Schorndorf

Kunstperformance am 22.5. im Stadtpark Schorndorf: Kunstschaffende hissen Fahnen

Küntlerflagge
Die Masten im Hintergrund sind schon aufgestellt. Einige der Kunstschaffenden und Mitwirkenden haben sich im Stadtpark postiert – an der Stelle, an der am Sonntag, 22. Mai, die Kunstperformance stattfindet und die Fahnen gehisst werden. Sie alle freuen sich: Hasan Ziad, Luisa Sperling, Marina Rosenkranz, Carmen Wirth, Luca Ranft, Christiane Steiner und Renate Busse (von links). © Gabriel Habermann

Im Stadtpark wird es lebendig – jedenfalls wenn es nach den Schorndorfer Kunstschaffenden geht. Die Volkshochschule Schorndorf, die Stadtbücherei und die Mobile Jugendarbeit laden am Sonntag, 22. Mai, zu einer außergewöhnlichen Kunstperformance ein. Mit dabei sind Renate Busse, Wolfram Isele, Marius Jentschke, Hardy Langer, Miriam Lehle, Marina Rosenkranz, Luisa Sperling, Christiane Steiner, Gez Zirkelbach sowie der Jugendliche Hasan Ziad.

Bunt und vielfältig soll es werden – wie die Bildung, kündigt Carmen Wirth von der Volkshochschule an (Fachbereichsleitung Kunst, Gesundheit, Kulinarisches). Warum dieses Projekt organisiert und umgesetzt wurde, erläutert der Leiter der Volkshochschule, Oliver Basel: „Es gibt mehrere Gründe.“ Zum einen wolle man den Vorplatz vor dem Haus beziehungsweise das Areal zwischen VHS, dem Jugendhaus und der Stadtbücherei aufwerten. Seit der Remstal-Gartenschau habe der Stadtpark immer mehr an Attraktivität gewonnen, das wolle man beibehalten, weiter pflegen und ausbauen. „Die Fahnen sollen das noch mal bildlich unterstreichen“, so Basel. Zum anderen sei mit den Fahnen eine neue künstlerische Gestaltungsmöglichkeit entstanden, die mit einem speziellen Gestaltungsprozess einhergegangen sei. „Und ein weiterer Grund ist, dass es für die Kunstschaffenden vor Ort und für die Schorndorfer Kunst als solches ein großer Gewinn ist, mit diesen einzigartigen Exponaten einen unterschiedlichen Ausdruck zu transportieren.“ Nun freue man sich, die Fahnen – Dank Einwilligung der Stadtverwaltung – im Stadtpark am Sonntag hissen zu dürfen.

Zeichnung visualisiert und digital erfasst

Was hat die Künstler bewegt, bei diesem Projekt mitzuwirken, und was haben sie letztendlich auf ihren Fahnen verwirklicht? Um einen Ideenanstoß zu geben, welches Thema das Fahnenmotiv haben könnte, hat Carmen Wirth eine Stichwortliste erstellt, und diese den Beteiligten zukommen lassen. Worte wie Bunt, Vielfalt, Teilhabe, Gemeinschaft, Demokratie hatte sie beispielsweise vorgeschlagen. Ohne zu viel zu verraten – schließlich soll die eine oder andere Überraschung am Sonntag erst ins Auge fallen – lassen die Kunstschaffenden wissen, mit welchem der Worte sie sich befasst haben und was sie bewegt.

Marina Rosenkranz zum Beispiel. Sie ist Modedesignerin und Schneidermeisterin und gibt zudem VHS-Kurse. Sie hatte ihren Entwurf schon im Kopf, bevor sie die Stichwortliste erhielt, berichtet sie lachend. „Ich habe mir Gedanken gemacht, wie schlussendlich die Farbintensität auf der Fahne rauskommt, ob sie blasser oder dunkler wird und wie es in der Größe wirkt.“ Rund 20 Stunden habe sie insgesamt benötigt, bis ihr Werk fertig war. „Dann war es stimmig.“ Marina Rosenkranz’ Fahne versinnbildliche das breit gefächerte Angebot der VHS. Vieles habe sie mit der Farbgebung ausgedrückt. Wie das Kunstwerk, das ab Sonntag vom Wind sanft hin und her gewogen wird, im Einzelnen aussieht, wird noch nicht verkündet. Jeder der Künstlerinnen und Künstler hatte den Entwurf auf einer Unterlage nicht größer als ein DIN-A4-Blatt gezeichnet. Dieser wurde dann visuell erfasst und digital verarbeitet, um dann auf der 3,10 Meter auf 1,20 Meter-Fahne verewigt zu werden.

„Köpfe – einfach viele Köpfe“, hat Renate Busse zu Papier gebracht. Seit vielen Jahren ist die Künstlerin mit der VHS verbunden – mehrmals hat sie das Logo des Programmheftes gestaltet und hat jetzt, zum 75-jährigen Jubiläum, ein Memo-Spiel kreiert, das am 3. Juli bei einer Vernissage in der VHS bestaunt werden kann. Selbstredend, dass die Schorndorfer Künstlerin auch beim Fahnenprojekt mitmacht. Sie freue sich sehr darauf, die Fahnen hängen zu sehen, im Gefüge des Stadtparks, umringt von der Blumenwiese.

„Feuer und Flamme“ für das Kunstprojekt

Mit Luisa Sperling, 25 Jahre alt, ist eine junge Grafikdesignerin mit im Bunde. Sie hat gerade ihr Atelier Piaf (Papeterie, Schrift und Grafikdesign) eröffnet und freut sich sehr, ein Teil dieser „Fahnen-Gemeinschaft“ zu sein: „Ich finde es toll, etwas zu diesem Projekt beitragen zu können. Es ist etwas, mit dem ich mich als Grafikdesignerin tagtäglich auseinandersetze.“ Die 25-Jährige hat ihre Fahne mit Schriftkunst versehen.

Eine, die laut Carmen Wirth „sofort Feuer und Flamme“ für dieses Projekt gewesen sei, war Christiane Steiner. Das „Ja“ zum Mitmachen bei dieser außergewöhnlichen Kunstidee habe sie sofort gegeben, so Steiner. „Es ist irgendwie ein bisschen aufregend, wenn so was dann in der Öffentlichkeit hängt und von jedem begutachtet wird.“ Sie habe sich Gedanken zu der Frage gemacht, wofür die Volkshochschule stehe. An der VHS „macht man viel“. Hände – das sei deshalb ihr Motiv für die Fahne geworden. Ob jung, ob alt, ob klein, ob groß, ob Männer oder Frauen – alle möglichen Hände, die bunt gestaltet sind, werden zu sehen sein. Dies solle das Stichwort Gemeinschaft symbolisieren.

Gez Zirkelbach zeigte sich ebenso begeistert. Er habe sich mit der Stichwortliste beschäftigt. Für ihn sei von Anfang klar gewesen, dass die Fahne etwas symbolisieren und für etwas stehen sollte. Während die Corona-Zeit den Künstlern sehr zu schaffen gemacht habe – keine Ausstellungen, keine Treffen, kein Austausch – habe Zirkelbach sich etwas zurückgezogen. Er habe seine Bilder angeschaut und viele schöne Elemente entdeckt, die er zu einer Collage zusammengefügt habe. „Ich nenne es ‚Bewegung im Wunderland’.“ Es soll das „Abtauchen, weg von der Realität“ zeigen und seine farbige Vielfalt aufweisen. Gez Zirkelbach ist sehr gespannt darauf, wie sich die Fahne mit jeglichen Wetterlagen auseinandersetzen wird. Was machen Licht und Schatten mit dem Kunstwerk? Kommt die Farbintensität zum Tragen? Wie umspielt der Wind die Fahne?

Fahnen, die aus dem Rahmen fallen

Eine der Fahnen, die aus dem Rahmen fallen wird, ist die von Wolfram Isele. Es ist nämlich die einzige Fahne, die in Schwarz-Weiß gehalten ist. Warum? Für ihn, so sagt er, stehe gerade der Ukraine-Krieg im Vordergrund. Er habe sich mit diesem sehr ernsthaften Thema beschäftigt. Das Bild steht für die Kinder, die sich von ihren Vätern schmerzvoll verabschieden. Außergewöhnlich zudem: Es handelt sich um einen Linolschnitt, der abgebildet wird. Ebenso wird Hardy Langers Fahne zum Nachdenken anregen, so ein „fröhlicher Entwurf“ wollte ihm in diesen Zeiten nicht so recht gelingen.

Und Modedesignerin Miriam Lehle wird die Fahnenbetrachter wohl überraschen – ihre Fahne ist bunt-skurril und „Mode spielt auch eine Rolle“. Bei der Mobilen Jugendarbeit, als direkter Nachbar der VHS, hat man sich schnell mit dem Einfall angefreundet und ein Gemeinschaftsprojekt mit der Mobilen Kindersozialarbeit gestartet (kümmert sich um Kinder zwischen acht und 13 Jahren; die Mobile Jugendarbeit widmet sich Jugendlichen zwischen 14 und 27 Jahren).

„Es haben drei Kinder im Alter zwischen elf und 13 Jahren gemeinsam mit Sozialpädagogin Karolin Hillgruber die Fahne mitgestaltet – den unteren Teil“, erläutert Luca Ranft von der Mobilen Jugendarbeit. Hasan Ziad hat die andere Hälfte gestaltet. Der 22-Jährige geht auf die gewerbliche Schule Backnang, kam von Palästina nach Deutschland und hat seit gut einem Jahr Kontakt zur Mobilen Jugendarbeit. Er möchte Mediengestalter werden. Hasan Ziad hat ein Logo für die Mobile Jugendarbeit gestaltet – schlicht aber gehaltvoll wirkt es – in Blau und mit Personen. Es soll Zusammenhalt symbolisieren.

Am Sonntag, bei der Kunstperformance, wird auch die Leiterin der Stadtbücherei, Marianne Seidel, dabei sein, es gibt nämlich auch eine Werbefahne der Stadtbücherei. Angenehmes Wetter mit Sonnenschein wäre nun noch wünschenswert, sagt Carmen Wirth. „Aber sollte es schlechtes Wetter geben, dann werden wir eine Lösung im Hause finden, wie man unser Projekt feiern kann“, fügt Oliver Basel an.

Im Stadtpark wird es lebendig – jedenfalls wenn es nach den Schorndorfer Kunstschaffenden geht. Die Volkshochschule Schorndorf, die Stadtbücherei und die Mobile Jugendarbeit laden am Sonntag, 22. Mai, zu einer außergewöhnlichen Kunstperformance ein. Mit dabei sind Renate Busse, Wolfram Isele, Marius Jentschke, Hardy Langer, Miriam Lehle, Marina Rosenkranz, Luisa Sperling, Christiane Steiner, Gez Zirkelbach sowie der Jugendliche Hasan Ziad.

Bunt und vielfältig soll es werden – wie die

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