Schorndorf

Mehr Schüler: Diskussion um Schulentwicklungsplan

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Das Deutsch-Abi haben die beiden Schorndorfer Gymnasien in den letzten Jahren immer zusammen geschrieben, aber bei den Anmeldezahlen gibt’s aktuell eine Schieflage. © Schneider/ZVW (Archiv)

Schorndorf. Nicht nur bei den Kindergartenkindern hat sich der bis vor kurzem noch als verlässlich geltende rückläufige Trend umgekehrt. Auch bei den Schülerzahlen geht es, beginnend mit dem laufenden Schuljahr 2016/17, wieder aufwärts. Massive Konsequenzen baulicher Art wie bei den Kindergärten sind deshalb aber wohl nicht erforderlich: Die Stadt setzt im Zweifel auf Lenkungsmaßnahmen.

Der erste Schulsituationsbericht seit Einführung der Gemeinschaftsschule im Jahr 2013 macht deutlich, wie sich die Vorzeichen umgekehrt haben. War das Statistische Landesamt 2011 noch von einem Schülerrückgang von etwa 26(!) Prozent bis zum Schuljahr 2028/29 ausgegangen, so ist in Schorndorf – bedingt vor allem durch einen nicht nur am Zuzug von Flüchtlingsfamilien festzumachenden Einwohnerzuwachs – die Gesamtschülerzahl zuletzt binnen eines Jahres um fast 200 auf 4321 gestiegen. Und bei den Einschulungen zum kommenden Schuljahr 2017/18 muss die bislang geltende Prognose von 293 Erstklässlern um rund 40 nach oben korrigiert werden.
 

Im Schuljahr 2021/22 könnte die Kapazitätsgrenze erreicht sein

Laut dem zuständigen Abteilungsleiter Joachim Loose würde das aus heutiger Sicht bedeuten, dass in der Kernstadt zum Schuljahr 2021/22 die Kapazitätsgrenze von insgesamt 243 Erstklässlern nahezu erreicht und ein Jahr später übertroffen wird. Loose zufolge könnte das bedeuten, dass Lenkungsmaßnahmen vorgenommen werden müssen. Und zwar in der Form, dass Schüler aus der Kernstadt auf Grundschulen in den Stadtteilen ausweichen müssen. Ein passgenau eingerichteter Schulbusverkehr müsste dann die Folge sein. Nur die äußerste Notlösung wären bauliche Erweiterungsmaßnahmen in der Kernstadt. Wobei vorher ja auch die Möglichkeit bestünde, dass zum Auffangen eines einzelnen stärkeren Jahrgangs an der Künkelinschule vorübergehend wieder eine dritte Eingangsklasse eingerichtet wird.
 

Steigende Schülerzahlen an der einen, sinkende an der anderen Schule

Derzeit und auf absehbare Zeit ist die Situation an den Stadtteil-Grundschulen so, dass insgesamt 196 Plätze pro Jahrgang zur Verfügung stehen, dass alljährlich aber rund 60 Plätze frei bleiben. Wobei die Entwicklung im Einzelnen durchaus unterschiedlich sind. An der stabil zweizügigen Reinhold-Maier-Schule in Weiler sieht es weiter so aus, als würde die Auslastung bis zum Schuljahr 2022/23 steigen und als würden die Klassen zunehmend voller. Gleichzeitig ist die Schülerzahlenentwicklung an der einzügigen Schurwaldschule in Oberberken deutlich rückläufig – und zwar in einem Maße, dass in den nächsten Jahren die Mindestschülerzahl von 16 je Klasse nicht mehr erreicht wird.

Jahrgangsübergreifende Klassen

Dies hat zur Folge, dass schon vom kommenden Schuljahr an sukzessive jahrgangsübergreifende Klassen gebildet werden müssen. Vom Schuljahr 2019/20 an werden dann voraussichtlich nur noch zwei jahrgangsübergreifende Klassen (1 und 2 sowie 3 und 4) eingerichtet werden können. Demgegenüber sind die Otfried-Preußler-Schule in Miedelsbach, die Schillerschule in Haubersbronn und die Sommerrainschule in Schornbach stabil einzügig, gleichzeitig aber bei 28 Plätzen je Klasse freie Kapazitäten vorhanden.

Regierungspräsidium blockiert gymnasiale Schülerlenkung

An den weiterführenden Schulen sieht’s den Prognosezahlen zufolge so aus, dass die Schülerzahlen an der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen sich ständig an der Grenze von der Zwei- zur Dreizügigkeit (also zwei bis drei Paralellklassen) bewegen – mit Tendenz zur Dreizügigkeit. Diese Tendenz lässt sich nicht zuletzt mit den Fluktuationsgewinnen durch Schulwechsler erklären (10,6 Prozent bis Klasse 8). Ähnlich sieht’s bei der Gottlieb-Daimler-Realschule aus. Deren Fluktuationsgewinne sind sogar noch etwas höher. Sie bewegt sich stabil innerhalb der Fünfzügigkeit, was aber nicht ausschließt, dass einzelnen Jahrgänge in die Sechszügigkeit rutschen. Die beiden Gymnasien verlieren bis zur Klasse 10 der Prognose zufolge 13,4 (MPG) beziehungsweise 19,6 Prozent (Burg-Gymnasium) der ursprünglich aufgenommenen Schüler. Das gibt mit Blick aufs kommende Schuljahr Probleme insofern, als es nach zweijähriger Unterbrechung erstmals wieder acht Eingangsklassen gibt. Nach den Anmeldungen ergibt sich dadurch eine Schieflage mit fünf Klassen am damit räumlich an seine Grenzen stoßenden Max-Planck-Gymnasium und nur drei Klassen am Burg-Gymnasium.

Mehr Bedeutung für den Elternwillen als für das Interesse der Schulen?

Der Versuch der Stadt, durch die Lenkung von Schülern vom einen zum anderen Gymnasium einen Ausgleich herzustellen, ist am Widerstand des Regierungspräsidiums gescheitert. Das, so sieht es die Stadtverwaltung, „misst dem Elternwillen mehr Bedeutung bei als dem Interesse der Schulen und des Schulträgers an einer geordneten und nachhaltigen Schulentwicklung“. Wobei die Verwaltung hofft, dass sich das gymnasiale Schulwahlverhalten mit dem für 2018/19 geplanten Bezug des Neubaus des Burg-Gymnasiums wieder in Richtung einer gleichmäßigen Auslastung der beiden Gymnasien austariert. Und weil es speziell an den Gymnasien auch einen hohen Schüleranteil von Auswärtigen gibt, setzt die Stadt auch auf Abstimmungsgespräche zur regionalen Schulentwicklung mit den Nachbarkommunen und dem Staatlichen Schulamt, um eine gleichmäßige Auslastung der schulischen Raumressourcen in der Raumschaft Schorndorf zu erreichen.

Inklusion spielt bislang nur eine untergeordnete Rolle

Die Albert-Schweitzer-Schule, eines der großen sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren mit Föderschwerpunkt Lernen (SBBZ), erwartet zum kommenden Schuljahr sieben Erstklässler. Sie hätte dann, auf neun Klassen verteilt, 90 Schülerinnen und Schüler. In dieser Größenordnung dürften sich die Schülerzahlen auch in den kommenden Jahren bewegen, zumal die Schule durch die Schließung des SBBZ in Plüderhausen eine gewisse Stärkung erfahren hat. Das Thema Inklusion hat sich bislang auf die Schülerzahlen der Albert-Schweitzer-Schule noch nicht spürbar ausgewirkt. Auch an den anderen Schulen spielt Inklusion, sprich: die Möglichkeit, Kinder mit Handicap ganz regulär an allgemeinbildenden Schulen aufzunehmen, bislang keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Zum Schuljahr 2016/17 wurden an der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen drei Kinder mit Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot in Klasse 5 aufgenommen, für das Schuljahr 2017/18 liegt eine Anmeldung vor.

Elf Vorbereitungsklassen für Kinder die Deutsch noch lernen müssen

Die Zahl der Vorbereitungsklassen für Kinder, die erst einmal Deutsch lernen müssen, ist zum Schuljahr 2016/17 von fünf auf elf erhöht worden. 196 Schülerinnen und Schüler werden in diesen Vorbereitungsklassen unterrichtet, dazu kommen 78 Kinder, die am Berufsschulzentrum unterrichtet werden. 121 Kinder mit ausländischen Wurzeln sind mittlerweile in Regelklassen aufgenommen worden.


Schulentwicklungsplan: Zahlen und Fakten

Mit den Schülerzahlen in Verbindung mit dem zunehmenden Wunsch der Eltern nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf steigt natürlich auch die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die Betreuungsangebote – angefangen von der Kernzeitbetreuung bis hin zur Ganztagsschule – wahrnehmen. Ziemlich genau 400 Kinder sind im laufenden Schuljahr zu solchen Angeboten angemeldet, über 100 mehr als im Schuljahr 2011/12.

Bei der Ganztagesbetreuung gibt es laut dem Ersten Bürgermeister Edgar Hemmerich, der mittlerweile an zwei vom Kultusministerium anberaumten Ganztagesgipfeln teilgenommen hat, insofern eine gewisse Unsicherheit, als die neue Kultusministerin Susanne Eisenmann am liebsten nur noch eine verbindliche Ganztagsschule hätte mit einem durchgängig rhythmisierten Betrieb. Was für viele nicht verpflichtende Ganztagesangebote vor allem an kleineren Schulen das Aus bedeuten würde. „Es wird für die Stadtteile immer andere Angebote brauchen als für die Kernstadt“, sagte Hemmerich, der jetzt das Kultusministerium in der Pflicht sieht, sich mit den vielen offenen Punkten und ungeklärten Fragen zu beschäftigen und dann ein zukunftsfähiges Konzept für die Ganztagesbetreuung vorzulegen.

Ganz generell Auswirkungen auf die Schülerzahlen hat auch die Wohnbauentwicklung und, daraus resultierend, die Entwicklung der Einwohnerzahlen. Aktuell wird davon ausgegangen, dass Schorndorf bis zum Jahr 2025 um rund 2000 auf dann 42 000 Einwohner wächst. Davon ausgehend, dass die Sechs- bis 15-Jährigen jeweils knapp ein Prozent eines Jahrgangs ausmachen, würde das bedeuten, dass pro Jahrgang an den Schorndorfer Grundschulen 19 zusätzliche Schüler eingeschult werden müssen. Was einer zusätzlichen Klasse pro Jahrgang entspräche. Von diesen 19 würden dann auf Basis der durchschnittlichen Übergangsquoten jeweils acht auf die Realschule und aufs Gymnasium und drei auf die Gemeinschaftsschule wechseln.