Schorndorf

Kritik am Schorndorfer Gemeinderat: Klimaschützer wollen aufs Tempo drücken

Klimaentscheid
Von links Dörte Schnitzer, Mechthild Dierlamm-Harth, Kathrin Hübner und Wilhelm Pesch. © Büttner

In zwei Anläufen hat es der Gemeinderat bisher nicht geschafft, den Klimabeirat zu besetzen. Einer der Diskussionspunkte war dabei die Frage, ob die Gruppe Klimaentscheid, die das Thema Klimaschutz seit Jahren voranbringt, in diesem Beirat vertreten sein soll. Das ärgert die Gruppe – genervt zeigen sich die Mitglieder aber auch davon, dass Teile des Gemeinderats inzwischen grundsätzlich daran zweifeln, ob das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 überhaupt zu schaffen ist. „Uns stört die Verzagtheit von Teilen des Gemeinderats“, sagt Mechthild Dierlamm-Harth, für die die Situation angesichts der fortschreitenden Klimaerwärmung rasches Handeln zwingend notwendig macht. Das hätten noch nicht alle verstanden. „Die Klimaerwärmung ist nicht in allen Köpfen angekommen“, ist sie überzeugt.

Genau deshalb sollten aus Sicht der Klimaentscheid-Gruppe auch möglichst viele Bürger in diesem Beirat sitzen. Es habe sie schockiert, sagt Mechthild Dierlamm-Harth, dass für Teile des Gemeinderats auch noch zwei Bürger zu viel sein sollten. Wie berichtet, soll der Beirat auf Antrag der Verwaltung aus Vertretern der Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft, Bürgern, Verbänden und Vereinen bestehen und die Aktivitäten der Stadt im Bereich Klimaschutz begleiten. Beispiele aus Kommunen, die einen Klimabeirat einberufen haben, hätten gezeigt, dass der Beirat dabei helfe, den Klimaschutzprozess langfristig in der Gesellschaft zu verankern, so Diana Gallego, Leiterin der Stabsstelle Klimaschutz und Mobilität schon vor einem Monat im Technischen Ausschuss. Die CDU hatte dagegen beantragt, dass der Beirat ausschließlich mit Experten besetzt sein soll.

Windenergie in Schorndorf endlich voranbringen

Während der Gemeinderat noch ebenso vehement wie ergebnislos über die Besetzung diskutiert, unken andere schon, dass das Gremium ein zahnloser Tiger werden könnte - immerhin tagt der Beirat gerade mal zweimal im Jahr und hat keinerlei Entscheidungsbefugnis. Wilhelm Pesch von den Klimaentscheidern sieht das anders. „Der Klimabeirat muss Forderungen stellen“, sagt er. Forderungen wie zum Beispiel nach Windenergie auf Schorndorfer Gemarkung. "Die Vorranggebiete um Schorndorf liegen brach“, sagt Pesch. „Da kann man jetzt arbeiten. Da muss auch in Schorndorf was ankommen.“ Und Mechthild Dierlamm-Harth: „Wir erwarten, dass in Oberberken was klappt.“ Und auch in Sachen Solarenergie würde die Gruppe jetzt gern aufs Tempo drücken. Immerhin hätten sie schon lange geeignete Dächer von Schulen und Firmen definiert, aber: „Es geht zu wenig.“

Mit Workshops die Menschen erreichen

Um die Menschen mit ins Boot zu holen, setzt die Gruppe auf Workshops zum Thema Zukunftsentwicklung. Die Menschen müssten wissen, wo es hingehen soll, meint Dörte Schnitzer: Gemeinsam mit den Fraktionen und der Verwaltung wolle man zeigen, welche Lösungen es bereits gibt. Eins ist für die Gruppe auf jeden Fall klar: „Warten und nichts tun verschlimmert alles“, sagt Dierlamm-Harth.

In der Innenstadt zeichnet sich aus Sicht der Klimaschützer ein Bild mit weniger Verkehr ab, und das ist gut so, finden sie. Aufenthaltsqualität sei mit Autos nicht zu bekommen, ist Dierlamm-Harth überzeugt. Toll sei etwa das Wasserspiel im Schlosspark, wo Bobbyfahrer flitzen und Spaziergänger unter großen Bäumen Schatten finden. „Man geht dort hin, wo keine Autos sind“, sagt sie. Aus dem Unteren Marktplatz könnte „eine Keimzelle der ökologischen Stadtplanung“ werden, wünscht sich Pesch, mit Großbäumen und einem ökologischen Belag unter dem Pflaster. Wie damals während der Zeit der Gartenschau fänden sie auf dem Unteren Marktplatz eine Bühne mit Sonnenschutz ideal, wo sich die Menschen gerne aufhalten würden. Die Gastro sollte sich weiter ausbreiten können. Und schnell sollte die Entwicklung weiterer Maßnahmen vorangehen, darin sind sie sich einig: „Wir haben nicht unendlich viel Zeit“, konstatiert Kathrin Hübner.

Übrigens: Nachdem Wilhelm Pesch für einige im Gemeinderat besonders schwer vorstellbar ist im neuen Klimaausschuss, hat Pesch sein Interesse an einem Sitz offiziell zurückgezogen. „Um des lieben Friedens Willen“, wie er sagt. Hauptsache, die Klimaschützer werden berücksichtigt. „Wir wollen einen Sitz für die Gruppe“, betont Mechthild Dierlamm-Harth. „Auch den BUND oder den Nabu fände ich gut in diesem Beirat.“

In zwei Anläufen hat es der Gemeinderat bisher nicht geschafft, den Klimabeirat zu besetzen. Einer der Diskussionspunkte war dabei die Frage, ob die Gruppe Klimaentscheid, die das Thema Klimaschutz seit Jahren voranbringt, in diesem Beirat vertreten sein soll. Das ärgert die Gruppe – genervt zeigen sich die Mitglieder aber auch davon, dass Teile des Gemeinderats inzwischen grundsätzlich daran zweifeln, ob das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 überhaupt zu schaffen ist. „Uns stört die

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