Schorndorf

Kunden können Bestellungen nicht im Laden abholen: Wie Schorndorfer Einzelhändler darauf reagieren

Paket DHL 2009
Viele Händler liefern im Umkreis selbst aus. Bei weiter entfernten Kunden kommt auch der Paketdienst zum Einsatz. © Gabriel Habermann (Archiv)

Lange Schlangen und Ansammlungen von Kunden vor den Läden: Das ist’s, was die Landesregierung während des Lockdowns vor Weihnachten verhindern will. Deswegen dürfen Kunden in Baden-Württemberg bestellte Waren nicht direkt im Einzelhandelsgeschäft abholen. Die Maßnahmen sollen helfen, dass sich das Coronavirus nicht noch weiter ausbreitet. Doch die Entscheidung trifft den gebeutelten Einzelhandel, der durch den Lockdown zudem auf wichtige umsatzstarke Tage verzichten muss, noch einmal. Die Entscheidung, den sogenannten „Click&Collect-Service“ zu verbieten, ärgert Schorndorfer Einzelhändler, doch sie stürzt sie nicht in Resignation. Vielmehr legen sie sich für einen guten Lieferservice ins Zeug, auch, damit die Kunden alle bestellten Geschenke tatsächlich unter den Weihnachtsbaum legen können. Ein Stimmungsbild.

„Sehr, sehr harte Entscheidung“

Dass der Abholservice nicht erlaubt ist, darüber hat Schorndorf Centro nicht nur seine Mitglieder, sondern alle Innenstadt-Akteure informiert und auf den neuesten Stand gebracht. Was meint Ulrich Fink, Geschäftsführer von Schorndorf Centro, zu dieser Entscheidung? „Das ist ganz, ganz schwierig. Aus Pandemie-Gründen kann ich sie nachvollziehen.“ Doch hätte man das Problem, meint der Geschäftsführer, „vernünftig lösen können“, etwa mit Abholstationen und entsprechenden Regelungen. „Ich wäre dafür gewesen, wenigstens bis Weihnachten.“ Er findet, dass die großen Online-Händler unterstützt würden, und sorgt sich um kleine Einzelhändler, „die auf einem Haufen Ware sitzen“. Ein Lieferservice, so Fink, ist eine aufwendige Sache, Pakete packen, ausfahren, mancher ist nicht daheim, und so weiter. „Nicht abholen dürfen ist eine sehr, sehr harte Entscheidung.“

Schorndorf Centro hat bereits im Frühjahr auf seiner Homepage eine Übersicht eingerichtet, bei welchen Geschäften man online oder telefonisch bestellen und sich daheim beliefern lassen kann.

Lieferung per Fahrradkurierdienst

Bei Osiander arbeitet derzeit ein „kleines Logistikzentrum“, sagt Filialleiterin Sarah Schäfer-Stradowsky. In verkleinerter Mannschaft übernehmen die Kollegen den Telefondienst und packen Päckchen. Was bestellt wird, wird nach Hause geliefert. Eine Schülerfirma fungiert als Fahrradkurierdienst. Für das, was dieser nicht schafft oder sehr wichtig ist, springen die Kolleginnen ein, auch zu Fuß. „Irgendwie kommt es zu den Kunden, wir machen alles“. Was weiter entfernt bestellt wurde, bringt DHL. Die ersten zwei Tage, sagt Sarah Schäfer-Stradowsky, „waren richtig, richtig gut“.

Den Lieferservice gibt es auch ohne Lockdown, die Strukturen bestanden also bereits, jetzt aber steht die Logistik mehr im Vordergrund.

Während des ersten Lockdowns hatte die Buchhandlung eine Abholstation an der Tür. Dass das nun nicht mehr möglich ist, „das hat mich schon enttäuscht“, sagt Sarah Schäfer-Stradowsky. Immerhin dürfen die Leute mit Masken Essen abholen und würden ja vor den Geschäften an der frischen Luft stehen, gibt sie zu bedenken.

Kirsten Klöble, Inhaberin der Bücherstube Seelow, hat derzeit alle Hände voll zu tun. Sie liefert Bestellungen persönlich aus. Das wird gut angenommen, die Bücherfachfrau hat es auch im Frühjahr schon so gemacht. Dass die Kunden Bücher nicht direkt abholen dürfen, „diese Entscheidung kann ich nicht ganz nachvollziehen“. Die Leute seien es gewohnt, in einer Schlange zu stehen und zu warten aus der Zeit, in der die Läden offen waren, und seien auch daran gewöhnt, sich an die Infektionsschutzregeln zu halten, findet Kirsten Klöble.

„Übers Ziel hinausgeschossen“

Für sie ist’s selbstverständlich, den Mehraufwand durch die Belieferung zu stemmen: „Es sind ja viele Weihnachtsgeschenke.“ Klöble freut sich, wenn die Leute lokal einkaufen. Und krempelt die Ärmel hoch, managt den Wareneingang, packt Pakete, schreibt Rechnungen, erstellt eine Route für die Auslieferung, macht sich auf den Weg, das alles weitgehend in Eigenregie. Da reichte der Arbeitstag in den vergangenen Tagen durchaus bis 21.30 Uhr. An eine solche Situation hat sich Kirsten Klöble bereits im ersten Lockdown gewöhnt. Und hofft, dass es nun der letzte ist.

Dass Kunden bestellte Waren nicht abholen dürfen, „finde ich nicht gut“, sagt Jochen Härle, Inhaber vom Modehaus Kraiss. Der Paketzusteller müsse die Ware ja auch dem Kunden übergeben. „Das stößt bei mir auf kein Verständnis. Gestern war alles noch erlaubt, heute ist alles verboten. Da ist man übers Ziel hinausgeschossen“, findet er. Ein Lieferservice ist für ihn allerdings nichts Neues. „Wir liefern das ganze Jahr aus, wenn es gewünscht wird.“

Im Hause Bantel war bereits alles vorbereitet für einen Abholservice, Uhrzeiten, Mitarbeiter, und was dazugehört. „Wir wären bereit gewesen“, sagt Claudia Maurer-Bantel, Mitinhaberin und eine von zwei Geschäftsführerinnen. Es kam nun anders. „Wir liefern alle unsere Kundenbestellungen aus“, versichert Claudia Maurer-Bantel, so dass alles rechtzeitig zu Weihnachten an Ort und Stelle ist.

Indes: „Zusätzliche Aufträge über das Telefon können wir nicht annehmen. Wir werden durchstarten, wenn wir unsere Kunden wieder beraten dürfen.“ Die Mitinhaberin des Hauses verweist darauf, dass es bei Bantel viele Angebote gebe, für die es Beratung brauche, zum Sortiment gehören nahezu 100 000 Artikel, die Ware ist im Verkaufsraum auf 5000 Quadratmetern eingeräumt, es gibt kein Hochregallager. „Wir sind kompetent, wenn Sie bei uns vor Ort einkaufen. Das haben die Kunden bis zuletzt wahrgenommen.“ Aber: „Wir sind kein Versandhändler. Das sind zwei komplett unterschiedliche Wirtschaftszweige.“ Und, unterstreicht Claudia Maurer-Bantel: „Wir möchten immer eine kompetente Leistung abbilden.“

Lange Schlangen und Ansammlungen von Kunden vor den Läden: Das ist’s, was die Landesregierung während des Lockdowns vor Weihnachten verhindern will. Deswegen dürfen Kunden in Baden-Württemberg bestellte Waren nicht direkt im Einzelhandelsgeschäft abholen. Die Maßnahmen sollen helfen, dass sich das Coronavirus nicht noch weiter ausbreitet. Doch die Entscheidung trifft den gebeutelten Einzelhandel, der durch den Lockdown zudem auf wichtige umsatzstarke Tage verzichten muss, noch einmal. Die

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