vereinsfunktionär, der den damaligen Alkoholisierungsgrad des Angeklagten auf Nachfrage von Richterin Petra Freier auf einer Skala von 1 bis 10 zwischen 6 und 7 einordnete. „Er war sehr alkoholisiert und sehr aggressiv“, beschrieb der zweite Zeuge die damalige Verfassung des 34-Jährigen, der seinerzeit einen freiwilligen Alkoholtest abgelehnt hatte und erst einmal zwei Stunden lang in Polizeigewahrsam genommen worden war.

Angeklagter hat sich fest vorgenommen seinen Alkoholkonsum zu drosseln

Zum Anklagevorwurf selber wollte sich der Angeklagte vor Gericht nicht äußern. Das änderte sich, nachdem ein ebenfalls als Zeuge geladener Bekannter zu den Geschehnissen in jener Nacht nur beitragen konnte, dass er vom Angeklagten selber einmal gehört habe, er sei damals von vier Leuten angegriffen worden. Was ganz offensichtlich auch der Verteidiger des 34-Jährigen für wenig glaubhaft hielt, denn nach einer kurzen Unterredung mit seinem Mandanten gab er zu Protokoll, dass der in jener Nacht stark alkoholisierte 34-Jährige „durch den Frischluftschock“ zwar keine Erinnerung mehr an die Geschehnisse habe, die nach den glaubhaften Aussagen der Zeugen aber nicht zu bestreitende Tat gleichwohl einräume und sich dafür entschuldige. Und er habe sich fest vorgenommen, seinen Alkoholkonsum, der je nach Stimmung variiere, in Zukunft zu drosseln. Der Verteidiger wiegelte allerdings ab, als Petra Freier anregte, der Angeklagte solle, wenn solche alkoholbedingten Ausraster öfters vorkämen, sich doch überlegen, ob nicht ein paar Beratungsstunden bei der Diakonie angesagt wären.

Sechs Monate auf Bewährung plus Geldauflagen

Für den Vertreter der Staatsanwaltschaft war nach der Beweisaufnahme klar, dass sich der bislang nicht vorbestrafte Angeklagte der gefährlichen Körperverletzung strafbar gemacht hat. Nicht zuletzt wegen der Schwere der Verletzungen forderte der Anklagevertreter eine zur Bewährung ausgesetzte achtmonatige Freiheitsstrafe, von der – auch weil der 34-Jährige in stabilen familiären Verhältnissen lebe – erwartet werden könne, dass er sich diese Strafe zur Warnung dienen lasse. Bezüglich der zusätzlich geforderten Geldauflage schlug der Verteidiger vor, die in diesem Falle nicht einer sozialen Einrichtung, sondern direkt dem Geschädigten zukommen zu lassen – als Angebot zur Befriedung und im Vorgriff auf mögliche noch folgende zivilrechtliche Schmerzensgeldforderungen. Ansonsten halte er angesichts der starken Alkoholisierung seines Mandanten eine sechsmonatige Bewährungsstrafe für ausreichend, meinte der Verteidiger. Dieser Einschätzung schloss sich Richterin Petra Freier an, und sie würdigte in ihrer Urteilsbegründung den 54-jährigen Vereinsfunktionär ausdrücklich als „sehr angenehmen“ Zeugen. Weil er das, was passiert sei, klar und nachvollziehbar, aber ohne jeglichen Belastungseifer geschildert habe.