Schorndorf

Lichtkunst: Hingucker und Klangerlebnis

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Lichtkunst als roter Faden: Hier taucht die Videokünstlerin Julia Voit das Dacehgeschoss des Kübler Areals mit einer Licht-Klang-Installation in grünes und violettes Licht. © Schneider/ZVW
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Blick in den Ausstellungsraum von Annette Schock und Hardy Langer im Schock-Areal © Schneider/ ZVW
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Neu: Kunst im Kübler-Areal. © Schneider/ ZVW
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Büro Formteam: Ausstellung von Guido Messer. © Schneider/ ZVW

Schorndorf.
57 Anlaufpunkte, 57 Orte der Kunst, in der Stadt und an ihren Rändern. Die Kunstnacht ist bei ihrem 15. Jubiläum längst eine Marke, ein Erfolgsmodell. 80 Künstler hätten laut Alexa Heyder vom Kulturforum mitmachen wollen, aber man setzte eine Obergrenze – und hat den Flyer-Stadtplan für Auswärtige extra erweitert.

Es hat geregnet während der 15. Schorndorfer Kunstnacht. Aber das war kaum ein Problem. Mathias Klopfers Lieblingsveranstaltung, so der OB in seiner Eröffnungsansprache, ein fester Termin in seinem Kalender, ist nämlich keine Kunstsafari, keine „Hoppetse“, kein haltloses Hüpfen von Event zu Event. Man könne ohnehin nicht alles sehen, so Peter Kuhnle vom Kulturforum. Sondern solle auswählen, sich Zeit nehmen für das Besondere. Und dann ist da ja noch der Bus-Shuttle-Service, der am Samstag die Regenbeschirmten zu den Stationen brachte.

Ursula Binder kommt aus Göppingen seit Jahren zum Kunst-Hopp nach Schorndorf, trifft ihre Freundin Dagmar Bode. Beide suchten sich schon vorher anhand des immer aufwendiger gestalteten Flyers – ihn zusammenzufalten ist mittlerweile selbst eine Kunst! – „das Beste“ aus, so Binder. Das wisse man halt, vom Hörensagen und erfahrenen Einschätzen. Irgendwas gebe es an den Standorten ohnehin immer, was zu Essen oder Musik. Oder eben die besondere Kunst, das außergewöhnliche Happening, die interessante Installation.

So wie draußen am Stadtrand im Atelier Risslerin, wo die Kunsttherapeutin Lydia Feulner-Bärtele eine „urbane Collage“ zeigt, entstanden in Gemeinschaftsarbeit mit einem Videokünstler, während draußen ihr Gatte Dietmar (Gitarre) mit dem Keyboarder Karl Auder sphärische Klänge zu Dada-Texten spielt – kann man nicht näher beschreiben, muss man erlebt haben! (Video auf atelier-risslerin-18a.de).

Dafür gibt es laut Alexa Heyder die Kunstnacht: Dass sich die Schorndorfer Szene in all ihren Facetten präsentiert. Mit, natürlich, diversen Gastkünstlern aus aller Welt, aber doch als riesiges Schaufenster Schorndorfer Kunst. Und allein deshalb, weil viele immer wieder kommen, mit immer wieder was Neuem, auch an Arealen: Diesmal steht neben dem Röhm- und dem Schock- erstmals das Kübler-Areal zur Verfügung, wo neben Exponaten der Russin Yana Duga und des Bildhauers Guido Messer auch Julia Voit Licht-Klang-Installationen zeigt.

Die Kulturforum-Geschäftsführerin kann sich an ihre erste Kunstnacht 2008 erinnern, mit deutlich weniger Künstlern. Mittlerweile sei man in jeder Hinsicht „ziemlich nah dran am Optimum“. Was sich nicht zuletzt an den Installationen anlässlich des Lichtkunstfestivals der Kulturregion Stuttgart zeige: Drei davon wurden am Samstag eröffnet, bei der Kunstnacht gab es die Möglichkeit, durch eine Führung alle drei zu sehen. Mehr als in allen anderen Städten der Kulturregion außer Stuttgart, wo es sieben Lichtkunst-Orte gibt, während in den meisten der 25 Städte nur einer existiert.

Die Lichtkunst war der rote Faden der Kunstnacht

Das Thema Lichtkunst sei so etwas wie der rote Faden der Kunstnacht, so Heyder, sonst gebe es kein besonderes, alles umspannendes Motto. Eines war dennoch auszumachen: das Thema Würde in zwei Gotteshäusern, der katholischen Heilig-Geist- und der evangelischen Stadtkirche, eine ökumenische Kunst-Kooperation mit der Protestantin Kathrin Feser in Heilig Geist und der Katholikin Marlies Spiekermann in der Stadtkirche (siehe Infobox). Eine laut Pfarrerin Dorothee Eisrich ganz selbstverständlich und problemlos gelebte Ökumene zum Thema „Würdig und aufrecht gehen“ auch im Privaten, im Persönlichen, nicht allein Politischen. Ein Thema, das nach künstlerischer Verarbeitung schreit. Und beim Kunstprojekt „Meine Würde tanzt“ in der Stadtkirche, mit seinen stillen, beschaulichen Momenten, einen meditativ-kontemplativen Kontrast zum bunten Treiben der Kunstnacht draußen ermöglicht.

"Meine Würde tanzt" in der Stadtkirche
Leise ertönen sphärische Klänge, schwellen dann an, erfüllen zunehmend das Kirchenschiff. Bis Dr. Angelika Daiker als „Vortänzerin“ mit ausholenden Armbewegungen erst einzelne Gebärden und Gesten zeigt, einen Tanz der Würde schließlich, ein bewusstes Schreiten und Strecken und Schützen des ganzen Körpers – und schließlich immer mehr im Kirchenraum von ihren Bänken aufstehen, sich an den Händen fassen und ganz langsam hinter den Altar in die Ausstellung mit Bildern von Marlies Spiekermann geführt werden.

Ganz nah ran an die Acrylbilder mit biblischen Frauengestalten, deren feminine Kraft und Würde in Farben und Formen sinnlichen Ausdruck fanden – eine außergewöhnliche Ausstellungsführung, so direkt wie deutlich dran am Thema. Spiekermann hat sich mit feministischer Theologie befasst, arbeitete lange weltweit in der Entwicklungshilfe. Machte so Erfahrungen mit dem Thema vor allem weiblicher Würde, das sie anhand biblischer Frauengestalten wie Magdalena, Hannah oder Miriam gestaltete. Um dabei beispielsweise herauszufinden, dass Ruth zu ihrer Zeit ein Wirtschaftsflüchtling war, wie Spiekermann im Gespräch sagt.