Schorndorf

Männer bewachen den Bahnübergang

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Seit dem 11. Juni ist die Bahnschranke in Plüderhausen defekt, zwei Schrankenwärter sorgen für Sicherheit. © ZVW/Sarah Utz
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Etwa sechs bis sieben Mal pro Stunde klingelt dieses Handy. Dann bekommen die beiden Schrankenwärter Bescheid, wann der nächste Zug kommt.

Plüderhausen. Früher gab’s an Bahnübergängen einen Mann, der hat die Schranken runtergelassen, wenn ein Zug kam. Und sie wieder hochgekurbelt, wenn der Zug durch war. Schrankenwärter nannte man den Mann. Diese Zeiten sind längst vorbei – und jetzt wieder aufgelebt. Auf groteske Art. In Plüderhausen am Bahnübergang an der Adlerbrücke.

Da wird aber nicht gekurbelt, weil’s nichts zu kurbeln gibt. Da werden vielmehr seit mehr als einem Monat Absperrbänder über die Straße gezogen. Auf beiden Seiten des Bahnübergangs und von zwei Männern. Und logischerweise immer dann, wenn ein Zug kommt. Ist er durch, werden die Bänder wieder auf die Seite gerollt.Video: Wenn ein Zug kommt, sperren zwei Mann den Bahnübergang an der Plüderhäuser Adlerbrücke per Hand mit einer Art Girlande ab.

Das Ganze geht nach einem Blitzschlag am 11. Juni so

Angefangen hat das Malheur am 11. Juni. Der Plüderhäuser Bürgermeister Andreas Schaffer erinnert sich noch genau an den Tag. Es war die Amtseinsetzung seiner neuen Urbacher Kollegin Martina Fehrlen, und es gab ein Gewitter. Ein Blitz zerstörte die Elektronik des Bahnübergangs. „Irreparabel“, wie jetzt auf Nachfrage die Deutsche Bahn AG mitteilt. Seither ist der Bahnübergang an der Adlerbrücke gesperrt, seither sitzen zwei Leute im Auto vor dem Übergang und sperren von Hand mit Girlande und Schildern den Übergang ab, sobald ein Zug kommt. Ein Ende der fast grotesk anmutenden Aktion ist nur bedingt abzusehen. „Voraussichtlich Mitte August wird die Anlage wieder in Betrieb genommen“, heißt es von der Bahn. Dann sei der Bahnübergang wieder „technisch gesichert“.

„Aus allen Wolken gefallen“ ist Bürgermeister Schaffer, als er die zwei Behelfs-Schrankenwärter mit ihren Absperrbändern erstmals in Aktion sah. „Ich dachte, das sei eine Sache von Tagen“, glaubte der Rathauschef. Dass er sich mit dieser Einschätzung gewaltig täuschte, erfuhr Schaffer, nachdem er sich bei der Bahn kundig gemacht hatte. Da hieß es nämlich zunächst, man könne aus einem stillgelegten Bahnübergang eine passende elektronische Anlage aus- und in Plüderhausen einbauen. Pech nur, dass diese Anlage offenbar nicht kompatibel war. Jetzt bleibt der Deutschen Bahn nichts anders übrig, als eine ganz neue Anlage zu installieren. Geplant ist, dass mit den Arbeiten am Donnerstag, 26. Juli, also mit Beginn der Sommerferien, angefangen wird. Dann muss der Bahnübergang an der Adlerbrücke voll gesperrt werden, auch für Fußgänger. Die „Bahnübergangsposten“, wie die zwei Mann an der Adlerbrücke korrekt und im Bahndeutsch bezeichnet werden, haben dann ihre Pflicht und Schuldigkeit getan. Eigentlich war die Erneuerung des Bahnübergangs mit neuer Elektronik, Schrankenanlagen und Straßenbelag im Jahr 2022 vorgesehen gewesen. Der Blitz hat dafür gesorgt, dass die Elektronik vorgezogen werden muss.

Bürgermeister Schaffer erinnert daran, dass die Verwaltung in der Gemeinderatssitzung Anfang März dieses Jahres bereits darauf hingewiesen habe, dass es mit dem Bahnübergang an der Adlerbrücke nicht zum Besten stehe. Seinerzeit ging es um die abknickende Vorfahrt, die das Eisenbahnbundesamt zwingend fordert, wenn 2022 der Bahnübergang komplett erneuert ist. Laut Schaffer hat die Deutsche Bahn jetzt ein Angebot gemacht, das man durchaus als nicht ganz moralisch bezeichnen könnte: Falls Plüderhausen in die Planung einer Ostüberführung einsteige, dann würde vielleicht auf die Forderung einer abknickenden Vorfahrt (die Plüderhäuser Gemeinderäte waren im März eh dagegen gewesen, ja, sie waren sogar entsetzt von dieser ins Auge gefassten Verkehrsführung) verzichtet.

Etwa 80 Züge am Tag

Durch Plüderhausen fahren jeden Tag ungefähr 80 Züge. Rund 60 davon sind zur Personenbeförderung unterwegs, der Rest sind Güterzüge oder einzelne Lokomotiven. So oder so: Die Bahnübergänge müssen immer zu sein, wenn Züge durchfahren.