Schorndorf

Lebensretter im Ehrenamt

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Bereitschaftsleiter Josef Herbert ist DRKler seit frühester Jugend. Mittlerweile ist er in Rente – aber nach wie vor im Einsatz. © Ralph Steinemann Pressefoto

Schorndorf. 15 000 Stunden waren die Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes in Schorndorf vergangenes Jahr im Einsatz. Auf Stadtfesten, bei Sportveranstaltungen, Senioren-Hausbesuchen, in der Kleiderkammer oder bei Blutspendeterminen verrichteten sie ihren Dienst. Damit dies auch in Zukunft noch möglich ist, braucht die Hilfsorganisation mehr aktive Mitglieder.

Über Nachwuchssorgen kann sich Bereitschaftsleiter Josef Herbert eigentlich nicht beklagen. Von einem knappen Dutzend ist die Zahl der Jugendrotkreuzler auf mittlerweile 25 angestiegen. „Sehr stolz“ sei er auf das, was der Ortsverband in den letzten Jahren hier geschafft hat.

Zeltlager, Freizeitprogramme, Sozialarbeit

Die Jugendabteilung ist beileibe nicht nur für Zeltlager und Freizeitprogramme zuständig. Spielerisch werden die jungen Helfer dort auch an die Arbeit als Sanitäter herangeführt. Sie proben bei realistischen Unfalldarstellungen für den Ernstfall. Frühestens mit 16 Jahren können sie dann - eine Ausbildung als Sanitätshelfer vorausgesetzt - im Bereitschaftsdienst aktiv werden. Dass dies gerade bei den jungen Schorndorfern häufiger vorkommt, freut Herbert.

Ein anderer Bereich, die Sozialarbeit, bereitet dem 64-Jährigen hingegen Kopfzerbrechen. Zu dessen Aufgabengebiet gehören Seniorennachmittage, Gedächtnistrainings oder Wassergymnastik. Seit einem Jahr werden auch aktivierende Hausbesuche angeboten, bei denen DRKler Senioren einmal in der Woche aufsuchen und mit ihnen reden oder Gymnastik machen. „Da brauch’ ich Nachwuchs“, sagt Herbert.

Nur zehn Aktive teilen sich die Aufgaben im Moment – und dass die 77-jährige Helga Bayer den Bereich nicht mehr allzu lange leiten werde, sei auch absehbar. Ideal für die Aufgaben, bei denen vor allem Einfühlungsvermögen notwendig ist, seien Frauen ab 45, sagt Herbert. Die mittleren Jahrgänge zwischen den alten Hasen wie Herbert und dem Nachwuchs in der DRK-Jugend seien aber generell nur schwach vertreten.

Begeisterung für das Rettungswesen

Der Bereitschaftsleiter selbst denkt noch lange nicht ans Aufhören. Mittlerweile ist der frühere hauptamtliche Mitarbeiter zwar in Rente, ehrenamtlich aber weiterhin aktiv und für die Bereitschaft sieben Tage die Woche stets erreichbar. Als 13-Jähriger kam er zum ersten Mal mit dem Roten Kreuz in Berührung, seitdem hat ihn die Begeisterung für das Rettungswesen nicht mehr losgelassen.

So wie rund 100 weitere Schorndorfer, die aktiv und ehrenamtlich Dienst beim Roten Kreuz leisten, Fortbildungen besuchen und ihre Abende und Wochenenden mit Einsätzen bei Festen oder Sportveranstaltungen verbringen. 93 Sanitätsdienste haben die Rotkreuzler allein im vergangenen Jahr absolviert.

Wer sich im Roten Kreuz engagiert, muss nicht zwingend sofort als Sanitäter arbeiten. Auch sonst gibt es dort eine Menge zu tun. Etwa in der Schorndorfer Kleiderstube. Als 2015 besonders viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, war sie kreisweit über Wochen und Monate die Drehscheibe schlechthin für die textile Erstversorgung der Neuankömmlinge.

Gesucht werden auch sogenannte Helfer vor Ort

Inzwischen hat sie sich für alle Bedürftigen geöffnet. Herbert, der schon in manchem altersverarmten Haushalt zu Gast war, findet das wichtig und richtig. „Da muss man mehr tun.“ Auch wenn die Kriegsgeneration oft zu stolz sei, um sich helfen zu lassen.

60 Prozent der Kleidung, die bei der Kleiderstube eintrifft, ist übrigens aussortierte Neuware. Der Rest kommt von Privatpersonen und wird von den DRKlern sortiert und gewaschen, bevor er gegen eine geringe Gebühr an Bedürftige verkauft wird.

Gesucht werden letztlich auch sogenannte Helfer vor Ort (HVO). Das sind gut ausgebildete Ersthelfer aus der Nachbarschaft, die im Ernstfall alarmiert werden und Patienten überbrückend versorgen, bis Notarzt oder Rettungsdienst eintreffen.

Sie sollen immer dann zum Einsatz kommen, wenn das Rettungsfahrzeug von einer entfernten Wache kommt oder noch im Einsatz ist. Ab Oktober wird es mindestens fünf solcher HVOler in Schorndorf geben, die dafür spezielle Rettungsrucksäcke mit medizinischem Gerät vom Roten Kreuz bekommen.

Remstal-Gartenschau wird eine Herausforderung für das DRK

Im kommenden Jahr dürfte das DRK wohl besonders häufig zum Einsatz kommen. Denn dann ist Remstal-Gartenschau – und die bringt nicht nur viele Besucher, sondern auch zahlreiche Veranstaltungen nach Schorndorf. „Das wird eine große Herausforderung“, sagt Herbert. Wenn mehr als 150 Besucher zu erwarten sind, ist die Anwesenheit eines Sanitätsdienstes notwendig. Allerdings sind viele der Veranstaltungen tagsüber und unter der Woche – und die Sanitäter in aller Regel berufstätig.

Herbert würde sich daher freuen, wenn von den aktuell 1700 Fördermitgliedern in Schorndorf der eine oder andere zu den Aktiven wechselt – und damit die Idee des Rot-Kreuz-Gründers Henry Dunant, dessen Geburt vor 190 Jahren am heutigen Dienstag gefeiert wird, weiterträgt.


Blutspenden, Jugendrotkreuz und Kleiderstube

Der nächste Blutspendetermin ist am Mittwoch, 20. Juni, in der Weilermer Brombachhalle, Jahnstraße 37. Gespendet werden kann von 14 bis 19.30 Uhr.

Die DRK-Jugend trifft sich jeden Dienstag ab 18 Uhr im Rotkreuz-Heim in der Lortzingstraße 48.

Jeden Freitag von 14 bis 16 Uhr sowie jeden zweiten Samstag im Monat von 11 bis 14 Uhr ist die Kleiderstube geöffnet. Textile Spenden können mittwochs und donnerstags zwischen 17 und 19 Uhr sowie freitags und samstags von 13 bis 18 Uhr abgegeben werden.

Geld-Spenden bitte an die Kontonummer DE89 6025 0010 0005 0055 98.