Schorndorf

Lebensrettende Schiffsladungen

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War inzwischen selbst sechsmal in Bolivien: Michael Sandfort erzählt über die Projekte von „Arco Iris“. © Habermann / ZVW

Remshalden. Medizintechnik und andere Krankenhausausstattung im Wert von mehr als 500 000 Euro hat Michael Sandfort bereits nach Bolivien geschickt. Er nutzt seinen früheren Beruf, um sich für die Stiftung „Arco Iris“zu engagieren. Seine Hilfe sei „ein Tropfen auf den heißen Stein“ in dem bitterarmen Land in Südamerika, meint er selbst. Aber sie rettet Menschenleben, das zählt für ihn.

Video: Michael Sandfort aus Remshalden unterstützt die Stiftung Arco Iris und das Krankenhaus, das er mit Medizintechnik versorgt.

Michael Sandfort zeigt auf seinem Laptop ein Foto einer schwangeren Frau, deren Bauch gerade von einer Ärztin mit einem Ultraschallgerät untersucht wird – in Deutschland eine alltägliche Szene, doch in Bolivien ist sie etwas Besonderes. „Das war das erste Ultraschallgerät in der Einrichtung“, sagt Sandfort. Die hochschwangere Frau sah an diesem Tag zum ersten Mal ihr ungeborenes Kind. Aber natürlich geht es um mehr, als einer Mutter das Glück eines Blicks auf ihr Baby zu ermöglichen. Geräte wie dieses können im Notfall Leben retten. Michael Sandfort hat innerhalb von etwa zwei Jahren insgesamt vier große Schiffscontainer voller Technik, Einrichtung und Material auf den Weg über den Atlantik nach Bolivien geschickt, darunter Geräte wie einen Wehendruckmesser oder Beatmungsmaschinen für Frühgeborene.

Bolivien kennenlernen

Begonnen hat das Engagement des 68-Jährigen 2011, als er mit seiner Frau eine Reise durch Bolivien unternahm. Keine normale Pauschalreise, die Sandforts sagten sich: Wir wollen nicht in Vier-Sterne-Hotels wohnen, wir wollen das Land wirklich kennenlernen. Bei einem Freiburger Reisebüro buchten sie eine Tour, bei der man in Familien und sozialen Projekten übernachtet. Eines dieser Projekte war „Arco Iris“ (deutsch: Regenbogen), das der deutsche Pfarrer Josef Neuenhofer ins Leben gerufen hatte. Dazu gehörte auch ein Krankenhaus in La Paz. „Da habe ich gesagt: Vielleicht kann man da was machen“, erinnert sich Michael Sandfort.

Container mit Medizintechnik

Er hatte bis zum Ruhestand 38 Jahre in der Medizintechnik-Branche gearbeitet und jetzt nutzte er seine Kontakte, um zu sammeln. Der erste Container ging im Juli 2014 mit dem Schiff über den Atlantik. Drei weitere voll mit medizinischer Ausrüstung folgten seither. Den Wert des Inhalts, den Michael Sandfort nach Bolivien geschickt hat, beziffert er selbst auf mehr als eine halbe Million Euro. So viel hätte er bezahlen müssen, sagt er, wenn er die Dinge hätte kaufen müssen.

Es sind vor allem gebrauchte Geräte, die Sandfort zusammensammelt. Erst kürzlich hat er zum Beispiel die Einrichtung einer Schorndorfer Zahnarztpraxis verschifft, nachdem der Arzt in den Ruhestand gegangen war. Aber auch aus Kliniken bekommt er oft Ausrangiertes. „In Deutschland liegt Zeug in Kellern rum, das ist unglaublich“, sagt er. Betten, die hier im Krankenhaus rausgeschmissen würden, die würden in Bolivien taugen, um eine Privatstation auszustatten – wenn es so was dort geben würde.

In La Paz leben rund 35 000 Kinder auf der Straße

Trotz seines Reichtums an Bodenschätzen ist Bolivien heute ein bitterarmes Land. Seine politische Geschichte ist gezeichnet von Umstürzen. Michael Sandfort war inzwischen insgesamt sechsmal dort, bald bricht er von seinem Wohnort Rohrbronn das sechste Mal auf. Denn es reicht oft nicht, die Geräte nach La Paz zu schicken. Irgendjemand muss sie ja auch in Betrieb nehmen. Zwar seien die Ärzte dort sehr gut ausgebildet, sagt Sandfort, aber mit den Geräten haben sie keine Erfahrung und die Bedienungsanleitungen sind auf Deutsch.

Die Behandlung ist für Kinder kostenlos

In der Klinik, die Sandfort durch sein Engagement unterstützt, werden täglich bis zu 150 Patienten behandelt, viele davon Kinder. Kinder und Jugendliche bekommen die Behandlung kostenlos. In der Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt La Paz, wo das Krankenhaus steht, leben nach Angaben von „Arco Iris“ rund 35 000 Kinder auf der Straße. Für sie hat der aus Rottweil stammende Josef Neuenhofer 1994 seine Stiftung gegründet. Dazu gehören neben Gesundheitszentren wie dem angesprochenen Krankenhaus heute Ambulanzen, Wohnheime, Kinderhäuser und Mittagsküchen. Insgesamt betreut „Arco Iris“ rund 9000 Kinder, von denen etwa 900 in den Häusern der Organisation leben.

Handbestickte Grußkarten

Ein großes Ding also, zu dem Michael Sandfort einen nicht unwesentlichen Beitrag leistet. Nicht alleine, betont er, sondern mit der Unterstützung vieler wohlgesonnener Helfer und Spender sowie auch seiner Familie. Seine Frau unterstützt auch ein anderes Projekt, die „Stickfrauen“ von Cochabamba. Die mit bunten Motiven handbestickten Grußkarten, die sie produzieren, verkauft sie hier im Remstal. Der Erlös geht komplett an die Frauen.

Im Großen können alle diese Projekte Bolivien nicht ändern und aus seiner Armut bringen, das weiß Michael Sandfort. Davon lässt er sich aber nicht abhalten. „Wenn durch die ganze Aktion nur ein paar Kinder weniger gestorben sind – dann haben wir nichts falsch gemacht“, sagt er. Im Gegenteil: „Wenn du siehst, was die Leute daraus machen, wenn du ihnen hilfst, dann sagst du: Du hast alles richtig gemacht.“

Vortrag am Freitag

An diesem Freitag, 28. Oktober, stellt Michael Sandfort die Stiftung „Arco Iris“, sein Engagement und andere Hilfsprojekte im Jazzclub Session 88 mit einem Bildvortrag vor. Beginn ist um 20.30 Uhr.

Infos zu „Arco Iris“ gibt es auch auf www.arco-iris-stiftung.org.