Schorndorf

Kritische Stimmen zu Bauplänen von Netto und Rossmann

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Symbolbild. © ZVW/Danny Galm
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Auf diesem Gelände wollen Netto und Rossmann bauen. © ZVW/Danny Galm
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Hier soll gebaut werden. © ZVW/Danny Galm
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Hier soll gebaut werden.
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Auf diesem Gelände wollen Netto und Rossmann bauen.

Winterbach. Bis Mai 2019 sollen Netto und Rossmann in Winterbach eröffnen, das ist weiter das Ziel, das die Gemeindeverwaltung ausgibt. Mit dem Satzungsbeschluss des Bebauungsplans für das Areal an der Schorndorfer Straße ist damit nun ein weiterer wichtiger Schritt getan. Dabei mussten sich Verwaltung und Gemeinderat mit einer ganzen Reihe von Einwänden und Vorschlägen der Bürger befassen.

Dafür, dass die Gemeinde Winterbach bereits seit zehn Jahren versucht, den Netto-Markt an einem neuen Standort in der Schorndorfer Straße zu realisieren, geht es am Ende flott. Ein Grund dafür ist, dass der Discounter und der zu den Ursprungsplänen noch hinzugekommene Drogeriemarkt Rossmann bis zur Eröffnung der Gartenschau Mitte Mai 2019 fertig sein sollen.

Im Gemeinderat hat sich die Verwaltung nun aber noch Zeit genommen, auf die zum Bebauungsplan eingegangenen Stellungnahmen und Einwände einzugehen, von denen viele von Winterbacher Bürgern kamen.

Verwaltung: Wohnungen über den Märkten nicht umsetzbar

Generell hat niemand etwas gegen Netto und Rossmann einzuwenden, im Gegenteil – aber zu Details der Planung gibt es Kritik. Eine Bürgerin schrieb zum Beispiel an die Verwaltung: Sie könne „nicht verstehen, dass in so einer zentralen Lage keine Wohnbebauung vorgesehen ist“. Ihre Bitte: Zu prüfen, ob über dem Netto-Markt Wohnungen möglich sind. Ein „interessantes Thema“, meinte dazu Bauamtsleiter Rainer Blessing. Das Thema sei in Verwaltung und Gemeinderat diskutiert worden. Allerdings gebe es vor allem zwei Gründe, warum diese eigentlich gute Idee nicht umsetzbar sei.

Erstens: „Wir muten den Anwohnern auf der anderen Straßenseite durch die zwei Märkte schon etwas zu“, so Blessing. Von Norden aus gesehen sei der Netto mehr als 30 Meter, der Rossmann mehr als 22 Meter breit. Jedes Wohngeschoss würde drei Meter Höhe zusätzlich für die Gebäude bringen. „Und jetzt haben wir schon sieben und sechseinhalb Meter“, erklärte Blessing. „Man darf es nicht überziehen.“

Die Lärmproblematik

Der zweite Grund ist die Lärmproblematik: Diese sei direkt an der Bahnlinie immens, so Rainer Blessing, dazu komme der Anlieferungs- und Kundenverkehr der Märkte. „Das wäre nicht anders machbar, als dass man eine Schallschutzwand um das Gebäude herum ziehen müsste.“ Hinter so einer Wand wohne aber keiner gerne.

Eine andere Bürgerin, die sich als „studierte Raum- und Stadtplanerin“ vorstellt, hat eine sehr ausführliche, seitenlange Stellungnahme abgegeben, in der sie viele verschiedene Kritikpunkte auflistet, von der Dachgestaltung bis zur Frage, ob der im Netto geplante Bäcker den ansässigen Bäckereien schadet (von denen es zudem genügend gebe) und zum Vorschlag, statt großer versiegelter Parkplatzflächen auf eine Tiefgarage zu setzen. Grundsätzlich vermisst sie ein stimmiges Gesamtkonzept.

Nicht auf alle Punkte wurde in der Gemeinderatssitzung detailliert eingegangen. Rainer Blessing antwortete jedoch auf die generelle Kritik, die Bürger seien zu wenig an der Planung beteiligt worden, um Alternativen mit ihnen zu diskutieren. Man diskutiere im Gemeinderat bereit seit etwa zehn Jahren über die Sache, auch in vielen öffentlichen Sitzungen, so Rainer Blessing.

Die Dachform sei aus einem städtebaulichen Wettbewerb hervorgegangen. Jetzt habe sich die Öffentlichkeit ja in Form von Stellungnahmen beteiligen können. Und Bürgermeister Sven Müller sieht ebenfalls in der Vergangenheit genügend Zeit für die Bürger, sich zu äußern: Jeder habe die Möglichkeit, sich einen der Gemeinderäte „zu schnappen“ und ihm seine Vorstellungen und Gedanken näherzubringen.

„Wir sind der Meinung, dass das florieren wird“

Auch die Raum- und Stadtplanerin sieht die Ansiedlung von Rossmann und Netto grundsätzlich positiv. Sie findet jedoch die Verkaufsflächen von 1100 (Netto) und 700 Quadratmetern (Rossmann) für eine Gemeinde wie Winterbach „überdimensioniert“.

Außerdem müsse man bedenken, dass der Online-Handel zunehme. Da sieht sie Leerstände drohen. Dagegen sagte Rainer Blessing: „Wir sind der Meinung, dass das florieren wird.“ Ähnlich äußerten sich die Gemeinderäte.

Sowohl Verwaltung als auch Gemeinderäte bedankten sich mehrfach für die Stellungnahmen aus der Bürgerschaft. Klaus-Dieter Völzke betonte dabei: Man habe sich von den Investoren nichts diktieren lassen. Teilweise sei es ein „Gegeneinander“ gewesen, bei dem man aber „auch gute Sachen rausgeholt“ habe.

Immerhin einer der Punkte aus der Stellungnahme der Stadtplanerin wird umgesetzt: So hat die Verwaltung mit den Marktbetreibern ausgehandelt, dass sie entlang der Parkplätze kleinkronige Ahornbäume pflanzen, damit eine „kleine Allee entsteht, wie Bauamtsleiter Rainer Blessing berichtete.


Verkehrsproblem

Anton Wiegers, der Vorsitzende des Bundes der Selbstständigen (BdS) in Winterbach, hat sich in seiner Stellungnahme zum Bebauungsplan Gedanken zum Verkehr gemacht. Er erinnert an die aus seiner Sicht schon jetzt „extrem angespannte“ Situation in der Schorndorfer Straße. Durch die beiden Märkte befürchtet er eine weitere Verschlechterung.

Die Verwaltung sieht das laut Bauamtsleiter Rainer Blessing zwar anders: „Die Schorndorfer Straße funktioniert unserer Meinung nach sehr gut.“ Und sie werde den Verkehr aufnehmen können. Aber: Es wird jetzt parallel zum Bau von Netto und Rossmann ein Verkehrsgutachten speziell für die Schorndorfer Straße gemacht, um zu schauen, was sich verbessern lässt und ob zum Beispiel andere Parkierungsregeln oder ein zusätzlicher Zebrastreifen sinnvoll sein könnten.