Schorndorf

Kultur-Neustart in Schorndorf: Ende Juni erstes Post-Corona-Konzert im Session 88

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Q Galerie
Auch die Q-Galerie des Kulturforums erwartet den Besuch von Kunstfreunden. © Lukas Breusch
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Algiers
So eng soll’s vielleicht mal wieder werden: Die Band „Algiers“ bei ihrem „Vor-Corona-Auftritt“ am 15. Februar 2020 in der Manufaktur. © Gaby Schneider

Die Kulturinstitutionen ebenso wie die Kulturfreunde scharrten sehnsüchtig mit den Füßen. Wann endlich gibt es wieder live Konzerte, Kabarett oder Kino zu erleben? Mit der ab dieser Woche geltenden Erlaubnis von Veranstaltungen mit weniger als 100 Besuchern sind nun auch in Baden-Württemberg erste Schritte zu Lockerungen der bisherigen Beschränkungen unternommen worden. Indes: Nicht alle Veranstalter können oder wollen das nutzen.

Anders der Schorndorfer Jazzclub Session 88. Sabine Seelow freut sich, dass am Samstag, 27. Juni, ein Konzert mit der jungen Combo „iGrooved“ um die Urbacher Brüder Martin und Justinus Feilhauer stattfinden kann. „In den letzten Tagen haben wir alles durchgespielt und durchgestellt“, erzählt die Vorsitzende des Vereins. Konkret aber können durch die Abstands- und Sicherheitsvorgaben allerdings gerade mal 20 Gäste in den locker 100 Besucher fassenden Club eingelassen werden.

Desinfektionsmittel selbst neben den Tasten des Flügels

Trotzdem: „Es geht uns darum, mal wieder die Jazzclub-Leute zu sehen, uns auszutauschen und der Session zuzuhören“, erklärt Seelow. Dazu wurden alle Vorkehrungen getroffen, versichert sie: Plexiglasscheiben am Tresen und am Einlass. Desinfektionsmittel am Eingang und den Toiletten und selbst neben dem Flügel, bei einem Wechsel des Pianisten. Auch Gesichtsmasken liegen bereit. „Wir wollen das auch mal durchspielen, für den Herbst.“

Dann nämlich würde der Jazzclub gerne mit dem geplanten „normalen“ Programm der neuen Saison durchstarten. „Bis Herbst sind wir finanziell abgesichert“, sagt Sabine Seelow. Danach würde es eng.

Die meisten großen Konzerte der Manufaktur sind entweder ins nächste Jahr verschoben worden oder von den Tournee-Agenturen selbst abgesagt worden. Andrea Kostka hofft auf eine reguläre Spielaufnahme im Herbst. „Derzeit konzentrieren wir uns auf den Sommer“, erklärt die Geschäftsführerin. Geplant wären die kleineren Veranstaltungen des traditionellen Manu-Sommers. Was Kostka vermisst, sind klare Handlungsanweisungen für die Veranstalter. Sie sagt: „Man kann ab 1. Juni wieder spielen, aber keiner weiß wie.“ Sie beklagt unterschiedliche Anweisungen auch für den Wiederbetrieb des Kinos „Kleine Fluchten“.

Lichtblick: Seit einer Woche ist die Manu-Kneipe wieder geöffnet

Die Hoffnung stirbt indes zuletzt. Die Buchungen für 2021 gehen weiter. „Ja, man muss das einfach machen“, sagt Kostka. „Es ist sehr anstrengend. Eigentlich müssten wir ein Programmheft produzieren, wissen aber nicht, ob wir die Veranstaltungen dann überhaupt machen können. Grundsätzlich sind wir in Kurzarbeit und versuchen die Kosten zu drücken.“

Ein Antrag auf Unterstützung aus einem Paket der Bundeshilfe (unter anderem zu Hygieneeinrichtungen, Digitalisierung und Live-Streaming) läuft. Ebenso ein Antrag beim Ministerium für Wissenschaft und Kunst, um die Gagen für die lokalen Künstler des Kultursommer-Programms zu bezahlen.

Lichtblick: „Seit ein paar Tagen ist die Manu-Kneipe wieder offen. Da stellt sich schon wieder ein normaleres Gefühl ein.“

"Bis Anfang September ist nichts geplant“, teilt David Küchle, der Technische Leiter der Barbara-Künkelin-Halle, auf Anfrage über das kulturelle Angebot der Schorndorfer „Halle für alle“ mit. Aber für die kommende Saison geplant wurde natürlich auch hier. Und so findet Ende Juni eine Veranstaltung für die Abonnenten des Kulturangebotes statt.

„Das sind 40 Haushalte mit etwa 80 Personen“, erklärt Küchle. „Die bekommen in gebührendem Abstand einen Tisch“, und dann wird ihnen der für die Kulturveranstaltungen verantwortliche Sven Pflug das neue Programmheft über die geplanten verschiedenen Musik-, Comedy- und Theater-Events für 2020/21 inhaltlich erläutern, in der Hoffnung, dass alles dann wieder ohne Einschränkungen stattfinden kann.

„Wir fiebern dem entgegen, dass wieder mehr möglich ist!“

Erfreuliches weiß das Kulturforum zu berichten. Die Wiedereröffnung der Q-Galerie vor wenigen Wochen wurde, so Katharina Stopper, „gut angenommen. Die Leute freuen sich!“ Die Ausstellung mit den Skulpturen von Thomas Kühnapfel wurde verlängert. „Jetzt hoffen wir sehr, dass wir zum ,Heimspiel’ des Kunstvereins am 6. Juli eine normale Vernissage machen können.“

Der Tatendrang der Kunstvermittlerin ist ansteckend: „Wir fiebern dem entgegen, dass wieder mehr möglich ist!“ Was die Planungen für die Zukunft angeht, muss Katharina Stopper allerdings einschränken: „Wir fahren auf Sicht.“ Und doch ist da ein neuer Elan zu spüren: „Wir haben gerade viele Ideen. Sind aber in Kurzarbeit.“

Vielleich muss man in diesem Zusammenhang auch den von Hans-Dieter März initiierten Spendaufruf des Kulturforums für in Not geratene freischaffende Künstler sehen (). „Es ist eine stille Hilfe“, erklärt März, die aus den eingegangenen Spenden an Künstlerinnen und Künstler gehen soll, die gerade keine Einnahmen mehr haben. „Eine unbürokratische Geste, wenn nichts mehr im Kühlschrank ist.“

Die Künste und Künstler, so scheint es, stehen gerade voller Tatendrang im Stau vor einem Neustart. Voller Hoffnung auf eine bald wieder zwanglose Begegnung mit ihrem Publikum.

Die Kulturinstitutionen ebenso wie die Kulturfreunde scharrten sehnsüchtig mit den Füßen. Wann endlich gibt es wieder live Konzerte, Kabarett oder Kino zu erleben? Mit der ab dieser Woche geltenden Erlaubnis von Veranstaltungen mit weniger als 100 Besuchern sind nun auch in Baden-Württemberg erste Schritte zu Lockerungen der bisherigen Beschränkungen unternommen worden. Indes: Nicht alle Veranstalter können oder wollen das nutzen.

Anders der Schorndorfer Jazzclub Session 88. Sabine

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