Schorndorf

Kritik an Holzernte im Schorndorfer Stadtwald: Zu aggressiv und umfangreich?

rutschung
Massiver Erdrutsch: Dass unterhalb von Oberberken ein Waldweg nicht mehr begehbar ist, hat mit der Holzernte nichts zu tun. Der Weg, sagt Forstrevierleiter Julian Schmitt, liegt in Rutschgebiet. Um ihn trockenzulegen, wurde im Herbst 2021 nicht nur der bestehende Graben wieder hergestellt, sondern wurden auch die bestehenden Dohlen ausgetauscht und fachgerecht eingebaut – allerdings ohne Erfolg. © privat

Dass im Stadtwald „mit Vollgas“ Holz geerntet wird, das hatte Forstrevierleiter Julian Schmitt bereits im Sommer 2021 im Gemeinderat angekündigt: Rund um den Sportpfad sollen bis Mitte März auf 55 Hektar 3250 Festmeter Holz gefällt werden. Im aktuell letzten Abschnitt konzentrieren sich die Arbeiten auf den Bereich zwischen Freizeitheim und Aichenbachhütte. Dass das massive Bäumefällen nicht nur Begeisterung hervorruft, damit hatte Julian Schmitt gerechnet und schon im Vorfeld versucht, mit Infotafeln im Wald aufzuklären. Doch jetzt muss er sich massiver Kritik stellen – vorgetragen von Dr. Ulf Bosch. Ihm und anderen Spaziergängern ist die Holzernte viel zu aggressiv und zu umfangreich. Außerdem, davon ist der Schorndorfer überzeugt, könne dort nicht alles mit rechten Dingen zugehen, was wiederum der Forstrevierleiter zurückweist.

Orkanböen: Holzfällarbeiten im Laufe des Donnerstagvormittags eingestellt

Dass am Donnerstagmorgen pünktlich um 7 Uhr trotz Orkanböen mit den Baumfällarbeiten begonnen wurde, das nimmt Bosch zum Anlass für seine umfassende Kritik, der der Forstrevierleiter wie folgt entgegentritt: Mit dem Unternehmen, das die Bäume im Aichenbach fällt, habe Schmitt am Vormittag die Lage persönlich bewertet und zunächst entschieden, dass die Arbeiten weitergehen können. Im Laufe des Vormittags sei dann die Entscheidung gefallen, die Arbeiten einzustellen: „Die Unversehrtheit der Waldarbeitenden hat oberste Priorität in unseren Wäldern und wird auch dementsprechend in den Arbeitsaufträgen gewürdigt.“ Nach den Stürmen vom Wochenende sind der Stadtwald und der Sportpfad am Aichenbach seit Montag aber sowieso gesperrt – und werden dies nach Auskunft der Stadtverwaltung auch vorerst bleiben.

Außerdem kritisiert Bosch an der Holzernte die nächtliche Blockade der Wege und hält dies für unzulässig: „Nach Beendigung der Baumfällarbeiten am Abend werden die Wege gezielt unzugänglich gemacht, das heißt Stämme und Gestrüpp werden auf die Wege gezogen, um ein Passieren von Personen und Fahrzeugen zu unterbinden.“ Da bei der Holzernte auch Bäume auf den Weg fallen, können diese, erwidert wiederum Julian Schmitt, nicht jeden Abend freigeräumt werden. Teilweise werden aber Wege auch bewusst mit gefällten Bäumen gesperrt, „da die davor angebrachten Sperrbanner regelmäßig von Waldbesuchern missachtet werden“. Das, führt Schmitt weiter aus, sei keine Schikane der Waldbesucher, sondern diene der Sicherheit. „Für den Tod von Waldbesuchern möchten weder ich noch mein Unternehmer verantwortlich sein.“ Im Übrigen seien Wegesperrungen durch Paragraf 38 des Landeswaldgesetzes abgedeckt.

Dass im Stadtwald große und alte Mammutbäume gefällt wurden und eiligst über Nacht in Richtung China abtransportiert werden, auch diesem Vorwurf widerspricht Schmitt: Es handele sich dabei um 75 bis 90 Jahre alte Douglasien, die im Auftrag der Gemeinde Urbach gefällt wurden. Zwischen Fällung und Abtransport lagen, versichert Schmitt, etwa zehn bis 14 Tage. Die Stammteile, die nicht für Urbach geeignet waren, befinden sich noch im Wald und warten auf den Abtransport. Schmitt gibt in diesem Zusammenhang auch zu bedenken, dass große Bäume – wie im Fall der Douglasie – nicht immer mit einem hohen ökologischen Wert gleichzusetzen sind. Eichen hingegen würden nur gefällt, wenn wichtige Gründe dafür sprechen. Und: Sie werden auch verstärkt nachgepflanzt. Anders beim Buchenholz: Der Verkauf nach Asien, führt Schmitt aus, sei im Moment der einzige Weg, hochwertiges Sägeholz zu passablen Preisen zu verkaufen. Da es in Deutschland keine relevante Möbelindustrie mehr gebe, fehle es auch an Sägewerken, an die das hier produzierte Buchenholz verkauft werden könne.

Beklagenswert ist für Dr. Ulf Bosch nicht zuletzt die massive Beschädigung der Wege durch die Fällarbeiten mit massivstem Gerät: „Wer diese Szenen mehrfach gesehen hat, der kann sich des Eindrucks der Schikane nicht erwehren.“ Von Boshaftigkeit könne keine Rede sein, kontert Schmitt, und erklärt, dass die Wege – vor allem wegen des ausgebliebenen Frostes in diesem Winter – bei der Holzernte zwangsläufig in Mitleidenschaft gezogen werden: „Da können wir uns nur entschuldigen“, sagt Schmitt und verspricht, dass die Wege wieder gerichtet werden.

„Normales Forstgerät“ im Einsatz: Harvester, Rückezug und Zangenschlepper

Mit dem massiven Erdrutsch eines Waldweges unterhalb von Oberberken hat die Holzernte aber nichts zu tun: „Das Berkerwand-Sträßle wurde nicht unterspült, sondern liegt in einem Rutschgebiet“, erklärt Schmitt und erwidert auf Boschs Vorwurf, dass die Arbeiten Ursache der Rutschung seien: „Von der unteren Forstbehörde wurde uns bei einem Vor-Ort-Termin bescheinigt, dass die Arbeiten fachgerecht geplant und ausgeführt wurden und die Rutschung an dieser Stelle und Intensität nicht absehbar war.“

Auf die Kritik, massivstes Gerät und schwerste, ölverschmierte Maschinen kämen im ausgewiesenen Wasserschutzgebiet zum Einsatz, entgegnet Schmidt: „Das Schild steht falsch. Die Wasserschutzgebiete sind auf unseren Forstbetriebskarten eingezeichnet und sind uns bekannt. Die Vorgaben und Einschränkungen, die diese Gebiete fordern, werden eingehalten und in den Arbeitsaufträgen dem Unternehmer mitgeteilt.“ Die Maschinen seien außerdem zertifiziert und werden nur mit biologisch abbaubarem Hydrauliköl betrieben. Außerhalb des Wasserschutzgebiets dürften sie sogar im Wald mit Diesel betankt werden. Dass bei der Holzernte im Stadtwald extra schweres Gerät zum Einsatz komme, kann Schmitt nicht bestätigen: „Das ist ganz normales Forstgerät.“

Dass im Stadtwald „mit Vollgas“ Holz geerntet wird, das hatte Forstrevierleiter Julian Schmitt bereits im Sommer 2021 im Gemeinderat angekündigt: Rund um den Sportpfad sollen bis Mitte März auf 55 Hektar 3250 Festmeter Holz gefällt werden. Im aktuell letzten Abschnitt konzentrieren sich die Arbeiten auf den Bereich zwischen Freizeitheim und Aichenbachhütte. Dass das massive Bäumefällen nicht nur Begeisterung hervorruft, damit hatte Julian Schmitt gerechnet und schon im Vorfeld versucht, mit

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