Schorndorf

Lasst die Kinder ruhig toben!

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Bewegung ist für Prof. Renate Zimmer eine wichtige Voraussetzung für gute Bildung. © Schneider / ZVW

Schorndorf. Bei einem Vortrag in der Künkelinhalle hielt die Wissenschaftlerin Renate Zimmer am Dienstag ein Plädoyer für die kindliche Bewegungsfreude. Toben, so ihre These, mache schlau. Wer den Kindern nicht die Freiheit gebe, die Welt körperlich zu erfahren, nehme ihnen auch die Möglichkeit, etwas zu lernen.

Video: Toben macht schlau - Ein Vortrag mit Erziehungswissenschaftlerin Prof. Renate Zimmer in Schorndorf.

Jeder, der Kinder hat, kennt das: Da möchte man nur schnell in den Supermarkt, auf den Spielplatz oder jemanden besuchen – und dann trödelt das Kind auf dem Weg dahin herum, balanciert auf Mauern, entdeckt Pfützen und lässt sich nicht davon abhalten, hineinzutreten. Plötzlich dauert der Weg statt zehn Minuten eine halbe Stunde. Ziemlich nervig, oder? Doch was wir Erwachsene als vergeudete Zeit, vertane Kraft oder vermeidbares Risiko betrachten, ist für das Kind etwas ganz anderes. Wenn es auf der Mauer balanciert, macht es seine ersten naturgesetzlichen Erfahrungen mit der Schwerkraft. Und wenn es in eine Pfütze springt ... nun ja, welches Kind lässt sich schon davon abhalten? Auf jeden Fall nimmt es sich gerade Zeit für etwas, das ihm wirklich wichtig ist. Und Zeit zu haben, sich Zeit zu nehmen, ist entscheidend, wenn wir etwas lernen möchten, wenn wir uns bilden.

Bildung braucht Zeit – und ausreichend Bewegung

„Bildung“, so Prof. Renate Zimmer, „ist eben kein 100-Meter-Lauf, bei dem am Ende der Schnellste gewinnt.“ Bildung sei nichts, das man mal eben so im Schnelldurchlauf erwirbt, sondern vielmehr ein Prozess, der sich in der tätigen Auseinandersetzung mit der Welt ereignet. Da ist die Osnabrücker Erziehungswissenschaftlerin voll bei Wilhelm von Humboldts ganzheitlichem Bildungsideal. Dazu müssten aber alle Kräfte des Menschen angeregt werden – und „das geht nur, wenn wir etwas selber machen und nicht nur Dinge rezipieren“.

Bewegung sei dabei ganz elementar. Dadurch würden Aufmerksamkeit und Konzentration nicht gestört. Im Gegenteil: Wahrnehmung und Bewegung sind die entscheidende Grundlage dafür. Zumal bei kleinen Kindern, die sich die Welt erst noch mühsam erschließen müssen. Und diese Welt-Erschließung geschehe stets mit dem ganzen Körper: „Greifen führt zum Begreifen, Fassen zum Erfassen“, sagt Zimmer. Nicht umsonst heiße es, man sei von etwas ergriffen. Denn „was uns ergriffen macht, bleibt hängen“, mit der Bewegung werden die Nervenzellen angeregt und es bilden sich Synapsen.

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