Schorndorf

Mehr Kirchenaustritte in Schorndorf wegen Missbrauchs-Skandal in München-Freising?

PfarrerKessler
Wolfgang Kessler, Pfarrer der katholischen Heilig-Geist-Gemeinde. © Gaby Schneider

Mit einer Flut von Kirchenaustritten sind die Standesämter in Bayern konfrontiert, nachdem das Gutachten zu sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im katholischen Erzbistum München-Freising veröffentlicht wurde und der emeritierte Papst Benedikt XVI. in der Rückschau auf die Ereignisse offenkundig die Unwahrheit gesagt hat. 650 Kirchenaustrittstermine – und damit doppelt so viele wie sonst üblich – wurden dort vorige Woche allein an einem Tag gebucht. Auch an der katholischen Heilig-Geist-Gemeinde in Schorndorf geht dies nicht spurlos vorüber: Als „erschütternd und verstörend“ bezeichnet Pfarrer Wolfgang Kessler die Meldungen über die Missbrauchsfälle. Er habe dies, erläutert Kessler auf Anfrage, am vorvergangenen Sonntag in der Predigt im Gottesdienst auch benannt.

„Unerklärlich und nicht nachvollziehbar sind die Äußerungen des ehemaligen Papstes Benedikt XVI“, sagt Kessler. In der Kirchengemeinde nimmt er „Fassungslosigkeit und eine große Enttäuschung“ wahr. Insgesamt hofft Kessler aber, dass die Erfahrung als Gemeinde vor Ort – mit dem Engagement für die Menschen – prägend ist, dies gesehen wird und stärker ist als der Frust und die Enttäuschung über das institutionelle Verhalten in München oder Köln.

Leichte Zunahme der Kirchenaustritte

Tatsächlich verzeichnet das Standesamt Schorndorf im Januar 2022 etwas mehr Kirchenaustritte als noch im Januar 2020 – im Januar 2021 war das Rathaus wegen der Corona-Pandemie im Lockdown geschlossen: Haben Anfang 2021 insgesamt 40 Schorndorferinnen und Schorndorfer der Katholischen und der Evangelischen Kirche den Rücken gekehrt, waren es von Montag, 3. Januar, bis Freitag, 28. Januar 2022, bereits 52. Wie sich die Zahlen weiterentwickeln, ist unklar. In der Vergangenheit gab es – aufs ganze Jahr betrachtet – aber eher wenig Schwankungen: Für 2019 verzeichnet das Standesamt Schorndorf 296 Kirchenaustritte, für 2021 in Summe 317. Doch Hanna Oesterle, kommissarische Fachbereichsleitung Bürgerservice, sagt auch: „Wer im Moment ins Standesamt will, kommt wegen Kirchenaustritten.“

Auch in der Kirche fehlen Kontakte

Für Pfarrer Kessler und die Heilig-Geist-Gemeinde wird nach zwei Jahren Corona-Pandemie aber auch sehr deutlich, wie stark sich dies auf das gesellschaftliche und gemeinschaftliche Leben auswirkt, wenn gemeinsame Begegnungen nur eingeschränkt oder mit Maske und Abstand möglich sind: „Ohne kontinuierliche Veranstaltungen und regelmäßige Begegnungen der Gruppen fehlen gemeinsame Erfahrungen und Erlebnisse, und dies wirkt sich unmittelbar auf das Gemeinschaftserlebnis und die Gruppenzugehörigkeit aus.“ Um so wichtiger ist für ihn, dass kleine Zeichen der Verbundenheit gepflegt und entwickelt werden. Darum hat der Kirchengemeinderat bei einer Klausur im Herbst Zukunftsideen entwickelt, um als einladende und den Menschen zugewandte Gemeinde erfahren zu werden: So soll das Kirchencafé im Anschluss an den Sonntagsgottesdienst wiederbelebt werden, es gibt persönliche Grußkarten an neu zugezogene Gemeindemitglieder und Weihnachtskarten an Senioren. Außerdem gab’s für die Abonnenten der kirchlichen Mitteilungen wieder einen Sternsingersegen in den Briefkasten.

Mit einer Flut von Kirchenaustritten sind die Standesämter in Bayern konfrontiert, nachdem das Gutachten zu sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im katholischen Erzbistum München-Freising veröffentlicht wurde und der emeritierte Papst Benedikt XVI. in der Rückschau auf die Ereignisse offenkundig die Unwahrheit gesagt hat. 650 Kirchenaustrittstermine – und damit doppelt so viele wie sonst üblich – wurden dort vorige Woche allein an einem Tag gebucht. Auch an der katholischen

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