Schorndorf

Krämermarkt Schorndorf trotz Alarmstufe: Besucher verhalten sich diszipliniert

Krämermarkt
73 Standplätze wurden vergeben. Laut Marktbeschicker war das Kaufverhalten auf dem Krämermarkt eher zurückhaltend. © Gabriel Habermann

„Muss das in diesen Zeiten sein?!“, fragt sich Regina Kring aus Plüderhausen. Die 46-Jährige hat einen Arzttermin am Mittwochmorgen in Schorndorf und blickt kopfschüttelnd über den Marktplatz. Noch ist nicht viel los: „Ich verstehe diese ganzen Debatten nicht, ob man einen Krämermarkt, Advents- oder Weihnachtsmarkt veranstalten soll oder nicht. Angesichts dieser erschreckenden Zahlen gehören solche Veranstaltungen bundesweit einheitlich abgesagt.“ Anders sieht das Ricardo Descenaro: „Ich gehe mit meiner Frau über den Krämermarkt, weil es einfach mal eine Abwechslung in dieser tristen Zeit ist. Wir tragen Masken, halten Abstand – mit Regeln und Maßnahmen ist das machbar.“ Wie überall gibt es auch auf dem Krämermarkt verschiedene Sichtweisen, ob man Märkte in dieser Art und Weise und in dieser Zeit mit stetig steigenden Inzidenzen abhalten muss.

Kommunaler Ordnungsdienst den ganzen Tag präsent

Die Corona-Verordnungslage ist komplex, seit Mittwoch gilt die Alarmstufe in Baden-Württemberg. Schon Anfang der Woche stellte man sich die Frage: Was ist, wenn die pandemische Alarmstufe kommt – kann dann der Krämermarkt stattfinden? Die klare Antwort lieferte Lars Scheel, Betriebsleiter des Eigenbetriebs Tourismus und Stadtmarketing: Der Markt könne stattfinden, auch wenn die Alarmstufe in Kraft tritt (wir berichteten). Die Regeln ließen das zu, erklärte er, weil das Angebot dort ausschließlich der Grundversorgung, dem „Warenverkauf an Endverbraucher“ diene, so die Formulierung in der Verordnung – und weil sich der Markt im Freien abspiele. Deswegen ist er nicht tangiert von 3G- oder 2G-Vorschriften, die bei Warn- und Alarmstufe greifen. Bedenken wegen möglicher Infektionen hatte die Stadtverwaltung im Vorfeld nicht.

Deutlich mehr Menschen mit Maske als ohne unterwegs

Dass die Regeln am Mittwoch auf dem Krämermarkt eingehalten werden, darauf hat der kommunale Ordnungsdienst ein Auge: „Wir kontrollieren im Rahmen der Streifentätigkeit die Einhaltung der Vorgaben der Corona-Verordnung. Ansonsten ist der Streifendienst vor Ort vergleichbar zu Wochenmarkttagen, um einen regulären Marktbetrieb zu gewährleisten“, erklärt Daniel Sofka, der Sachgebietsleiter für Ordnungsangelegenheiten.

Jeder, unabhängig von seinem Impf- oder Genesenenstatus, konnte also den Krämermarkt besuchen. Wichtig: Der Sicherheitsabstand von 1,5 Metern musste eingehalten werden und, wo das nicht ging, musste Maske getragen werden. In Höhe der Stadtkirche, dann vom Marktplatz in Richtung Johann-Philipp-Palm-Straße – am Vormittag sind nur vereinzelt Menschen unterwegs. Es ist vermutlich auch dem tristen, nasskalten Wetter anzurechnen, dass sich keine Menschentrauben ansammeln. Gegen Mittag bewegen sich schon einige Passanten mehr in der Innenstadt, aber auch hier ist kein Gedränge zu entdecken. Auffällig: Obwohl eine Mund-Nasen-Maske nur dann getragen werden muss, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, sind deutlich mehr Menschen mit Maske in der Fußgängerzone unterwegs als ohne. „Es gibt mir ein sicheres Gefühl und das Masketragen hat sich so oder so in meinen Alltag integriert“, sagt eine junge Frau, die sich gerade eine Nascherei am Süßigkeitenstand besorgt hat.

Bummeln statt kaufen

Die Stimmung sei spürbar etwas gedrückt, so die Beobachtung eines Marktbeschickers. Das Kaufverhalten der Kunden: eher zurückhaltend, so der Tenor. „Die Leute bummeln eher über den Krämermarkt.“ Dennoch: Rund 73 Standplätze waren auf dem Krämermarkt belegt. Eine stattliche Zahl, wie auch der Betriebsleiter des Eigenbetriebs Tourismus und Stadtmarketing, Lars Scheel, findet: „Wir hatten trotz der Corona-Lage viele Anfragen.“ Wie in den vergangenen Corona-Monaten so oft war es ein Abwägen – zwischen gesundheitlichen Risiken für alle und wirtschaftlicher Existenzsicherung für die Beschicker.

Socken, Hemdchen, Gardinen, Holzarbeiten, Hausarbeitsutensilien, Hosen, Handschuhe, Taschen und Mützen sind unter anderem genauso zu haben wie Zuckerwatte, Magenbrot und gebrannte Mandeln. Zwischen Ständen mit Taschen und Mützen steht Robert Reuter aus Großostheim. Seit gut 40 Jahren ist er unter anderem mit seinen Muffs, Schals, Lammfelldecken und -kissen, mit Filzeinlegesohlen und waschbaren Medizinfellen immer in Schorndorf dabei, wenn Krämermarkt ist. Er komme gern in die Daimlerstadt. Generell lief es mit den Märkten in diesem Jahr gut, aber Reuter gibt zu – im Gegensatz zu Markt-Kollegen, die „nur“ Standbetreiber sind: „Ich habe zum Glück durch meine Firma Alternativen, um durch diese Corona-Krise zu kommen. Wir fertigen ja alles in eigener Herstellung, machen Maßteile und Sonderanfertigungen. Wir beliefern beispielsweise Hofläden.“ Wie andere Marktbeschicker auch zittert Robert Reuter um die Weihnachtsmärkte: „Diese Märkte sind die Grundlage fürs nächste Jahr: Damit man alles wieder auf Vordermann bringen kann, muss man eine finanzielle Basis haben.“

„Wir haben in Deutschland ein großes Problem.“

Würden in diesem Jahr wieder in der Region die Weihnachtsmärkte aufgrund der Corona-Situation abgesagt werden, so würden mindestens 30 Prozent der Markthändler in die Knie gezwungen und würden vor dem Existenz-Aus stehen, so die Einschätzung von Robert Reuter. Wie er persönlich dazu steht, dass Märkte erst angekündigt und dann wieder abgesagt werden? „Ganz ehrlich? Wir haben in Deutschland ein großes Problem: Jeder Bauer kocht sein eigenes Süppchen. In der einen Stadt finden große Weihnachtsmärkte statt, in kleineren Dörfern werden sie abgesagt. Wir brauchen dringend bundesweit einheitliche Regelungen! Sonst kann das alles nichts werden.“

Gut frequentiert

Dass die Stände abstandsgerecht aufgestellt wurden, dafür hat die Stadt gesorgt und dies auch kontrolliert. Daniel Sofka: „Auffälligkeiten gab es keine. Die Besucher haben sich extrem diszipliniert verhalten. Unser Streifendienst hat manchmal nur die Besucher darauf hinweisen müssen, die Maske auch über die Nase zu ziehen.“

Lars Scheel fügt hinzu: „Die Beschicker haben sich riesig gefreut, dass wir den Krämermarkt durchgeführt haben, und mein Eindruck war, dass er auch sehr gut frequentiert war.“ Mit diesen Regeln, unter freiem Himmel und mit den entsprechenden Corona-Verhaltensmaßnahmen könnten solche Märkte – auch ein Weihnachtsmarkt – ohne Bedenken durchgeführt werden.

„Muss das in diesen Zeiten sein?!“, fragt sich Regina Kring aus Plüderhausen. Die 46-Jährige hat einen Arzttermin am Mittwochmorgen in Schorndorf und blickt kopfschüttelnd über den Marktplatz. Noch ist nicht viel los: „Ich verstehe diese ganzen Debatten nicht, ob man einen Krämermarkt, Advents- oder Weihnachtsmarkt veranstalten soll oder nicht. Angesichts dieser erschreckenden Zahlen gehören solche Veranstaltungen bundesweit einheitlich abgesagt.“ Anders sieht das Ricardo Descenaro: „Ich

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