Schorndorf

Matthias Klopfer vor Oberbürgermeister-Wahl in Esslingen: Erschöpft, aber zuversichtlich

Matthias Klopfer
Ein anstrengender Wahlkampf liegt hinter ihm. Am Sonntagabend steht fest, ob Matthias Klopfer neuer Oberbürgermeister in Esslingen wird. In Schorndorf will er auf keinen Fall mehr antreten. © Büttner

Anstrengende Wochen liegen hinter ihm. Wochen, in denen er gleichzeitig als Schorndorfer Oberbürgermeister präsent war und um die Nachfolge des scheidenden Amtsinhabers Jürgen Zieger (SPD) in Esslingen kämpfte. Am 11. Juli landete Matthias Klopfer beim ersten Wahlgang auf Platz 2, knapp hinter dem CDU-Kandidaten Daniel Töpfer (32), Bürgermeister in Weissach. Dritter war der Grüne Vittorio Lazaridis, der kurz darauf seine Kandidatur zurückzog. An diesem Sonntag wird’s ernst. Im zweiten Wahlgang werden sich die Esslinger zwischen Klopfer und Töpfer entscheiden und definitiv ihren neuen Oberbürgermeister bestimmen.

Kurz vor dem Tag der Entscheidung ist Matthias Klopfer erschöpft, aber optimistisch. „Nach elf Wochen Wahlkampf bin ich müde“, räumt er ein. Zumal etwa die vergangene Woche auch in Schorndorf für ihn mit vier Abendterminen inklusive der letzten Sitzung des Gemeinderats vor der Sommerpause und einem Treffen des Aufsichtsrats der Stadtwerke ziemlich kernig war. In den vergangenen Wochen hat er immer wieder Urlaubstage für den Wahlkampf in Esslingen genommen, den er – wie ihm Wahlbeobachter bescheinigen – sehr engagiert geführt hat. Nicht nur auf dem Wochenmarkt sei er mit vielen ins Gespräch gekommen, sondern auch in Vereinen, Unternehmen und den Stadtteilvertretungen, berichtet Klopfer selbst. Nun kann er dem zweiten Wahlgang optimistisch entgegensehen. Vor allem auch mit der Wahlempfehlung des Grünen Vittorio Lazaridis im Rücken und der Empfehlung des parteilosen Bewerbers Gebhard Mehrle, der nach dem ersten Wahlgang ebenfalls zurückgezogen hatte.

Der Wahlausgang hängt auch von der Wahlbeteiligung ab

„Ich bin zuversichtlich und selber gespannt, wie es ausgeht“, sagt Klopfer. Letztlich hänge der Ausgang auch von der Wahlbeteiligung ab. Die lag beim ersten Wahlgang vor zwei Wochen bei rund 42 Prozent, und mehr wird es sicher nicht werden – eher weniger. Das zeigen die Erfahrungen aus allen vergleichbaren Städte. Er wünsche sich 40 Prozent, sagt Klopfer, hält das aber für wenig realistisch. Auf eine Aussage, wie viel Prozent der Stimmen er holen will, will er sich lieber nicht festlegen. Aber klar ist: „Mein Ziel ist es, zu gewinnen.“

Doch auch sein Konkurrent Daniel Töpfer, Bürgermeister der gerade mal 8000 Einwohner großen Gemeinde Weissach im Kreis Böblingen, ist nicht zu unterschätzen. Während der smarte 32-Jährige in seinem Wahlkampf selbstbewusst auf Aufbruch und Neuanfang setzte und nicht müde wurde, die Mängel der Esslinger Stadtverwaltung anzuprangern, setzte Matthias Klopfer deutlich abgeklärter auf seine Erfahrung als Oberbürgermeister. Aber auch bei Themen wie dem Klimaschutz, der Verkehrswende und dem sozialen Wohnungsbau nimmt der überzeugte Sozialdemokrat eine deutlich andere Position ein als sein Kontrahent, der von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützt wird. Die Unterstützung des gesamten bürgerlichen Lagers für Töpfer ist schon mal keine schlechte Voraussetzung, zugutekommen könnte ihm aber auch sein jugendliches Alter, gepaart mit seinen nimmermüden Versprechen, alte Zöpfe abschneiden zu wollen. Das kommt an, das weiß auch Klopfer: „Die Gefahr bei mir ist, dass manche denken, da kommt schon wieder so ein OB wie der vorherige, aber ich bin ganz anders als Jürgen Zieger.“ Doch die Arbeit im Esslinger Rathaus beurteilt er deutlich milder als sein Kontrahent. „Er hat den Eindruck, in der Stadtverwaltung läuft gar nichts – ich denke, es läuft ganz gut“, bringt er es auf den Punkt. Außer im Bürgerservice, wo die Esslinger monatelang auf eine Passverlängerung warten müssten: „Da“, sagt Klopfer“, „sind die Bürger zurecht unzufrieden. Das läuft katastrophal.“ Er selbst verweist selbstbewusst auf sein Rathaus, das offen und bürgerfreundlich, weithin das erste gewesen sei, das nach der Corona-Krise wieder geöffnet war.

Demokratie lebt vom Wechsel, findet Klopfer

Dass er selbst auf keinen Fall in Schorndorf bleiben will, hat Matthias Klopfer längst klargemacht. Auch wenn er bei der Wahl an diesem Sonntag scheitern sollte, wird er für eine dritte Amtszeit nicht zur Verfügung stehen. In Schorndorf habe er vieles anstoßen und Impulse geben können, hatte er bei der Ankündigung zur Kandidatur in Esslingen erklärt. Doch Demokratie lebe auch von Wechsel und 15 Jahre seien eine lange Zeit: „Ich will was Neues machen“, hatte Klopfer damals angekündigt. Seinen Absprung bedauern die einen, andere sind wohl erleichtert. „Die AfD macht Jubelsprünge und sicher auch manche Bürger“, sagt Klopfer selbstkritisch. Doch als Verwaltungschef könne er es nicht allen Menschen recht machen, obwohl er immer versucht habe, die Spielräume für die Bürger maximal auszuschöpfen und maximal transparent zu sein. Klopfer ist ein Macher, einer, der ständig auf der Überholspur unterwegs ist. Er weiß, dass er im Gemeinderat manchmal überhart reagiert: „Das tut mir hinterher leid.“ Im Rathaus hatte er stets offene Türen, ansprechbar sein wollte er für seine Mitarbeiter, aber auch die Bürger. Beide werden ihm fehlen – die Schorndorfer und die Mitarbeiter. „Mein Team ist meine zweite Heimat“, sagt er. Abschied nehmen wird er auf jeden Fall. Ob noch in diesem Herbst oder im kommenden Jahr: Das entscheidet sich am Sonntag.

Anstrengende Wochen liegen hinter ihm. Wochen, in denen er gleichzeitig als Schorndorfer Oberbürgermeister präsent war und um die Nachfolge des scheidenden Amtsinhabers Jürgen Zieger (SPD) in Esslingen kämpfte. Am 11. Juli landete Matthias Klopfer beim ersten Wahlgang auf Platz 2, knapp hinter dem CDU-Kandidaten Daniel Töpfer (32), Bürgermeister in Weissach. Dritter war der Grüne Vittorio Lazaridis, der kurz darauf seine Kandidatur zurückzog. An diesem Sonntag wird’s ernst. Im zweiten

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