Schorndorf

Lip-Lymph Remstal: Warum Frauen mit geschwollenen Beinen knallbunte Stümpfe tragen

Lip-Lymphödem-Gruppe
Kim Jakobi ist Vorsitzende des Vereins „Lip-Lymph-Remstal“, Norbert Breidohr Kassier und seine Frau Andrea Breidohr Zweite Vorsitzende (von rechts). Die Frauen tragen gerne knallbunte Kompressionsstrümpfe – manchmal sogar verziert mit Strasssteinen. © Gabriel Habermann

Angefangen haben sie alle mit Kompressionsstrümpfen in Hautfarben oder dunklen, gedeckten Tönen. Mittlerweile tragen sie Knallbunt und sagen mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein: „Wir sind, wie wir sind.“ Keine Selbstverständlichkeit bei vom Lip-Lymphödem Betroffenen: Weil sie an einer Fettverteilungsstörung leiden, manchmal sogar in Verbindung mit gestauter Flüssigkeit im Gewebe, haben sie ständig geschwollene und schmerzende Beine und Arme. Dass sie ihren Körper dennoch nicht verstecken, sondern offen auftreten, daran hat die Selbsthilfegruppe „Lip-Lymph-Remstal“ einen entscheidenden Anteil. Im Jahr 2018 gegründet, ist die Gruppe mittlerweile als Verein „Lip-Lymph-Remstal“ organisiert. Doch das Ziel ist gleich geblieben: Sie wollen sich austauschen, Informationen weitergeben – und Spaß am Leben haben.

„Ich fühle mich trotz meiner Rubens-Figur angenommen“

Denn das stellen nicht nur Kim Jakobi als Erste Vorsitzende und Andrea Breidohr als ihre Stellvertreterin fest: Bekommen sie von Nichtbetroffenen oft den Ratschlag, einfach mal ein paar Kilos abzunehmen, oder gleich abschätzige Blicke zugeworfen, fühlen sie sich in der Gruppe verstanden. „Ich fühle mich“, sagt Andrea Breidohr, „trotz meiner Rubens-Figur angenommen.“ Bezeichnend ist für Kim Jakobi auch dieses Erlebnis: Als sie einmal mit Stiefeln zu einem Gruppentreffen kam, war die Aufregung groß, weil alle gleich wissen wollten, wo es die Schuhe mit einem extraweiten Schaft gibt: „So etwas erlebe ich sonst nie.“ Auch Norbert Breidohr, seit Ende Mai 2021 Kassier des Vereins, hilft der Austausch: Er will die Gruppe für Männer öffnen, die entweder über ihre erkrankten Frauen mit dem Thema befasst oder selbst betroffen sind. Auf Norbert Breidohr trifft – nach einer Operation – beides zu.

Austausch über Ärzte, Kliniken, Therapeuten

Und Redebedarf gibt es genug – über Ärzte, Kliniken, Therapeuten und Anträge zur Kostenübernahme, die sie immer wieder stellen müssen: Dass die Krankenkassen seit 2020 auch beim Lipödem die Kosten für Lymphdrainage übernehmen, das, sagt Andrea Breidohr, ist offenbar noch nicht bei allen Hausärzten angekommen. Auch Kim Jakobi, die mit 18 Jahren die Diagnose Lip-Lymphödem bekommen hat und seit 14 Jahren Kompressionsstrümpfe trägt, hat sich in die Materie eingearbeitet, kennt sich aus und kann allen, die Probleme mit den eng anliegenden Strümpfen haben, die maßgefertigte Flachstrick-Version mit einer Hinternaht ans Herz legen – auch wenn eine solche Strumpfhose mehr als 1000 Euro kostet.

Fast 60 Interessierte auch übers Remstal hinaus

Da manche in der Gruppe schon eine Liposuktion, also eine Fettabsaugung hinter sich haben, gibt es auch darüber Informationen aus erster Hand. Und immer wieder werden Experten für Vorträge eingeladen. Seitdem die Gruppe, die sich in Vor-Corona-Zeiten in einer Gaststätte in Haubersbronn getroffen hat, monatlich zu Online-Veranstaltungen einlädt, hat sich der Kreis übers Remstal hinaus erweitert und ist von anfangs 25 auf fast 60 Interessierte angewachsen. Weil Anfahrtswege wegfallen, konnten für die Online-Formate sogar schon Koryphäen aus der ganzen Republik gewonnen werden. Beim nächsten Termin am Freitag, 18. Juni, steht ein Vortrag über Lymphomaten, deren Anwendung und Beantragung auf dem Programm. Gleichzeitig ist es auch für die Mitglieder der Gruppe einfacher geworden, an Veranstaltungen anderer Gruppen teilzunehmen. „Das Spektrum“, sagt Andrea Breidohr“, „hat sich erweitert.“

Info

Der Online-Vortrag über von Lymphomaten, also Druckluftstrümpfen zur Lymphdrainage, findet am Freitag, 18. Juni, 19 Uhr, statt. Kontakt zum Verein „Lip-Lymph-Remstal“ und weitere Informationen zum Online-Vortrag über0 71 81 /20 70 58-0, per E-Mail an info@liplyremstal.de sowie über die Internetseite www.liplyremstal.de.

Angefangen haben sie alle mit Kompressionsstrümpfen in Hautfarben oder dunklen, gedeckten Tönen. Mittlerweile tragen sie Knallbunt und sagen mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein: „Wir sind, wie wir sind.“ Keine Selbstverständlichkeit bei vom Lip-Lymphödem Betroffenen: Weil sie an einer Fettverteilungsstörung leiden, manchmal sogar in Verbindung mit gestauter Flüssigkeit im Gewebe, haben sie ständig geschwollene und schmerzende Beine und Arme. Dass sie ihren Körper dennoch nicht

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