Schorndorf

Mann will Ex-Freundin und Kind befreien

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Symbolbild. © Mathias Ellwanger

Schorndorf. Die Zeit hätten Richterin Petra Freier, der Staatsanwalt und der Rechtsanwalt sinnvoller verbringen können, denn die Verhandlungen über einen 39-jährigen Griechen, der wegen falscher Verdächtigungen vor Gericht stand, und seine Ex-Freundin war so kurios wie unnötig. Das lag nicht nur daran, dass ein Dolmetscher im Einsatz war.

Seit 1988 lebt der 39-Jährige in Deutschland. Seine Deutsch-Kenntnisse sind auch nach 28 Jahren nicht besonders gut, also bittet Richterin Petra Freier ihn, auf Griechisch zu antworten. Ein Dolmetscher übersetzt. Doch die erhoffte Wirkung, der Grieche werde in seiner Muttersprache strukturierter berichten, tritt nicht ein. Auch seiner Ex-Freundin, mit der er ein Kind hat, attestiert Petra Freier „fehlende kognitive Kompetenzen“. Bis ungefähr geklärt ist, dass der Grieche aus Braunschweig nach Schorndorf fuhr, um seiner Freundin zu helfen, die von dieser Hilfe aber gar nichts wissen wollte, verging viel Zeit. Es geht darum, wie er die Polizei davon überzeugte, dass sie ihm beim Besuch bei seiner Ex-Freundin und ihrem neuen Lebensgefährten unterstützte. Es sei ein großer Unterschied, macht der Staatsanwalt deutlich, ob jemand rausgeschmissen wird oder ob jemand gegen seinen Willen festgehalten wird. Aber der Reihe nach.

Frau wurde rausgeschmissen

Der Grieche, der in Braunschweig lebt, war bis November letzten Jahres mit einer verheirateten Frau zusammen, ebenfalls Griechin. Sie bekamen ein Kind. Weil der Ehemann wohl ahnte, dass er bei der Zeugung des Kindes durch Abwesenheit glänzte, schmiss er die Frau raus. Weil sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr mit dem 39-jährigen Griechen liiert war, zog sie zu einem Freund, ein Grieche, nach Schorndorf. Mit ihm ist sie seit Dezember zusammen.

Der 39-jährige gelernte Tischler und Aufstocker, der für seine Frühverrentung kämpft, behauptet, die Mutter ihres Kindes – er zuckt kaum mit der Wimper, als sie mit der gemeinsamen Tochter im Arm den Gerichtssaal betritt – hätte sich bei einem Freund von ihm gemeldet, ihr neuer Partner in Schorndorf behandle sie schlecht, hätte sie auf die Straße gesetzt. Sie brauche Hilfe, womit sie in erster Linie wohl Geld meinte.

Der Angeklagte, nicht vorbestraft, machte sich spontan Ende Dezember mit dem Freund, der Arbeitslose tritt als Zeuge auf, auf den Weg in die Daimlerstadt. Er wollte seine Ex-Freundin abholen, wie irgendwann irgendwie deutlich wird.

Vor Ort rufen sie die Polizei an, da sie Zeugen dabeihaben wollen, wenn es zur Begegnung kommt. Der Polizei habe der Grieche wohl gesagt, Kind und Ex-Freundin würden gegen ihren Willen in der Wohnung ihres neuen Partners festgehalten. Der Mann verlange 1000 Euro, dann würde er beide gehen lassen. Wegen dieser falschen Verdächtigung wurde der Grieche bereits zu einer Geldstrafe verurteilt, doch das Urteil akzeptierte er nicht. Also fuhren sie am Dienstag wieder nach Schorndorf, dieses Mal allerdings direkt zum Amtsgericht.

Doch damit nicht genug. Als die Polizei bei der Griechin klingelte, habe sie glaubhaft versichert, ihr gehe es gut und sie wolle ihren neuen Partner nicht verlassen. Eher sei es so, dass ihr Ex-Freund sie belästige, von Stalking ist die Rede. Dass sie bei Facebook besagtem Freund, der den Griechen ins Amtsgericht in Schorndorf begleitet, geschrieben hatte, es gehe ihr schlecht, sie brauche Geld, sie sei vor die Tür gesetzt worden, ist mehr als verwirrend. Erst sagte sie, sie wäre nicht bei Facebook aktiv. Dann präsentiert der Anwalt des Griechen ein Gesprächsprotokoll zwischen ihr und dem Zeugen. Auch die Sache mit den 1000 Euro ist schwierig. Denn irgendwann heißt es, die Frau habe von ihrem griechischen Ex-Freund Geld verlangt, weil sie und ihr neuer Freund die Kosten für das Kind tragen müssten. Na ja, mangelnde kognitive Kompetenz. Der Staatsanwalt wirkt genervt.

Er ätzt gegen den Griechen: Er hätte der Polizei etwas vorgegaukelt, damit er Zugang zu seiner Freundin erhielt. Die Frau sei nicht festgehalten worden. Es ist ihm anzumerken, dass er sich um Lebenszeit betrogen fühlt, weil die Sache erneut verhandelt werden muss. Auch wenn noch Fragen offen sind, beschließt Petra Freier, das Verfahren einzustellen. Vielleicht habe die Polizei ja das gleiche Problem wie sie gehabt: Sie haben einfach nicht richtig verstanden, was der Grieche von ihnen wollte. Dem wurden noch 20 Arbeitsstunden auferlegt.