Schorndorf

Liebe zur Musik mit Tiefgang

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Elene Meipariani, Josefa Schmidt und Svenja Schmidt-Rüdt (von links) sind versunken in die Musik: Sie spielen das Klaviertrio von Smetana, ein von Melancholie getragenes Stück, das der Komponist seiner verstorbenen Tochter gewidmet hat. © Palmizi / ZVW

Remshalden/Winterbach. Sie sind mehrfach preisgekrönt, solo und als Trio, jüngst sind sie Bundessieger beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ geworden. Elene Meipariani, Josefa Schmidt und Svenja Schmidt-Rüdt haben sich der klassischen Musik verschrieben. Leider, stellen die 18-Jährigen fest, sind sie damit in ihrer Altersklasse eher Ausnahmen.

Geht man irgendwo in ein Konzert, bei dem klassische Musik gespielt wird, überall das gleiche Bild: Ältere Damen und Herrschaften füllen die Zuschauerreihen. So beschreibt Svenja Schmidt-Rüdt ihren Eindruck. Wenn sie zum Beispiel in die Liederhalle nach Stuttgart geht, dann ist sie mit Abstand die Jüngste im Saal. „Das Publikum stirbt aus“, bringt sie eine bedenkliche Entwicklung für die sogenannte ernsthafte Musik auf den Punkt. Die Jungen gehen nicht in klassische Konzerte. Ihre Freunde würden immer sagen, sie solle Bescheid geben, wenn sie irgendwo spiele. Aber kommen würde kaum mal jemand.

Die 18-Jährige aus Filderstadt-Harthausen sitzt mit ihrem Cello vor sich im Musikzimmer im Keller des Hauses der Familie Meipariani im Remshaldener Ortsteil Rohrbronn. Svenja Schmidt-Rüdt, Elene Meipariani und Josefa Schmidt treffen sich dort regelmäßig zum Proben und gehen einer Leidenschaft nach, die vielen in ihrer Generation fremd ist. Ihren Altersgenossen, so die Diagnose der drei, fehle der Bezug zur klassischen Musik. Und wenn der nicht mindestens in Grundzügen vorhanden sei, dann sei es auch schwer, überhaupt einen Zugang zu finden. Denn: Diese Musik ist eben nicht so einfach zugänglich, ihre Schönheit, das, was sie transportieren will, das erschließt sich nicht im flüchtigen Hören.

„Es gibt immer mehr Lieder in den Charts, die einfach so dämlich sind“, findet Josefa Schmidt. „Wenn die Leute nur so was hören, verlieren sie auch die Fähigkeit, richtig zuzuhören.“ Die Winterbacherin hört durchaus auch Popmusik, Birdy, Adele, Zaz oder Älteres von den Beatles und Pink Floyd, zur Entspannung, als Hintergrundgedudel beim Lernen – oder beim Autofahren: „Da kann ich gar keine klassische Musik hören.“ Neben klassischer Musik hat gleichzeitig nichts anderes mehr Platz: „Da konzentriere ich mich zu stark darauf.“

Alle haben schon früh angefangen, ein Instrument zu spielen

Die drei jungen Frauen sind alle schon früh mit Musik in Verbindung gekommen. Elenes Eltern sind beide Musiker und Musiklehrer an der Freien Musikschule Engelberg (die Preisträger bei „Jugend musiziert“ am Fließband hervorbringt, so wie jetzt wieder Josefa Schmidt und Svenja Schmidt-Rüdt, die beide dort als Schülerinnen waren). Elene Meipariani hat mit fünf Jahren angefangen, Geige und Cello zu spielen. Svenja kam mit sechseinhalb zu ihrem ersten Cello. Davor war sie mit ihrer Mutter in einem klassischen Konzert und ein Cellist begeisterte sie so sehr, dass sie das Instrument unbedingt spielen wollte. Josefa Schmidt hat erst Geige gespielt, ab dem Alter von fünfeinhalb Jahren dann Klavier. Ihre Eltern sind keine Berufsmusiker, sind aber auch musikalisch. Ihre Schwester ist Geigerin und war ihr vorbildgebend.

Heute sind die drei so gut, dass sie solo und als Trio Preise gewinnen. Beim Bundesfinale von „Jugend musiziert“ in Kassel holten sie dieses Jahr die volle Punktzahl und sogar noch einen Sonderpreis. Elene gewann zudem einen ersten Preis mit ihrer Geige in einer Einzelwertung.

Dafür üben und arbeiten sie viele Stunden in der Woche. Elene Meipariani hat sich von den festen Schulzeiten frei gemacht und bereitet sich über eine Fernschule auf ihr Abitur vor. Stattdessen ist sie im Vorstudium an der Musikhochschule Stuttgart. Josefa ist ebenfalls als Jungstudentin dort eingeschrieben und gerade dabei, auf dem Burggymnasium ihr Abitur zu machen. Svenja macht nächstes Jahr Abi. An Schultagen, sagt die 18-Jährige, sei es manchmal schon schwierig, viel zu üben: „Meistens komme ich abends heim und möchte mich nur noch ins Bett legen.“ Ja, bestätigt, Josefa, nach einem langen Schultag sei es schon manchmal schwer, sich aufzuraffen. Aber, ergänzt Svenja, wenn man dann dran sitze, mache es doch wieder Spaß.

Musik bestimmt viel in ihrem Leben, aber nicht alles. Josefa geht zum Beispiel einmal die Woche tanzen, Modern Dance. Das brauche sie als Ausgleich, sagt sie, weil sie sonst nur sitze, ob in der Schule, am Schreibtisch oder am Klavier. Auch Freunde sind ihnen wichtig. Unter Menschen zu kommen, das sei nötig, sonst verkümmere man, sagt Elene.

Klar ist für alle drei, dass sie die Musik zu ihrem Beruf machen wollen. Dabei sind sie aber frei von Illusionen. Nur vom Musikspielen, von Konzerten leben, das geht nicht. Man muss vielseitig sein und zum Beispiel auch Musikunterricht geben. Denn: Im Verhältnis zum kaum noch nachwachsenden Publikum für klassische Konzerte gibt es trotzdem noch viele Musiker.

Im September geben sie als Trio ein Konzert in Marburg an der Lahn, das Programm ist abendfüllend. Sie bekommen eine Gage dafür, doch angesichts der Arbeit, die für die 90 Minuten Programm nötig ist, sagt Svenja: „Wenn man das umrechnen würde auf einen Stundenlohn, dann würde sich das nicht lohnen.“ Aber: „Wir machen das ja, weil es Spaß macht.“

Musik, das ist eine Gefühls- und Kopfsache gleichermaßen. „Es geht so nah und so tief, das kann man gar nicht in Worte fassen!“ Elene unterstreicht ihre Worte heftig gestikulierend. Was in so einem Buch mit Noten drinstecke, was für ein Können und eine Genialität des Komponisten: „Es ist so schade, dass die Leute das nicht verstehen wollen.“

Klar, geben die drei Ausnahmemusikerinnen zu, es ist schon auch nicht immer ganz einfach. „Wenn man sich anschaut, was Bach geschaffen hat, da braucht man Jahrzehnte, um das zu verstehen“, sagt Svenja. Aber so schwer sei es dann doch auch nicht. „Man muss sich einfach mal drauf einlassen“, sagt Elene.

Konzert-Termine

An diesem Freitag spielten die drei Musikerinnen das Preisträgerkonzert des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ in Karlsruhe. Der Radiosender SWR 2 hat das Konzert aufgezeichnet. Es ist am 27. September um 13 Uhr im Mittagskonzert auf dem Sender zu hören.

Ein Heimspiel für Elene Meipariani und Josepha Schmidt gibt es beim Auftritt des Trios beim Neujahrskonzert 2017 in Winterbach.