Schorndorf

Lidl darf anbauen - Drogeriemarkt noch Zukunftsmusik

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Wo links neben dem Gebäude noch Parkplatz ist, will Lidl demnächst anbauen. © ZVW/Sarah Utz

Urbach. Der Discounter Lidl wollte seinen Standort in der Urbacher Ortsmitte schon länger erweitern. Jetzt hat der Gemeinderat grünes Licht für eine Ausbau-Variante gegeben, die zwar 14 Parkplätze kostet, aber zum Beispiel ein Kunden-WC ermöglicht. Die Frage ist jetzt noch, ob als Ersatz neue Parkplätze im Größenwiesenweg angelegt werden, wo, so der Wunsch der Gemeinde, irgendwann auch ein Drogeriemarkt angesiedelt werden könnte.

Lidl will durch die Erweiterung des Marktgebäudes in Richtung Nordwesten Platz schaffen, um eine Backnische einzubauen, wie der Urbacher Bauamtsleiter Rolf Koch in dieser Woche im Gemeinderat erklärte. Insgesamt will der Discounter seine Filiale modernisieren. Die geplanten Umbauten hätten auch zur Folge, dass die Pfandflaschenrückgabe neben den Markteingang rückt und an ihren bisherigen Platz Sozialräume für die Mitarbeiter kommen. Außerdem soll eine Kundentoilette Platz finden.

Diese Variante des Ausbaus haben Lidl und die Urbacher Gemeindeverwaltung so vereinbart, nachdem Lidl zuvor bereits mehrfach mit anderen Plänen an der Zustimmung des Gemeinderats gescheitert ist. Voraussetzung für die Umsetzung ist eine Änderung des Bebauungsplans.

Der Drogeriemarkt ist noch Zukunftsmusik

Jetzt hat der Gemeinderat bei vier Gegenstimmen grünes Licht für die Erweiterung und die Bebauungsplanänderung gegeben. Offen bleibt noch, wie mit den 14 durch den Anbau wegfallenden Parkplätzen umgegangen wird. Die Idee, die sich aus einer Vorberatung im Technischen Ausschuss ergeben hat, ist die, eine freie Fläche an der Ecke Friedhofsstraße/Größenwiesenweg zum Parkplatz auszubauen und dazu mit Lidl einen Pachtvertrag abzuschließen.

Damit, so die Überlegung, würden später, bei einer möglichen Ansiedlung eines Drogeriemarktes in der Urbacher Mitte, für diesen auch gleich Parkplätze zur Verfügung stehen. Dieser Drogeriemarkt ist allerdings noch Zukunftsmusik. Das rund 1800 Quadratmeter große Areal, das die Verwaltung dafür im Blick hat, zwischen Größenwiesenweg und Hauptstraße, ist derzeit noch bebaut mit nicht mehr genutzten landwirtschaftlichen Gebäuden und noch bewohnten Wohnhäusern und gehört nicht der Gemeinde. Bauamtsleiter Rolf Koch sagt: „Wir hätten gerne in räumlicher Nähe zum bestehenden Einkaufszentrum einen Drogeriemarkt.“

Entwicklungsfläche in der Hinterhand

Was nun die Parkplätze im Größenwiesenweg als Ausgleich zu den wegfallenden beim Lidl angeht, ist noch offen, ob diese Lösung überhaupt möglich ist. Bisher gehört die etwa 680 Quadratmeter große Fläche baurechtlich zu einem Wohngebiet, ist also ein Bauplatz für ein Wohnhaus. Die Gemeinde habe den Platz nie veräußert, weil man sich an der zentralen Stelle eine Entwicklungsfläche in der Hinterhand behalten habe wollen, so Rolf Koch. Um dort allerdings nun Parkplätze anzulegen, die die Lidl-Kunden nutzen können, braucht es ebenfalls eine Bebauungsplanänderung. Dazu gehört dann auch zwingend ein Lärmgutachten, in dem untersucht wird, ob die Geräuschpegel der parkenden Autos die geltenden Lärmgrenzwerte für die direkt angrenzenden Wohnhäuser einhalten. Ist das nicht der Fall, können dort auch keine Parkplätze angelegt werden.

Manche Gemeinderäte äußerten jedoch Zweifel, ob die zusätzlichen Parkplätze derzeit überhaupt gebraucht werden beziehungsweise an der Stelle sinnvoll sind. Joachim Habik (SPD) sagte, er habe sich die Parkplatzsituation angeschaut und festgestellt, dass auch zu den Stoßzeiten, zum Beispiel samstags, noch genügend Parkplätze frei seien. Auch andere Räte äußerten sich ähnlich. Ursula Jud (Freie Wähler) zweifelte wie auch einige andere daran, dass die Parkplätze im Größenwiesenweg, in einiger Entfernung zum Lidl-Markt, überhaupt genutzt werden. „Den Einkaufswagen so weit durchzuschieben, erscheint uns in der Praxis etwas unrealistisch.“ Für eine bessere Lösung hält sie, dass die Mitarbeiter am Größenwiesenweg ihre Parkplätze bekommen.

Bürgermeisterin Martina Fehrlen stimmte dieser Einschätzung zu und meinte: „Das ist bestimmt keine bevorzugte Parklage.“ Mit dem in die Zukunft gewandten Zusatz: „Solange es keinen Drogeriemarkt in der Nähe gibt.“

Fahrradstellplätze anstatt zusätzlicher Autostellplätze?

Joachim Habik brachte den Vorschlag, erst einmal ohne die zusätzlichen Parkplätze zu planen und sie später einzurichten, wenn sich zeigt, dass man sie braucht. Das sei nicht möglich, sagte Martina Fehrlen darauf: „Jetzt ist der Zeitpunkt, um diese Forderung einzubringen.“ Lidl brauche die zusätzlichen Parkplätze nicht. Man könne sie nur jetzt als Voraussetzung für die Bebauungsplanänderung für die Markterweiterung fordern, später habe man dazu keinen Ansatzpunkt mehr.

Kategorisch gegen die zusätzlichen Parkplätze auf dem bisherigen Baugrundstück im Größenwiesenweg sprachen sich die Urbacher Grünen aus. Außerdem stimme die Fraktion gegen die Lidl-Erweiterung an sich, erklärte Burkhard Nagel, weil der Discounter damit noch enger auf das Wohngebiet „Urbacher Mitte“ rücke. Statt mehr Parkplätzen hält er überdachte Fahrradstellplätze für wünschenswert.

Diese Rad-Parkplätze fände auch Siegrun Burkhardt sinnvoll, die zusätzlichen Auto-Stellplätze eher nicht. Die Lidl-Erweiterung findet sie dagegen gut. „Eine weitere öffentliche Toilette ist absolut zu begrüßen“, sagte sie, auch mit Blick auf die Remstal-Gartenschau 2019.

Urbach-Nord

Hat die Lidl-Erweiterung Einfluss auf die Einkaufssituation in Urbach- Nord? Diese Frage stellte ein Urbacher in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats.

Antwort von Bürgermeisterin Martina Fehrlen: „Wir sehen keine Auswirkungen auf die Einkaufssituation in Urbach-Nord.