Schorndorf

Kunstauktion mit Kinomogul Lochmann

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An der Bilderwand der Manufaktur inspizieren Kunstfreunde die zur Auktion stehenden Exponate Schorndorfer Künstler. © Schneider / ZVW
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Der Auktionator Heinz Lochmann. © Mathias Ellwanger
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Renate Busse und ihr Bauchladen. © Mathias Ellwanger
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An der Bilderwand der Manufaktur inspizieren Kunstfreunde die zur Auktion stehenden Exponate Schorndorfer Künstler. © Mathias Ellwanger
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An der Bilderwand der Manufaktur inspizieren Kunstfreunde die zur Auktion stehenden Exponate Schorndorfer Künstler. © Mathias Ellwanger

Schorndorf. Für Kunstinteressierte wurde das Kino Kleine Fluchten am Dienstagabend zum Auktionssaal. 74 Exponate Schorndorfer Künstler suchten einen neuen Besitzer. Traumpalast-Chef Heinz Lochmann leitete die Versteigerung – und wurde an dem Abend selbst zum stolzen Besitzer eines Kunstwerks.

Video: Heinz Lochmann schwingt den Hammer bei der Kunstversteigerung des Kunstverein Schorndorf

„Es gibt nichts Schlimmeres als eine langweilige Kunstversteigerung“. Die das sagt, weiß, wovon sie spricht. Renate Busse hat schon so mancher Versteigerung beigewohnt, aber auf diese freut sie sich besonders. Der Auktionator ist schließlich nicht gerade dafür bekannt, ein Langweiler zu sein. Der Coup des Abends ist ohnehin, dass Heinz Lochmann nicht im eigenen Haus den Hammer schwingt, sondern bei der Konkurrenz. Und überhaupt: Eine Kunstauktion in einem Kinosaal, „das muss ein Spektakel sein“, findet Busse. Die Künstlerin selbst, mit einem bunten Bauchladen voll Süßigkeiten, Streichhölzern und kunstvollen Postkarten bepackt, tut ihr Bestes dazu.

Ein guter Querschnitt durch die Schorndorfer Kunstszene

An der Bilderwand inspiziert das kaufwillige Publikum derweil jene 74 Exponate Schorndorfer Künstler, die bei der Auktion ersteigert werden können. Sie bieten einen guten Querschnitt durch die vielfältige Kunstszene der Stadt: seien es Holzskulpturen von Ebba Kaynak, Acryl-Bilder von Vitali Vitanov, Papierdruck von Alfons Koller oder Ölgemälde von Hardy Langer. An diesem Abend besteht die Möglichkeit, für einen moderaten Preis an ein solches Original zu kommen. Der Erlös kommt jeweils zur Hälfte den Künstlern und dem Kunstverein zugute, der damit seine Ausstellungen finanziert.

Eine Kunstauktion, „so was hab ich noch nie gemacht“, sagt Heinz Lochmann. Aber als ihn die geschätzten Kinokollegen Jürgen Frank und Achim Früh gefragt hätten, habe er sich gedacht: „Das ist doch eine super Sache.“ Und wenn der Kunstverein am Ende mit ihm zufrieden sei, könne der Kollege ja nächstes Jahr zu ihm in den Traumpalast kommen, um das gleiche Prozedere zu vollführen. Die Einladung steht also. „Dafür müssen wir heute Abend hier aber ein gutes Ergebnis erzielen“. Ein Ansporn für das Publikum, fleißig mitzubieten.

Doch das zögert zunächst. „Isch jetz aber arg ruhig hier“, sagt Lochmann – und freut sich, als die ersten Gebote für die „Schnecke auf Spargel“ von Alfons Koffer eingehen, einem Druck auf Papyrus aus Spargel. „So isch des guat“, freut sich der Auktionator. Doch es ist ihm noch nicht gut genug. Als ein Hund zu jaulen beginnt, übersetzt Lochmann: „Das heißt, Sie sollen mitbieten“. Nun hätte der Hund das Kunstwerk zwar vermutlich gerne, aber sein Herrchen weigert sich. Und so verlässt die Schnecke das Kino für 160 Euro.

Als der „Horst“ von Thilo Mössle an der Reihe ist, sagt der Lochmann, bekanntlich ein Rudersberger, nur „Oh, oh, oh, der kommt ja aus Zumhof“. Die grobe Skulptur aus Maulbronner Sandstein ist so schwer, dass sie von zwei Personen in den Saal getragen werden muss. „Da krieget Se was für Ihr Geld, des isch richtig schwer.“ Das Argument scheint beim Publikum zu fruchten: Für schlappe 370 Euro darf ihn der Meistbietende mit nach Hause nehmen.

So günstig konnte man noch nie einen Himmel kaufen

„Und wer braucht noch ein paar Erdnüsse?“, fragt währendessen Renate Busse, die mit ihrem Bauchladen durch den Kinosaal streift, lächelnd Erdnusstüten in die Luft hält, Lollies verkauft und ihre Kunstkarten verschenkt. Ein kleiner Zuckerschock kommt vielen gelegen, denn bisweilen wird es bei der Auktion doch recht zäh. Die Kunstwerke müssen erst von draußen in den Saal hereingetragen werden, manchmal bringen die fleißigen Helfer die falschen – und mehrere Exponate kommen kaum übers Mindestgebot hinaus.

Auch wenn Lochmann immer noch ein wenig mehr herauszukitzeln versucht. Gut gelingt ihm das etwa bei Martha Ehrlichs „Himmel“-Trilogie, einer sehr blauen Kombination aus Radiergummidruck und Aquarell. „Ein Stück Himmel für 100 Euro! Des isch nicht zu viel.“ Am Ende muss der neue Besitzer 180 Euro hinlegen. Lochmann wundert es trotzdem, „wie man sich so billig einen Himmel einkaufen kann.“

Wenn es sein muss, bietet der Kinomogul auch selbst mal mit. Bei Busses mit Radiograph und Farbstift entstandener Zeichnung „Die Markthalle von Bancaire“, dezent gehalten in den französischen Farben, kommt sein Freund Salim zum Einsatz, der für Lochmann die Gebote im Publikum übernimmt. Doch Busse bietet mit und treibt den Preis von 150 auf 230 Euro hoch. Lochmann darf das Kunstwerk am Ende mit nach Hause nehmen – und freut sich: „Jetzt habe ich auch eine Markthalle.“

Nach gut anderthalb Stunden ist die Luft dann aber raus. „Hat noch irgendjemand eine Idee? Möchte irgendjemand noch etwas ersteigern?“ Lochmann geht noch mal durch die Exponateliste. Doch am Ende haben nicht alle Kunstwerke einen neuen Abnehmer gefunden.

War die Auktion nun das versprochene Spektakel? Das ehrlich gesagt nicht ganz, aber unterhaltsam war es allemal.

Das Ergebnis

Unterm Strich ist der Kunstverein nicht ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Bei der Auktion sei weniger als im letzten Jahr umgesetzt worden, berichtet Hardy Langer. Am Auktionator habe das aber nicht gelegen. Langer vermutet vielmehr eine gewisse Sättigung beim kunstinteressierten Schorndorfer Publikum: „Die haben zu Hause schon die Wände voll.“