Schorndorf

Leerstände: Ist Tempo 30 eine Lösung?

1/2
Ortsmitte Grunbach_0
Die Grunbacher Ortsmitte am Reinhold-Maier-Platz: Im linken Gebäudeteil neben der Volksbank steht nach dem Auszug des Blumenladens seit Monaten eine große Ladenfläche leer. © Schneider / ZVW
2/2
LeereLaeden
Der jüngste Leerstand in Grunbach: die geschlossene Filiale der Bäckerei Mack. © Gaby Schneider

Remshalden. Nach der Schließung der Filiale der Bäckerei Mack, steht in Grunbach eine weitere Ladenfläche leer. Für die ehemaligen Räume der Schiller-Apotheke und der BW-Bank deutet sich jetzt immerhin eine neue Nutzung an. Die HGV-Mitglieder Susanne Hagenlocher und Lennard Volk blicken jedoch insgesamt mit Sorgenfalten auf die Entwicklung in den Ortskernen und halten verkehrsberuhigende Maßnahmen für nötig.

Die BW-Bank ist aus ihren Räumen in der Reinhold-Maier-Straße 5, gegenüber von der Bäckerei Schreiber in Grunbach schon lange ausgezogen. Jetzt gibt es dafür offenbar endlich eine neue Nutzung: Wie Bürgermeister Reinhard Molt im Gespräch mit unserer Zeitung andeutet, liegt der Gemeinde ein Baugesuch für eine Bar mit Lounge vor. „Das ist baurechtlich zulässig in dem Bereich, deswegen werden wir dort auch keine Steine in den Weg legen“, sagt er.

Gleiches gilt laut Molt für die ebenfalls schon länger leerstehenden Räume der Schillerapotheke in der Schillerstraße 2 in Grunbach. Hier liegt der Gemeindeverwaltung ein Antrag für eine Büronutzung vor.

Noch nichts Neues gibt es beim jüngsten Leerstand in der Grunbacher Ortsmitte zu vermeiden: Nachdem die Bäckerei Mack ihre Filiale Anfang des Jahres geschlossen hat, ist die 122 Quadratmeter große Ladenfläche (Verkaufsfläche insgesamt 82 Quadratmeter) jetzt zum Verkauf. Für 180 000 Euro wird sie auf einschlägigen Immobilienportalen im Internet angeboten.

Molt: Jede Nutzung besser als ein Leerstand

Alle drei genannten Beispiele liegen an sehr zentraler Stelle im Grunbacher Ortskern, genauso wie die freien Räume im Gebäude zwischen Schul-, Olga- und Schorndorfer Straße. In dem Komplex, in dem auch die Volksbank ihre Filiale hat, war ganz früher eine Drogerie, dann zwischenzeitlich ein Blumenladen, der aber nun auch schon länger ausgezogen ist. An der Scheibe hängt ein Schild: „Zu vermieten“. Nach Informationen unserer Zeitung gibt es dafür derzeit keine konkreten Interessenten.

Für Bürgermeister Reinhard Molt wäre der ideale Mieter an der Stelle eine Bäckerei mit einem Café. Generell meint er jedoch: Jede Nutzung – von Etablissements wie Spielhallen oder Wettbüros mal abgesehen – sei besser als ein Leerstand. Er sieht verschiedene Schwierigkeiten, was die Ladenflächen in den Remshaldener Ortskernen angeht. Zum Beispiel sei die geringe Größe oft ein Hindernis für potenzielle Interessenten. Ein Problem sieht er auch in der Anzahl der geforderten Auto-Stellplätze, auf die der Gemeinderat immer Wert lege. Er sehe das anders als die Mehrheit der Räte: „Da muss man innerorts großzügig sein“.

Die Bürger haben Tempo 30 bereits einmal abgelehnt

Lennard Volk Ausschussmitglied des Handels- und Gewerbevereins (HGV) sieht noch ein anderes Problem: „Die Ungewissheit mit Situation mit der neuen Mitte.“ Diese beim Rathaus in Geradstetten zu entwickeln, dort Einzelhandel anzusiedeln und gleichzeitig die Ortskerne zu stärken, das hält er für „schwierig“. „Man kann nicht alles machen“, sagt er. Die Konzentration auf die Neue Mitte blockiert für ihn eine Entwicklung der Ortskerne.

„Meiner Meinung nach ist das Thema Verkehr ein ganz wichtiges“, sagt Lennard Volk. So sieht es auch seine HGV-Kollegin Susanne Hagenlocher, die mit ihrem Mann Jürgen Hagenlocher in Grunbach ein Elektro-Fachgeschäft betreibt. „Die Leute finden es nicht schön, in Grunbach einzukaufen“, sagt sie. „Wir müssen da unbedingt was tun.“ In ihren Augen würde zum Beispiel eine Temporeduzierung auf der Ortsdurchfahrt dazugehören.

Diese scheiterte vor einigen Jahren daran, dass die Gemeinde eine Bürgerbefragung machte und die Mehrheit dagegen war, Tempo 30 auf bestimmten Abschnitten der Ortsdurchfahrten von Grunbach, Gerad-stetten und Hebsack einzuführen. Susanne Hagenlocher hat damals jedoch die Erfahrung gemacht, dass vielen Tragweite und Sinn einer solchen Maßnahme nicht bewusst gewesen seien. Sie sei auf viel Ablehnung gestoßen, die aber gebröckelt sei, sobald sie die Hintergründe erklärt habe.

Zusätzlich bauliche Maßnahmen

Das Thema betrifft nicht nur die Kunden der Läden, sondern auch Schüler und Kindergartenkinder, die im Bereich der Ortsmitte die Straße queren, da sind sich die HGV-Mitglieder und Bürgermeister Reinhard Molt einig. Für ihn ist der Lärmaktionsplan ein Hebel, wie eine mögliche Tempo-30-Regelung wieder angegangen werden kann. Der Aktionsplan wird derzeit erarbeitet, dabei wird betrachtet, wie sehr der Verkehrslärm der B 29 und der Kreisstraße, die durch die Remshaldener Ortsteile im Tal, führt die Anwohner belastet. Sollte sich herausstellen, dass für die Ortsdurchfahrten Handlungsbedarf bestehe, dann wäre der Landkreis als Straßenbaulastträger gefordert, so Reinhard Molt.

Für Lennard Volk wären in der Grunbacher Ortsmitte und genauso in Geradstetten jedoch nicht nur Tempo-30-Schilder, sondern auch bauliche Maßnahmen nötig, um den Verkehr zu bremsen und den Bereich fußgängerfreundlicher zu machen. Für Grunbach denkt Volk zum Beispiel an einen Kreisverkehr.

Grunbach nicht im Fokus

Da gibt sich der Bürgermeister allerdings sehr defensiv. Wenn die Kosten für so eine Maßnahme bei der Gemeinde hängenblieben und der Kreis als Straßenbaulastträger keine Notwendigkeit sehe, sich zu beteiligen, dann werde es schwierig. Und schließlich sei es noch gar nicht lange her, dass die Grunbacher Ortsmitte saniert und der Reinhold-Maier-Platz geschaffen worden sei. „Grunbach ist nicht primär im Fokus“, sagt Reinhard Molt. Bauliche Maßnahmen kann er sich eher in Geradstetten und Hebsack vorstellen, konkret, was die dort teilweise sehr schmalen Gehwege angeht. Doch auch hier: „Es geht darum, dass wir das finanziert bekommen.“ Deswegen sei entscheidend, dass man den Ortskernsanierungsbereich weiter genehmigt bekomme.


Gewerbliche Nutzung für Geradstettener Kelter?

Viel Aufmerksamkeit und Lob gibt es derzeit von allen Seiten für das, was Martin Bühler in Geradstetten aus einer alten Scheune und ihrem Umfeld an der Hauptstraße beim „Stritzelbäck“ macht. Er hat den alten Kasten zu einer „Kulturscheune“ für Veranstaltungen umgebaut und schafft daneben auch einen kleinen Platz für Sitzgelegenheiten des benachbarten Bäckers.

Die Gemeinde fördere und unterstütze über das Landessanierungsprogramm diese Maßnahme, sagt Bürgermeister Reinhard Molt, dabei sei man „an die Obergrenze“ gegangen. Solche privaten Initiativen hätten die Unterstützung der Gemeinde sicher. Und: So eine Initiative kann er sich zum Beispiel für die Alte Kelter in Geradstetten vorstellen.

Eine gewerbliche Nutzung der Kelter hält Molt für denkbar. Als Veranstaltungsort brauche man sie nicht unbedingt. „Wir haben das Rathaus, wir haben die Enßle-Halle. Wir sind nicht auf die Kelter angewiesen.“ Ohnehin seien dort nur wenige Veranstaltungen im Jahr und den Großteil der Zeit nutze der Bauhof das Gebäude als Lagerfläche.


Unterstützung

Ansprechpartnerin für Vermieter und potenzielle Mieter bei Gewerbeflächen ist bei der Gemeinde Kämmerin Gaby Scheidel: 0 71 51/9 72 31 12 00, E-Mail an g.scheidel@remshalden.de.

Sie geht auch aktiv auf Eigentümer zu und fragt, ob die Gemeinde Unterstützung bei der Suche nach einem passenden Mieter geben kann.